Kollege Tom hat vor einiger Zeit über einen Neuzugang in der heimischen Parteienlandschaft berichtet, dem meiner Einschätzung auf absehbare Zeit durchaus ein gewisser Erfolg zuzutrauen wäre.
Davon ausgehend schickte ich noch Ende September eine E-Mail mit einigen Fragen an die Herrschaften von “Die Christen“. Gestern traf die Antwort vom Bundesparteiobmann Dr. Alfons Adam (Vorsitzender der Abtreibungsgegner-Organisation “Pro Vita” – es handelt sich lt. seinem Schreiben ausdrücklich um seine persönlichen Ansichten) ein, die ich hier einmal kommentiert veröffentliche. Die Bewertung im Sinne der Überschrift überlasse ich vorerst dem Leser, da ich vorhabe dazu noch weiter zu recherchieren.
1. Wie ist ihr Standpunkt gegenüber den anderen Parteien, die sich momentan im Parlament finden? Welche kommt potentiell ihren Werten am nächsten, und wäre damit ein möglicher “Bündnispartner” in der Zukunft?
Über ein Bündnis mit einer anderen Partei oder in Sachfragen müsste von Fall zu Fall entschieden werden.
(Anm.: Die allgemeinste Antwort, die überhaupt möglich ist.)
2. Welches sind ihrer Ansicht nach die schlimmsten Fehler, die in der österreichischen Politik in den letzten 10 Jahren gemacht wurden? Was hätten sie anders gemacht?
Die schlimmsten Fehler wurden in der Ehe- und Familienpolitik und im Lebensschutz gemacht, allerdings nicht nur in den letzten 10 Jahren. Unsere politischen Ziele in der Hinsicht können sie auf der Homepage nachlesen.
3. Bekennt sich ihre Partei zur Trennung zwischen Staat und Kirche oder stehen sie dem Konzept der Säkularität eher ablehnend gegenüber?
Wir sind für die Trennung von Kirche und Staat.
4. Bekennt sich ihre Partei zur Religionsfreiheit? Sollte das Christentum als “führende” Religion einen “offiziellen” Sonderstatus genießen?
Wir bekennen uns zur Religionsfreiheit und brauchen keinen Sonderstatus.
5. Wie beurteilen/analysieren sie die aktuelle Problematik des “globalen Terrorismus”? Wo sehen sie die Ursachen und was wäre – grob umrissen – ihr Konzept um die Situation zu verbessern?
Die westlichen Länder sollen christlicher werden, damit eine gegenseitige Wertschätzung zwischen Christentum und Islam überhaupt möglich wird.
(Anm.: Bin ich der Einzige, der die Logik dieser Antwort nicht ganz versteht, sie aber trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – etwas bedenklich findet?)
6. Wie stehen sie zum Bau von Gotteshäusern anderer Religionen (Moscheen, Synagogen,…) in Österreich?
Ich habe grundsätzlich keinen Einwand gegen Gotteshäuser anderer Religionen, meine aber, daß auch so etwas wie ein Heimatgefühl ein legitimes Anliegen ist.
(Anm.: Siehe Anmerkung zu 5), nur diesmal verstehe ich die Logik…)
7. Welche Position vertritt ihre Partei gegenüber dem Islam bzw. Moslems in Österreich?
Wenn die einheimische christliche Bevölkerung wieder eigene Kinder hat, dann sind auch die bei uns lebenden Moslems kein Problem mehr.
(Anm.: Wäre “Wenn die heimische christliche Bevölkerung weiter so kinderlos bleibt, dann übervölkern uns die Moslems” der logische Umkehrschluss zu dieser Aussage? Wenn ich das so lese, dann sind die bei uns lebenden Moslems für ihn derzeit ein Problem…)
8. Sollten z.B. jüdische oder islamgläubige Kinder grundsätzlich die Möglichkeit haben, an unseren Schulen Religionsunterricht zu bekommen?
So viel ich weiß, gibt es diesen Religionsunterricht bereits.
(Anm.: Soviel ich weiß, auch, aber die Frage bezog sich ziemlich eindeutig nicht auf die Realisierung, sondern die Position…)
9. Ist Homosexualität für ihre Partei “nur” ein Problem im Sinne der Familienstruktur (keine Gleichsetzung mit regulärer Ehe usw.) oder lehnen sie Homosexualität an sich grundsätzlich ab?
Wir lehnen Homosexualität grundsätzlich ab, weil deren Förderung dem Gemeinwohl widerspricht, und für die Entwicklung der Jugend schädlich ist.
10. Wie steht ihre Partei zu anderen, familienähnlichen Gemeinschaftsformen neben der klassischen “Vater-Mutter-Kind/er”-Familie?
Wir lehnen “familienähnliche” Gemeinschaftsformen ab.
11. Wie beurteilt ihre Partei die heutige Asylpolitik bzw. das aktuelle Fremdenrecht? Welche “Auflagen” sollte ein Ausländer erfüllen, um Österreicher werden zu können?
Das aktuelle Fremdenrecht ist sicherlich in vielen Punkten renovierungsbedürftig. Die österreichische Staatsbürgerschaft sollte nur integrationsfähigen und integrationswilligen Ausländern verliehen werden.
(Anm.: Sehr allgemein gehalten, aber vertretbar.)
12. Gilt ihr Nein zur Abtreibung auch in “Härtefällen”, wie z.B. Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung?
Ja. Das Kind ist in jedem Fall unschuldig. Und es gibt die Möglichkeit der Adoption.
(Anm.: …doch dazu muss das Kind erstmal geboren werden. Ob es für die ohnehin angeschlagene Psyche eines Verbrechensopfers so gesund wäre, 9 Monate mit dem Nachkömmling seines Peinigers im Bauch leben zu müssen? Ich weiß, eine sehr heikle Frage, aber die Position der Christen verwundert mich hier nicht, und ich mag sie an dieser Stelle auch nicht bewerten. Immerhin: Es ist – im Gegensatz zu anderen Entgegnungen – eine klare Antwort.)
13. Ihre Position zur Frauenpolitik und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau?
Ich persönlich sehe keine Notwendigkeit einer eigenen Frauenpolitik und meine, daß es die Gleichberechtigung bereits gibt.
(Anm.: Viele Gehaltsabrechnungen sagen was anderes. Für ein christliches Positionskonzept finde ich diese Position doch etwas eigenartig.)
14. Würden sie die Positionen ihrer Partei in ein Motto zusammenfassen, wie würde dieses lauten?
Wir wollen alles, was die Politik beitragen kann, dazu tun, daß intakte Familien mit vielen Kindern zum Normalfall werden, daß die Kinder an Leib und Seele gesund aufwachsen können, daß unsere Rechtsordnung jedem Menschen, auch em Ungeborenen, Schwachen, Kranken oder Alten mit dem selben Respekt begegnet und volle Menschenrechte zuerkennt.
Ich werde die Partei demnächst noch weiter löchern (zB. Fragen zu Unis, Außenpolitik, etc.) und sehen, was sich sonst noch so herausfinden läßt.
Update: Unter Punkt 13 stand bisher “Gleichstellung”, was ein Fehlzitat war. Dieses ist nun auf “Gleichberechtigung” korrigiert.





[...] (einer religiös-konservativen und homosexuellenfeindlichen Minipartei, die ich schon einmal interviewed habe). Der wichtigste Teil der Meldung ist jener [...]