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Back to the Biedermeierzeit?

Die Biedermeierzeit umschreibt eine Zeitspanne von 1815, das Jahr des Wiener Kongresses bis zum Anbruch der Bürger-Revolution anno 1848. Der Begriff selbst entstand erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Gesellschaftlich geprägt wurde sie von einer frühen Form eines Polizeistaates.

Entpolitisierung, Zensur und letztlich extensives Spitzelwesen prägten diese Epoche der österreichischen Geschichte. Hinter dem Überwachungsapparat stand federführend als graue Eminenz Fürst Klemens von Metternich. Die Menschen zogen sich zunehmend in die eigenen vier Wände zurück, und befassten sich fortan immer mehr mit “häuslichen” Sachen denn mit Politik, beispielsweise mit der Verschönerung der eigenen Wohnung. Ein bekanntes Überbleibsel sind die gleich benannten “Biedermeier-Möbel”. Auch für Künstler und Literaten war es eine harte Zeit, Veröffentlichungen geschahen sehr vorsichtig und erreichten ob der Restriktionen (zB. wurden Werke ab einem gewissen Seitenlimit nicht mehr ausführlich zensuriert, im Gegenzug dazu konnte sie sich die Zielgruppe aber nicht mehr leisten) nur wenige Menschen.

Während also ein bisschen Handwerkskunst verblieben ist, dachte man, der gesellschaftliche Fortschritt hätte den Überwachungsstaat überwunden. Die Nationalsozialisten bewiesen das Gegenteil, später auch die DDR (jedoch unter sowjetischer Federführung). Im Gegensatz zur DDR war Österreich schon zu Anbruch der 2. Republik ein freier Staat, in dem zwar konservative Strömungen vorherrschten, die persönlichen Rechte des Individuums und seine Privatsphäre aber stets geachtet wurden. Bis jetzt.


Günther Platter, ehemals Verteidigungsminister, jetzt Innenminister von Gnaden der ÖVP beginnt eine neue metternich’sche Tradition. Die Bespitzelung beginnt von neuem: Bundestrojaner und die jüngste Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes, die von der großen Koalition überfallsartig beschlossen wurde, beschneiden private Freiheiten in großem Maße, setzen bisher als unantastbar geltende Beschränkungen wie eine richterliche Genehmigung mit fadenscheinigen Argumenten außer Kraft und öffnen der Sicherheitswillkür langsam Tür und Tor.

Die Grünen stehen nun an der Spitze der Bewegung “SOS Überwachung“, und viele heimische Blogger haben sich unterstützend angeschlossen. Wie man am Eselsohr rechts oben am Seitenanfang sehen kann, zähle auch ich mich zu den Unterstützern. Das ganze ist eine Online-Demo mit dem Namen “Nein zu Metternich 2.0″, mehr Informationen finden sich auf dem Wiki von Helge Fahrnberger. Offiziell als Unterstützer eingetragen sind zu diesem Zeitpunkt bereits 53 Weblogs und Websites, es dürften insgesamt jedoch einige mehr sein und noch werden. Ich lade jeden ein, sich uns und “SOS Überwachung” anzuschließen. Weiterführende Infos und eine Anleitung zur Einbindung des Eselohrs gibt es ebenfalls auf genannter Wiki.

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