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Der gute Ansatz

Den schlechten Ansatz habe ich im vorhergehenden Beitrag behandelt, da kommt mir eine ORF Online-News gerade recht. Das Italien, speziell der Süden, ein ernsthaftes Problem mit der organisierten Kriminalität vulgo N’Dragheta vulgo Mafia hat, ist hinlänglich bekannt. Das die Polizei mit den Damen und Herren Paten zuweilen mehr kooperiert als diese bekämpft, und politische Ankündigungen “endgültig aufzuräumen” meist nicht mehr als Achtungserfolge der teilunterwanderten Exekutive folgen, dürfte auch mehr als nur ein blosses Gerücht sein.

Natürlich ist der Härteansatz in Ordnung. Die “Familie” schafft drastische Probleme, die mitunter drastische Maßnahmen erfolgen. Dass der Staat in dem Fall nutzt, was er hat, ist nachvollziehbar. Alle nichtstaatlichen Betroffenen, insbesondere kleine Wirtschaftsbetriebe im Einzugsgebiet der organisierten Kriminalität, haben diese Mittel nicht. Das Geld für professionelle Bewachung ist zumeist nicht vorhanden, im Gegenteil: Um sich halbwegs sicher zu fühlen werden saftige Schutzgelder an die Verbrecherobrigkeit abgedrückt, deren Bewachung zumindest effizient ist.

Der Druck dahinter ist natürlich enorm, trotzdem kann der Ansatz nur sein, sich “sanft” dagegen zu stellen. Ermittlungen gegen Mafiaclans und die daraus folgenden Erkenntnisse und Einsätze machen deutlich, dass ein Nachgeben gegenüber diesem System der falsche Weg ist. Das, was einige Bäcker aus Neapel da begonnen haben, demonstriert nicht nur das, sondern wartet auch mit einer Alternative auf. Und genau das macht diesen Ansatz gut. Aus “Das ist schlecht!” wird “Das ist schlecht, und so geht’s besser!”

(…) Das italienische Fernsehen zeigte Bilder, auf denen Bäcker auch dem örtlichen Polizeichef ein “Brot der Gesetzmäßigkeit” überreichten. Der stellvertretende Landwirtschaftsbeauftragte der Region, Francesco Emilio Borelli, kündigte die Veröffentlichung einer Liste mit kriminellen Bäckereien an und rief die Bürger auf, ihre Backwaren nur bei gesetzestreuen Händlern zu kaufen. (…) (news.orf.at)

Das “Brot der Gesetzmäßigkeit” klingt natürlich klischeehaft und witzig, der dramaturgisch gut gewählte Begriff schlägt aber die wichtige Brücke zwischen Aktionismus und Botschaft. Diese Idee fehlt mir auch oft in der Politik als solches. Vieles ist schlecht, oft wird auch erklärt warum, aber nur wenige machen ernstgemeinte, sachlich erarbeitete Vorschläge für Alternativen oder setzen gar Zeichen.

Zurück zu den neapolitanischen Bäckern. Ich wünsche ihnen viel Erfolg mit dieser Kampagne und hoffe auf Nachahmer aus anderen Sparten. Nicht nur weil Geschenke etwas Schönes sind, sondern weil es neben dem Bewusstsein auch die Grundlage für langfristiges Zurückdrängen der Mafia auf allen Fronten schafft.

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