NVP-Watch

NVP: Wiederholungstäter im Anmarsch

Gerade eben erst ist die europäische Rechtsextremenfraktion implodiert, da tut sich diesmal was in Österreich. Der einschlägig bekannte Neonazi Robert Faller, ein einstmals in Bad Ischl lebender Oberösterreicher, hat eine Horde Gleichgesinnter um sich geschart, und seine neue Partei NVP (Nationale Volkspartei) mittlerweile offiziell gegründet.

Ein wenig erschreckend ist ja, dass die Startseite der NVP optisch nahe am blau-roten FPÖ-Stil gehalten ist, im Grunde fehlt an dieser Stelle nur noch ein Strache-Grinsefoto. Das aber nur als Nebensatz. Aus welchem Holz (schätzungsweise “deutsche Eiche”) Faller geschnitzt ist, lässt sich sehr leicht ermitteln. So verlinkt die NVP beispielsweise zu absurden Initiativen wie dem “Nationalforum Elsaß-Lothringen”, dass im Grunde ähnliche Ansprüche stellt wie diverse rechte Südtirol-Bewegungen in Österreich und selbstverständlich auch Faller’s Politgruppierung. Desweiteren stehen das “Bekenntnis zum Deutschtum”, das Einstellen von NS-Entschädigungszahlungen, die sofortige Deportation arbeitsloser Ausländer und EU-Austritt auf dem Parteiprogramm. Genauso wie die Forderung zur Abschaffung des Wiederbetätigungsparagraphen unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit. Robert Faller zeichnet hier auch für die Initiative “Stop3g” verantwortlich, die für Holocaustleugner a’ la Irving und verbrecherische Schönredner vom Kaliber eines Gerd Honsik zu Spendensammlungen aufruft. Natürlich ist er auch Anti-Moschee Aktivist und die NVP schickt “Abordnungen” zu Gedenkfeiern für NS-Kriegshelden.

Die Bewegungsziele werden in bester Nazi-Rhetorik dargeboten und zeichnen sich durch die inflationäre Nutzung des Wortes “Volk” (meist in Kombination mit “Wille” oder “Wohl”) aus. Eine Kostprobe: “3. Unser Volk von inneren und äußeren Fesseln, von falschen Lehren und fremden Gesetzen zu befreien. Durch die Erkenntnis der wahren Lebensprinzipien.” Wie diese wahren Lebensprinzipien denn aussehen, ist wohl unschwer vorzustellen.

In seinem “Wort zum Sonntag” versucht sich Faller dann am Spagat seine rechtsextremen Dogmen und die damit verbundenen Forderungen mit pseudologischen, meist paranoid anmutenden Begründungen und Schlussfolgerungen zu tarnen. Und scheitert kläglich. Bei Passagen wie “Doch durch die Masse der Zuwanderung, die mittlerweile von immer mehr Menschen zu Recht mit Worten wie ‘Umvolkung’ oder ‘Völkervernichtung’, wenn nicht sogar als ‘Genozid’ bezeichnet wird, kann es keine Integration geben.” bricht seine eigentliche Gesinnung deutlich durch.

Ab Januar soll es dann mit der “Freien Stimme” auch eine Parteizeitung geben, deren einziger Konkurrent im angepeilten Marktsegment wohl “Zur Zeit” darstellt. In der Erstausgabe soll dann auch die Satzung der NVP veröffentlich werden, was insofern interessant ist, als dass dann einsichtig ist, was das Innenministerium da genehmigt und hinterlegt hat.

Derweilen bleibt abwarten. Obwohl Faller einige willfährige Kumpanen gefunden hat ist es aufgrund der Existenz und Ausrichtung einer Strache-FPÖ sehr unwahrscheinlich, dass die NVP langfristig ernsthafte Erfolge erzielen kann, was sie freilich nicht von blindem Aktionismus abhalten wird. Auch Werbesticker kleben schon hier und da, so gesehen an der Biegung der malerischen Döllerergasse in Salzburg (bezeichnenderweise in unmittelbarer Nähe zum Judenplatz):

Döllerergasse  Salzburg, Hauswand

Werte Leser! Ich bin immer auf der Suche nach Informationen und Neuigkeiten zur NVP. Wer weiterhelfen kann und möchte, schickt sein Material bitte an die neu eingerichtete Email NVP-watch (at) rigardi.org. Selbstverständlich wird allen Hinweisenden absolute Anonymität garantiert.

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