NVP-Watch

Anti-EU-Demos und ihre Teilnehmer

Heute Samstag wurde in Wien demonstriert. Die “Initiative Heimat & Umwelt” lud zu einer Kundgebung für eine Volksabstimmung zum EU-Vertrag, der im April unterzeichnet werden wird. Tom’s Resümee der ganzen Veranstaltung (deren Teilnehmerzahl ich auf ca. 3000 Leute schätze) trifft auch meine Eindrücke ziemlich gut – das Konglomerat verschiedenster EU-Gegner sowie Pseudoexperten am Mikrofon schien sich eher für einen EU-Austritt einzusetzen, denn eine Volksabstimmung.

Zur NVP sei noch gesagt, dass die geplante Abordnung aus Niederösterreich und Wien aus einer Truppe bestand, deren Stärke im besten Falle knapp zweistellig war. Zwei Fahnen mittlerer Größe wurden geschwenkt, die im Meer aus Transparten, Plakaten und anderen Beflaggungen eher untergingen, zumal sie sich auch noch ziemlich am Rande der Demonstratenansammlung Richtung Graben befanden.

Auf der Rückfahrt nach Oberösterreich landete ich im Abteil mit einem älteren Herren, einer älteren Dame sowie einer weiteren Frau mittleren Alters. Bald stiegen noch schätzungsweise circa 50jährige Frau als auch ein wohl mit ihr befreundeter Mann zu, der neben dem Länderspiel wohl auch auf der Demonstration gewesen war. In Bezug auf diese kam ziemlich schnell ein Gespräch zustande, das vor allem Seitens der männlichen Teilnehmer sehr schnell zu fast stammtischartigem und undifferenziertem EU-Bashing wurde. Die zugestiegene Dame brachte sich zum Thema Meinungsäußerung unter anderem mit dem Satz ein “Man wird ja heute schon so leicht eing’sperrt, braucht ma nur was über’n Hitler sagen.” Die sich daraus ergebende Assoziation war eine eindeutige, doch ich sollte mich getäuscht haben.

Als der biertrinkende, zugestiegene Länderspielbesucher und Demonstrant in Amstetten schließlich das Abteil verließ, näherte sich die Debatte zuerst einem einigermassen erträglichen Niveau an und driftete schließlich auf mehr geschichtsbezogene Punkte ab. Wenige Stationen danach leerte sich dann das Abteil bis auf mich und die Frau mit dem angenommenen “Nazi-Sager”. Obwohl ich eigentlich Schlimmstes vermutete und ursprünglich beschlossen hatte, die Debatte rund um Vertragsabstimmung ja/nein fortzusetzen, griff ich das Thema wieder auf und brachte ein Gespräch ins Rollen.

Mein bereits in Wien gehegter, von Tom eher skeptisch beurteilter Gedanke, dass sich nicht jeder Demoteilnehmer freiwillig mit dem mitmarschierenden Mob an Rechtsextremen in ein Boot setze sondern durchaus auch Menschen gute Gründe für die Forderung einer Abstimmung haben und diese Demo als Mittel zum Zweck sehen (ohne groß darüber nachzudenken, dass sie durch die Teilnahme von Leuten aus dem rechtsextremen Umfeld selbst in ein schiefes Licht geraten) wurde bestätigt.

Sie selbst argumentierte weder auf Bierzeltniveau, noch auf akademischer Ebene. Ich würde sie als durchschnittlich interessiert an und enttäuscht von der hiesigen Politik bezeichnen. Ihr Hauptgrund für eine Volksabstimmung zu sein war nicht, dass sie gegen den Vertrag gewesen wäre. Sie fühlte sich entmündigt und beleidigt. “Dass uns die Politiker für z’dumm halt’n sowas söba zu entscheid’n, de stört mi sehr.”, sagte sie mir. Und diese Aussage ist nachvollziehbar. Da gibt es einerseits ein “Nein” zu einer Volksabstimmung, dass aber sehr oft kryptisch begründet wird. Eine europaweite Abstimmung ist offenbar nicht geplant, die Selbstvermarktung der EU in diesem Punkt gescheitert. Dazu kommt noch der Mangel an verständlicher Information, die den Leuten die Arbeit von “denen da” (auf die sich allerlei Regierungen oft, gerne und entgegen der Wahrheit sogerne herausreden) in Brüssel, Straßburg etc. gut erklärt. Es fehlt an Quantität als auch an Qualität, und das bietet viel Nährboden für Anti-EU Stimmungsmache a’ la Strache oder eben, wie es auf dieser Demo geschehen ist.

