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Kollektive Senilität

Es trug sich zu mitten in Salzburg. Keine 50 Meter entfernt vom Eingang der Univerwaltung findet sich das Printcenter, wo man sich vom dortigen Team welches in einem dank großer Druckapparate wohl schwerst feinstaubbelasteten (und entsprechend riechenden) Raum arbeitet, die von den Dozenten zusammengestellten Lehrunterlagen gegen Entgelt ausdrucken lassen kann. Diesen Ort kennt eigentlich jeder neue Student bereits nach einigen Tagen.

An diesem kühlen, wechselhaften und in Salzburg traditionell windigen Montag begab auch ich mich dort hin, um mir einen Reader für ein Proseminar zu besorgen. Ankunftszeit war 12:55, also fünf Minuten vor Ende der offiziellen Mittagspause. Dementsprechend stand ich so lange herum und wollte pünktlich wie ein Funkwecker um Eins den Shop betreten. Ich zog an der Tür, doch sie war noch verschlossen. Wie so oft für einen Studenten hieß es also: warten.

Keine drei Minuten später näherte sich ein anderer, etwa gleichalt eingeschätzter Studi der Tür zum Printcenter. Auch ihm blieb sie verschlossen, und er stellte sich an die Wand links der Tür, während ich an der Rechtsseitigen angelehnt verharrte. Etwa zehn Minuten nach eins, ich hatte mittlerweile viele andere Inskribierte beim Kommen und Gehen aus den daneben liegenden Unigebäuden beobachtet, bog eine jüngere Kollegin, die sehr wahrscheinlich erst seit diesem Herbst stickige Hörsaal-Luft schnuppern darf, um die Ecke und vor besagtem Tor ein, streckte ihre Hand nach dem Griff, machte eine ruckartige Bewegung und platzierte sich dann ein bisschen ratlos dreinschauend einige Meter von selbigem entfernt.

Eine Viertelstunde war nun verstrichen, in der unser geduldig wartender Trupp von Alltagshelden bereits hätte eintreten dürfen sollen. Da erschien eine etwas ältere Dame, die ich als Seniorenstudentin einstufte, als auch sie nicht ins Innere der Studentendruckerei passieren konnte. Sie hielt es wie ihre jüngere Kameradin, gewann ein wenig Distanz zum Eingang, und begann mit jener ein Gespräch. Und das dauerte noch gut weitere fünf Minuten an, bis wieder jemand unseres Weges nahte.

Ein Herr mittleren Alters, jedoch schon mit ergrautem Haupte, bekleidet in einer nicht mehr ganz neuen Jean und legerem Pullover, trabte eiligen Schrittes heran. Ihn umgab plötzlich die Aura eines Erlösers, wie er einen Schlüsselbund zückte, uns fragte “Kommt’s ihr net eini?” und das silberne Sesam-Öffne-Dich ins Schloß steckte. Jedoch, er vermochte nicht, es in auch darin umzudrehen. Dafür aber wandte er seinen Kopf zur Gefährtenschaft der Wartenden, musterte das Quartett irritiert, steckte den Schlüssel wieder ein, stieß die Tür auf und begab sich hinein.

Ich darf die vermutet Jüngste unter uns zitieren mit “Des is jetzt aba net woar!?” als sie gemeinsam mit den anderen Zweien und mir zur Erkenntnis kam, dass die Tür zum Printshop seit je her noch nie zum aufziehen, sondern aufdrücken gewesen war. Vier Leute, die allesamt bestimmt nicht zum ersten Mal hier waren, hatten eben kläglich am Öffnen einer Türe versagt, weil sie allesamt daran gezogen hatten. Vier Studenten waren zeitgleich in ihrem Ego ob ihrer kollektiven Senilität erschüttert.

Würde es jemand als Ausrede gelten lassen, wenn ich bemängele, dass sich auf diesem Entrée keine “Drücken”-Aufschrift befindet? Und wer unterstützt mich in einer Kampagne für die sinngemäße Beschriftung aller Eingangstüren?

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4 Kommentare

  • Am 6. November 2007 sagte Andreas Lindinger (LAN):

    genial!

  • Am 6. November 2007 sagte Mig:

    Ja, da könnt man jetzt sagen: “Schaut´s euch die zukünftigen Eliten an!” … tut man aber nicht ;)

    Ich bin ja auch schon oft durch besagte Tür geschritten, aber sowas ist mir dort noch nie passiert. Im Zweifelsfall bei Türen einfach herumzerren wie der erste Mensch, der seine Höhle verlassen hat.

    Aber witzig ist sie auf jeden Fall, die Geschichte ;)

  • Am 6. November 2007 sagte Tom Schaffer:

    haha, du wappler :D

  • Am 17. Dezember 2007 sagte Martin:

    Leben ist so: Bin schon ein paar mal in eine Tür gerannt die sich in die andere Richtung öffnet. (nach innen)

    Architekten die nicht mitdenken. Ganz super toll sind auch komplett durchgehende Balken vor der Tür die man rechts öffnen muss … *verzweiflung*

    Im Zweifelsfall immer auf dumm schalten, seine Angst sich vor den anderen zu blamieren verhalten und die Tür , mit allem passenden Ärger über sich selbst, eintreten…

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