TV-Produktionen aus dem deutschen Sprachraum haben es heutzutage schwer. Entweder sie schaffen es angesichts der US-amerikanischen Konkurrenz gar nicht erst ins Vorabend- geschweige denn Hauptabendprogramm, oder sie floppen in den meisten Fällen. Letztes – beinahe typisches – Fallbeispiel für die oft mangelnde Qualität heimischer Produktionen und der Ideenlosigkeit dahinter: “Mitten im Achten” – die erbärmliche Verwirklichung einer pseudowienerischen und pseudolustigen Low-Budget Laiensoap ohne jeglichem attestierbarem Niveau. Sie überlebte nicht einmal die erste Staffel.
Versucht wird es trotzdem immer wieder, doch fruchten maximal die Schnulzfilme bei älterem Publikum. In allen anderen Bereichen scheint man nicht dazu zu lernen. Mäßige grafische Qualität, Schauspieler mit bescheidenem Talent, langweiliger Schnitt, laue Musikuntermalung, fragwürdiger Humor (auch wenn man trotzdem lacht) und nicht zuletzt: irrwitzige Drehbücher. Obwohl irrwitzig eigentlich das falsche Wort ist, denn irrwitzig sind eigentlich die TV-Unternehmen, die sowas tatsächlich verfilmen lassen anstatt die Autoren mit nassen Fetzen aus dem Büro zu scheuchen.
Die richtige Bezeichnung lautet absurd, und das ist genau das, was uns der deutsche Privatsender SAT1 Dienstag Abend mit dem Film “Die Krähen” über volle Primetimedistanz bieten wird. Kurzfassung:
Ein Schwarm unsagbar kluger Krähen entwischt aus einem Labor im Berliner Umland. Die cleveren Flügelschwinger machen sich sogleich zu den Königen der Lüfte und bedrohen Abermillionen Menschen. Ganz in Robin-Hood-Manier macht sich die Tierärztin Alexandra (aus dramaturgischen Gründen natürlich schwanger) auf, um gegen die Biester vorzugehen, und kommt ganz überraschend einem finsteren Plan auf die Spur: Die Flattermänner sind nämlich nur deswegen so auf Zack weil ihnen von bösen Männern (Zitat) “Viagra fürs Hirn” verabreicht wurde. Und diese Unholde nehmen für ihre fiesen Machenschaften menschliche Opfer selbstverständlich in Kauf.
Ich traue mich schon gar nicht der erschlagenden Logik dieser Handlung zu widersprechen, prognostiziere aber, dass sich Alfred Hitchcock aufgrund der hohen Rotationsgeschwindigkeit in seinem Grab angesichts dieses “Die Vögel”-Plagiats um mehrere Friedhöfe versetzen wird. SAT1 will sich sein Image als “Unterschichtenfernsehen” offenbar nicht nur festigen, sondern sich gleich ein deftiges Branding zulegen. Damit kann man gleich mehrere Generationen von Programmleitern aufziehen: “Hey, schau her, SO ETWAS habt IHR mal gesendet!”
Da gebe ich mir lieber die Piratendröhnung mit der “Schatzinsel”, die ich im Vergleich zu anderen Produktionen gar nicht einmal so übel finde. Obwohl manche Stellen doch übertrieben kitschig sind und Christian Tramitz so gar nicht in seine Rolle passt (Tobias Moretti aber ausnahmsweise recht glaubwürdig rüberkommt).
Vielleicht erwarte ich auch bloß zu wenig.





die schatzinsel war wirklich ganz ok – allerdings gibts eine vierteilige verfilumng aus den 70ern oder 80ern an die meiner meinung nach keine neue mehr herankommen wird.
zum sat1-qualitätsanspruch gabs mal einen sehr interessanten artikel in der zeit vom ehemaligen programmchef und wie die mit etwas anspruchsvollen baden gegangen sind.