Davon zeigte sich auch meine Gesprächspartnerin etwas erschrocken. Noch nie auf einer Demo gewesen hatte sie zwar mit weit größerem Andrang (Neunzig- oder Hunderttausend) gerechnet, jedoch nicht auf die mehrere hundert starke Präsentschaft von Skinheads und anderen Rechtsradikalen. Wenig begeistert war sie auch von der teils aggressiven Stimmung und dem oft ausfälligen Ton mancher Redner. Im Zuge der Debatte um die Demo kamen viele andere Aspekte dazu. Medien (Warum berichtet der ORF über solche Demos nicht? Warum wirbt die Krone aufdringlich für diese Veranstaltung? Wie arbeitet die Krone, wie ernstzunehmen ist sie und was unterscheidet sie von einer seriösen Tageszeitung?), Innenpolitik (Was ist los mit der großen Koalition? Warum sind sich SPÖ und ÖVP so fremd?), EU-Politik (Wie wird wirklich entschieden und umgesetzt? Wo sind die Schwächen europäischer Informationspolitik?) und viele andere Bereiche wurden angeschnitten und diskutiert. Es hat sich gelohnt.

So konnte ich einige Informationen vermitteln, über die diese Frau nicht verfügt hatte. Das fing bei der Macht der Krone an und reichte bis hin Themen wie “failed politics” (zB. Energiemarktliberalisierung) als auch besser funktionierende Implementierungen wie der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes, trotz aller noch vorhandenen Probleme. Ich denke, ihre Aussage in pucto Hitler war wohl mehr das Ergebnis medialer Darbietungen wie rund um die Causa Eva Hermann, denn verursacht durch rechtsnationales Gedankengut.

Als Gegenleistung für Ansichten und Einsichten zur Demo und in die heimische Mediengeschichte und Europapolitik erhielt einen Einblick in die Gedankens- und Lebenswelt eines Bürgers, der die Politik trotz Gusenbauer und Molterer nicht ganz abgeschrieben hat, sondern seiner gefühlten Ohnmächtigkeit (nicht nur im Bezug auf den EU-Vertrag) ein Ventil geben wollte, und sich letztlich aufgrund einer gewissen Uninformiertheit für ein falsches entschieden hat.

Während der Demo war ich noch skeptisch. Ich fragte mich, ob sich die Ausnutzung des Frusts der Menschen und ihre politische Fernsteuerung über die Kronenzeitung tatsächlich unüberwindbare Hindernisse seien, die in diesem Land einer normalen, kritisch-konstruktiven Auseinandersetzung mit der Europäischen Union im Weg stehen. Und ich bin zu dem Entschluß gekommen, dass es immer noch Licht am Horizont gibt. Freilich bedarf es da mehr als nur ein paar gute Informationsblättchen. Vielleicht kommt die geplante Medienkampagne der Union gerade recht. Vieles ist aber schon im Vorfeld der Verfassungs-/Vertragsentstehung medial schief gelaufen. Die Populisten haben das meiste von dem Platz besetzt, den man ihnen gelassen hat. Also ist es wohl an der Zeit, ihn sich wieder zurück zu holen.

Die EU ist nicht perfekt. Bei weitem nicht. Aber sie ist ein Versprechen für die Zukunft, und eigentlich die einzige wirkliche Chance, wenn Europa seine Unabhängigkeit wahren will. Auch die einzige Chance, wenn man gegen aufstrebende Wirtschaftsgiganten wie China bestehen will, ohne die eigenen sozialen Standards im Lohndumping opfern zu müssen. Aus mannigfaltigen Gründen agiert “Brüssel” hier noch viel zu tollpatschig, und noch haben die Wirtschaftslobbies zu viel zu sagen. Die Auswirkungen davon spüren die Menschen, und darum ist es wichtig, neben den Chancen und Vorteilen auch zugeben zu können, dass neben all dem nicht alles eitel Sonnenschein ist. Die Wirtschaftsunion muss zu einer Sozialunion reifen.

Und genau das ist es, was viele Leute in Wahrheit fordern, während sie sich beim gemeinsamen marschieren mit Neonazis braune Flecken einfangen.

Obiges Foto aufgenommen von Tom Schaffer / zurpolitik.com

Werte Leser! Ich bin immer auf der Suche nach Informationen und Neuigkeiten zur NVP. Wer weiterhelfen kann und möchte, schickt sein Material bitte an die neu eingerichtete Email NVP-watch (at) rigardi.org. Selbstverständlich wird allen Hinweisenden absolute Anonymität garantiert.

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21 Kommentare

  • Am 30. März 2008 sagte Relator:

    Auch wenn ich Politikerfrust manchmal verstehen kann, ergibt es für mich keinen Sinn, deshalb gleich gegen den EU-Reformvertrag (den ja fast alle Gegner gar nie gelesen haben!)zu sein oder
    gar einen EU-Austritt zu befürworten.

    Man muss nur den Willen besitzen, die Augen aufzumachen und die vielen Vorteile der EU zu sehen.

    Ich empfinde EU-Gegner eigentlich generell als paradox. Es ist ungefähr so, als würden die Demonstranten vor der AMS-Zentrale demonstrieren weil sie die Frechheit besitzt, der Bevölkerung Arbeitsplätze zu beschaffen. ;-)

    Österreich ist der größte Osterweiterungsprofiteur, ein EU-Austritt würde tausende Arbeitsplätze kosten.
    Mir ist schier unbegreiflich, warum dies die Dichand-Sekte außen vor lässt.

