Archiv

Die Uni-Serviceperversion

Die neuen Leitgedanken zur Unipolitik kennen wir ja seit Schwarz-Blau. Die pseudo-finanzautonomen Universitäten (die damit mehr in Abhängigkeit Privater geraten) haben weniger Geld, die Zustände in einzelnen, überlaufenen Studienrichtungen sind eine Katastrophe, viele Einrichtungen oft veraltet und dergleichen. Kurz: Eine Misere für ca. 380 Euro im Halbjahr.

Zudem ist es so, dass die heimischen Bildungsakademien kein gemeinsames Online-Anmeldesystem haben. An der Uni Wien gibt es beispielsweise für viele Fachrichtungen jeweils eine ganz eigene Plattform, was für multiinskribierte Studenten wahrleich kein Spaß sein muss. An der Uni Salzburg ist das seit heuer eigentlich besser gelöst… eigentlich.

“PLUS Online” nennt sich das System, dass anmelde- und termintechnisch die Aufgaben übernimmt, die das sogenannte “Blackboard” für die Lehrveranstaltungsorganisation schon lange bietet. Hier werden in einem zentralen System für die einzelnen Fächer jeweils Forengeführt, Abgabemöglichkeiten für Arbeiten angeboten, sowie Unterlagen zum Download angeboten. “PLUS Online” übernimmt auf dieselbe Art und Weise die Anmeldefunktionen und Terminverwaltung für viele (wenn nicht gar alle) Fachrichtungen. Nette Zusatzfunktion – so dachte ich – war der ermöglichte Ausdruck von Prüfungszeugnissen. Doch da sollte ich mich geirrt haben.

Wo einst Automaten standen, die die “UniCard”-Gültigkeit verlängerten, die Einzahlung der Studiengebühren via Bankomat ermöglichten und auch Zeugnisse sowie Studienerfolgsnachweis und dergleichen druckten, stehen heute noch dieselben Automaten – können aber nur noch das Gültigkeitsdatum auf den Studentenkarten aktualisieren.

Dahinter steht ein (EIN!) Terminal mit einem sehr altem, sehr langsamen Rechner und unscharfen Bildschirm, über den man nun oben genannte Dokumente drucken kann. Neben der Tatsache, dass das Gerät hoffnungslos antik ist, ist der angehängte Laserdrucker auch noch ein Liliputaner unter seinesgleichen. Das Ergebnis: Wenn das Terminal nicht ohnehin gerade abgestürzt oder sonstwie ausgefallen ist, fehlt es meist an Papier und es gilt den Hausdienst aufzuscheuchen.

Nun hätte ich das neue Onlinesystem als Ergänzung recht gut gefunden, obwohl es hässlich, unübersichtlich und mies zu bedienen ist – denn es kann so einiges. Das es jetzt aber darauf hinausläuft, dass ich mir auch noch Zeugnisse und Co. selbst ausdrucke muss, stößt mir höchst säuerlich auf. Hinzu kommt, dass nicht alle Unterlagen via PLUS ausdruckbar sind, sondern mit einem fetten “MUSTER” markiert werden und mich erst Recht zum Mittelalter-Terminal zwingen. Es ist ja nicht so, als würde es mir Spaß machen 380 Euro für null Verbesserungen zu zahlen, mir zu vielen Lehrveranstaltungen auch noch Reader kaufen und zu anderen wiederum die Lernunterlagen selbst ausdrucken zu müssen – jetzt darf ich auch für fast alle Formaldokumente die Druckertinte sponsern. “Unis sollen Dienstleister sein!” heisst es da. Was für Art von Service soll denn das sein? Seh’ ich so aus wie Laufkundschaft mit zuviel Geld? Die Minderheit an Studenten ohne Internetzugang muss ein sehr trostloses Leben führen.

Wäre meine Fachrichtung auch noch überlaufen und ich daher dauernd in überfüllten Hörsäälen, so wie viele Mitleidenderaus den Naturwissenschaften – ich wäre schon längst auf den Barrikaden.

PS: Es heisst, das in Bälde die alten Automaten zur Gänze verschwinden. Vielleicht darf sich dann jeder einen Drucker für Chipkarten zulegen und sich die Dinger übers PLUS selbst verlängern. Es würde mich nicht einmal wundern.

Weitersagen & Bookmarken:

3 Kommentare

  • Am 8. Oktober 2007 sagte Mig:

    Das Service und die Uni … die hundertste ;) Gibt´s das, dass wir den selben himmelalten Rechner zum Prüfungszeugnisausdruck zur Verfügung haben – jener, der ganz gerne mal einfach abstürzt wie Harald Juhnke in der Whiskey Bar?

    Aber es mangelt ja nicht nur hier. Wenn ich z.B. heute einen netten Einzeiler via Post zugesendet bekomme (ohne jegliches Wort des Bedauerns in der zuständigen Abteilung für ihren Fehler), in dem lapidar drin steht, dass sich in meinem Abschlusszeugnis ein kleiner Fehler eingeschlichen hat und ich aus diesem Grund wieder einen halben Tag für etwas (Austausch der Zeugnisse) verplempern muss … ja, dann wird mir das Studium in nächster Zeit sicher nicht abgehen. Naja, wenigstens muss ich nicht zu den Parteienverkehrzeiten dort zum “Austausch” auftauchen und mich in der Reihe anstellen – von Zeit zu Zeit nutzt ein Wenig (gerechtfertigtes) rumrüpeln am Telefon also doch noch was ;) Das Studium an sich ist ja (noch immer) gut, alles drum herum ist aber einfach zum Kotzen.

  • Am 8. Oktober 2007 sagte Georg Pichler:

    Hintereingang GesWi, direkt neben dem ehemals multifunktionellen Kartenverlängerungsautomaten. Wenn du den meinst, haben wir denselbeb benutzt. Ich hasse ihn aus tiefstem Herzen.

  • Am 8. Oktober 2007 sagte Mig:

    Ja, das ist der Schurke. Schön, dass man manche Dinge einfach vorbehaltlos und mit reinem Gewissen zu hassen kann – das Ding hat es sich redlich verdient.

    Und der vormalige Terminal und nunmehrige Kartenverlängerungsautomat? Ja, nachdem ich die Karte 3mal eingeschoben habe und daraufhin dreimal das selbe (alte) Gültigkeitsdatum, hab ichs auch kapiert, dass an der Uni Salzburg, statt das Service zu verbessern oder wenigstens gleich zu halten, irgend ein bösartiger Troll am Werk sein muss, der wohl etwas gegen multifunktionelle Geräte hat. So wurde er also geschaffen, der größte und globigste Kartenverlängerungsautomat der Erde.

SPEAK UP!

Verfasse einen Kommentar oder schicke einen Trackback von deiner Seite.

RSS: Abonniere die Kommentare zu diesem Artikel.

Du kannst folgende Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*Pflichtfeld