Keine Sorge, ich lebe nicht in der Vergangenheit, meine Matura ist glücklicherweise auch ihre Zeit her. Das Motto “Nie mehr Schule!” im Sinne von “nie mehr Schulbesuch unter dem gültigen Schulsystem” gilt trotzdem für mich. Noch gültiger scheint es aber für die amtierende Koalition zu sein. Ja, es ist einmal mehr ein Koalitionsbashing-Eintrag, doch was soll man machen wenn so ein unwillig-unproduktives Selbsterhaltungsbündnis kaum einmal etwas Positives hergibt.
Monatelang zog sich das Hin und Her zur Gesamtschule, die bald “Neue Mittelschule” hieß, teilweise berechtigt in der Kritik stand, weil zumindest öffentlich nie konkreten Funktionspläne bekannt wurden, bis sie dann mit einem Handstreich von Gio Hahn vom Tisch gefegt wurde, da man auf seine – für einen Modellversuch als sehr hart zu erachtenden – Bedingungen zuwenig eingegangen war. Um dem Stigma der Reformunwilligen zu entrinnen brachte die Volkspartei recht prompt einen Gegenvorschlag und setzte sich ordentlich in die Nesseln. Das Konzept für “Schulexperimente” das Bildungsministerium (dessen Oberhaupt lediglich in einem Versammlungsgremium mit Landesschulrat, Finanzminister sowie Schüler-, Eltern- und Lehrervertretern etwas zu melden hätte) mehr oder minder zu entmachen und stattdessen die Reformatoren für jeden Vorschlag beim Finanzminister zu Kreuze kriechen zu lassen war sogleich als “Devil in Disguise” enttarnt und bestürzte auch Leute aus den eigenen Reihen.
Die Angst, dass die SPÖ-Idee sich in den Modellregionen als sinnvoll erweisen könnte war größer als die Sorge um das ohnehin durch Gehrer ewig lang malträtierte Schulwesen. Erneut verkommt ein wichtiges Thema zum Machtspielchen. Mir ist schon klar, dass das Fruchten eines sozialistischen Anliegens diese Fraktion in der öffentlichen Meinung aufwerten (ergo: höhere Chancen auf Machtgewinn oder -erhalt bei den nächsten Wahlen und damit verbundener direkter oder indirekter Machtverlust der VP) würden, was man aber anscheinend bei der Volkspartei nicht zu begreifen scheint, ist dass man sein Ansehen als politische Bleikugel damit garantiert nicht los wird. Ob man daher einen “Fremdvorschlag” damit zur Umsetzung bringt, oder ihn abwürgt ohne überhaupt zu wissen ob er überhaupt ein Erfolg wird, macht damit nur noch einen Unterschied: Bei Ersterer Variante hätte man im Falle eines Projektflops immer noch Gelegenheit die ursprüngliche Skepsis herauszustreichen, und bei Erfolg gäbs wenigstens keinen “Ich bremse auch für Schulkinder”-Aufkleber auf die Frontscheibe und einen wichtigen Impuls zur Sanierung der Bildung. Sich hinter der eigenen Klientel (zu der ein Großteil er AHS Lehrer zu zählen sind) und den dadurch beeinflussbaren (Schüler, Eltern, wenn sie Gesamtschulwarnzettel erhalten) zu verschanzen ist schlicht und ergreifend Feigheit vor dem Erfolg des “koaliierten Feindes”. Ja, unsere Regierung liefert sich tagtäglich ein absurdes Spektakel an dem wohlgemerkt beide schuld sind.
Zurück zum Thema “Modellregionen für die Neue Mittelschule”: Die Forderung nach detailierteren Plänen ist gerechtfertigt, weil dadurch tatsächlich mögliche Probleme erörtert werden könnten. Das Vesteck- und Blockadespiel ist mittlerweile einfach nur peinlich. Man wünschte sich, die jüngsten Umfragen gäben einen stärkeren Verlust für die Großparteien her, weil dies das einzig wirkliche Wecksignal wäre, stattdessen halten sich Not und Elend etwa in Höhe des Wahlergebnisses die Waage.
Bitte liebe Österreicher, jetzt müsst IHR den Schlüssel umdrehen, damit der Reformmotor endlich anspringt.





Sich hinter der eigenen Klientel (zu der ein Großteil er AHS Lehrer zu zählen sind) …
weiß ich gar nicht, ob das so klar ist. die meisten die von der övp die schnauze voll haben, sind aus der lehrergewerkschaft halt schon ewig ausgetreten. hab da etwas einblick in meine alte schule, weil mein vater selbst lehrer is und ich die leute halt kenne. weder jene lehrer mit denen ich jede woche kicke noch jene, die ich als schüler hatte hätten sich in einer relevanten zahl zur övp bekannt oder ihr zuordnen lassen ^^