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Gedanken zur Integration

Die ZENTRUM Debatte heute hat aufgezeigt, dass die größte Hürde zu großflächig erfolgreichen Integrationsbemühungen für Muslime anscheinend der Mangel an gegenseitigem Verständnis und Kommunikation sowie zu einem kleinen Teil auch Unwille ist. Da konnte der Konvertit und Islamdokumentar nicht mit dem Cheffe der Glaubensgemeinschaft, weil der sich gegen jegliche Kritik verwehrte und auch die scheinbar gut recherchierten Zahlen der Politologin nicht anerkennen wollte. Das kurzzeitige Abdriften der Diskussion auf die beruflichen Umstände und möglichen Konsequenzen des Soziologen Khorchide (Uni Wien) aufgrund dessen Auftritt in der Sendung tat dem Klima ebenfalls wenig gut.

Der Ausgang der Diskussion, sofern man davon überhaupt reden kann, war eher ernüchternd. Das gegenseitige Mißtrauen, leider hauptsächlich ausgehend vom vorher angesprochenen Vertreter der hiesigen, islamischen Glaubensgemeinschaft, konnte nie so wirklich überwunden werden. Er befand sich stets in einem selbstkonstruiert wirkenden Abwehrgefecht und war scheinbar nur vorhanden, um gebetsmühlenartig die Wichtigkeit seines Vereins und dessen Ausrichtung auf Rechtsstaat und westliche Gesellschaftswerte zu wiederholgen. Das einzige Agreement das gefunden wurde war, das Integration nötig sei, und Maßnahmen beider Seiten bedinge, und die Glaubensfreiheit in Österreich nicht in Frage gestellt würde. Innenminister Platter tat genau das, was ich erwartet hatte: Er redete kontinuierlich an den Experten aus der Wissenschaft vorbei, und versuchte krampfhaft der Diskussion einen Spin in Richtungs Sicherheitsfrage zu geben

Und das gelang teilweise auch, brachte aber nicht viel mehr hervor, als bereits bekannt ist: Der Anteil an islamischen Fundamentalisten in Österreich ist gering, und die Menge an (potentiell) Gewaltbereiten darunter geradezu verschwindend – eine Gefahrenquelle sind sie trotzdem. Die Kritik am geltenden Fremdenrecht ignorierte der “Sicherheitsminister” (Eigenzitat) und spulte dafür seine aus anderen Diskussionen wohlbekannten, doch hohlen Toleranzphrasen runter, auf Moscheebauten angesprochen verweigerte er ebenso eine eigene Meinung und delegierte die Verantwortung an die jeweiligen Bürgermeister. Letztendlich darf man vermuten, dass dies nicht mehr war als ein billiger Trick, um seine eigene Anschauung hinterm Berg zu halten, speziell nachdem aufgekommen war, dass bei jüngsten Anti-Moschee Demos nicht nur blaue, sondern auch schwarze Gestrige mitmarschiert waren. VP-Funktionäre bei stracheartigen Veranstaltungen waren dem Tiroler Law&Order-Mann verständlicherweise als Gesprächsthema zu unangenehm. Das Sinnvollste was dieser von sich gab, war die Idee der deutschsprachigen Predigten in islamischen Gebetshäusern – und die ist original nicht einmal von ihm.

Und hier schließt sich der Kreis: Verbietet man Moscheen, entstehen (Zitat Kanzler) “Hinterhofgebetshäuser”, deren Überwachung ungleich schwerer fällt. Dürfen die Imame jedoch in richtigen Gotteshäusern predigen, für die Moslems jüngerer Generation vielleicht sogar auf Deutsch, schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Chance für Fundamentalisten, auf diesem Weg Menschen zu ködern sinkt dramatisch, und man gibt den Moslems im Lande ein Gefühl der Akzeptanz. Und genau das, so konnte man in dieser Zentrums-Runde vernehmen, fehlt sowohl bei der ersten Generation eingewanderter Islamgläubiger, als auch bei den Folgegenerationen. Natürlich ist es von Religionsfreiheit zur Chancengleichheit noch ein großer Schritt, doch der Anfang kann nicht früh genug gemacht werden, trödelt man doch schon seit drei Jahrzehnten herum.

Ohne Akzeptanz auf beiden Seiten kann es keine vernünftige Integration geben, denn wer will sich schon in eine Gesellschaft hineinleben, die einen von vornherein an den Rand drängt? Leider gibt es hierzulande immer noch zuviele Menschen mit irrealen Ängsten und konservativer Gesinnung, die sich oft genug mit verkapptem Nationalismus paart. In er Tat hat auch der moderne Islam ausserhalb seiner geografischen Stammgebiete noch Reformbedarf, doch zur Veränderung gehört zuerst der Wille der Österreicher, ihren moslemischen Mitbürgern eine ehrliche Chance einzuräumen und sie nicht permanent durch Vorurteile und Verallgemeinerungen in eine Verteidigerrolle zu stoßen.

Hinweis: Eine Diskussion zum Thema findet sich auf der Plattform der Kollegen von Liberal in Austria.

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1 Kommentar

  • Am 17. September 2007 sagte weltbeobachterin:

    beim Platter habe ich das Gefühl, das er sich fürchtet vor seiner eigenen Meinung. Die könnte ihm ja mal später auf den Kopf fallen.

    soweit ich noch rausgehört habe bei ihm, dass er für verpflichtendes Vorschuljahr ist wegen der Deutschkurse.

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