    Dichand geht es ja nur darum, Machtverlust zu verhindern. Je weiter die Menschen ihren Horizont tragen, desto gefährlicher für den alten Mann. In Österreich hat er (noch) etwas Macht, darüber hinaus eben nicht. Deshalb ist die EU auch sein größter Feind, die seine Eitelkeit bedroht.

  • Am 30. März 2008 sagte Tom Schaffer:

    schöner gedanke, meiner meinung nach aber zu optimistisch. oder hast du heute irgendwo ein transparent gesehen wo stand “wir wollen uns selber für den eu-reformvertrag entscheiden”? oder hat jemand laut seinen unmut über die plakate und reden geäußert? nope. leider nein. 95% der teilnehmer oder mehr waren da, weil sie eben genau da hingehört haben. zu einer demonstration bei der nationalistische gestrigkeiten sich mit neonazi-erscheinungen und dem typischen krone-meinungsbrei getroffen haben.

    und wie ich schon sagte: es mag durchaus leute geben, die sich da irrtümlich neben fpö-plakate, nvp-abordnungen, hitler- und stalin-vergleichs-transparente und honsik-freiheitskämpfer gestellt haben. wenn mir sowas passiert, dann bin ich da allerdings auch ganz schnell wieder weg. so lassen sich diese wenigen unglücklichen nämlich zum instrument der hetzer und populisten machen. und auch das ist ein angesichts der radikalen transportierten inhalte gravierender fehler.

    der ort für konstruktive, sinnvolle EU-kritik ist einfach keine nationalistische demo.

  • Am 30. März 2008 sagte Relator:

    und wie ich schon sagte: es mag durchaus leute geben, die sich da irrtümlich neben fpö-plakate, nvp-abordnungen, hitler- und stalin-vergleichs-transparente und honsik-freiheitskämpfer gestellt haben. wenn mir sowas passiert, dann bin ich da allerdings auch ganz schnell wieder weg. so lassen sich diese wenigen unglücklichen nämlich zum instrument der hetzer und populisten machen. und auch das ist ein angesichts der radikalen transportierten inhalte gravierender fehler.

    Und warum spielen die Demonstranten bereitwillig ihre Rolle als Schäfchen in einer Herde des Populismus und der Unkultur? Weil sie einfach nicht kritisch nachdenken, nicht in der Lage sind, zu analysieren und zu reflektieren, kurzum: Über die Eigenschaften der Stammleserschaft typischer “Krone-Leser” verfügen. Sich berieseln lassen, ja nicht selber nachdenken müssen da dies Schmerzen bereiten würde, Schwarz-Weiß-Denken, einfach nur tun, glauben und machen, was DIE Zeitung befiehlt.

    Dies mag durchaus ein elitärer Standpunkt sein, doch ich schäme mich dessen nicht weil ich der Überzeugung bin, auf der Seite der Wahrheit zu sein.

  • Am 30. März 2008 sagte Georg Pichler:

    Nein. Auch wenn es einige vielleicht sind, so halte ich einen nicht unerheblichen Teil solcher Demoteilnehmer für nicht grundsätzlich dumm. Ihnen fehlt es bloss an Information. Hätten sie diese, so würden sie einerseits anders über die EU als auch über die Krone denken und in Folge auch kritischer an eine solche Veranstaltung herangehen, da ihnen mittelfristig auch klar würde, mit wem sie sich dann (wenn auch unfreiwillig) einlassen.

    Meine Mitfahrerin war dafür eigentlich das perfekte Beispiel. Sie meinte durchaus, bei Kronebeiträgen differenzieren zu können, hatte aber von Macht und Handlungsweisen des Blattes keine Idee. Ebenso war sie sich einiger [möglicher] Verstrickungen zwischen Demoveranstalter und rechtem Sumpf nicht ganz im Klaren, hatte aber zB. auch nicht eine derartige Vertretung erwartet. Wer nicht informiert ist, kann leichter fehlinformiert werden. War schon immer so.

    Nur kann man, vor allem Anhand der Unleserlichkeit und teilweise auch schlechten Verfügbarkeit von politischer und speziell EU-bezogener Situation nicht verlangen, dass sich da jeder über alles selbst up to date hält. Die Leute haben genug anderes zu tun um sich über Wasser zu halten. Die Populisten zielen ja bevorzugt auf jene, die ohnehin schon schwimmen und nicht auf (gut versorgte) Bildungsbürger Ich schätze es gibt abseits anderer Verfehlungen der EU einen ziemlich direkten Zusammenhang zwischen fehlender/unbrauchbarer Information und dem Erfolg von Leuten wie Strache. Oder auch der effektiven Auswirkung von Krone-Pushing.

    Natürlich bleiben immer einige Dodeln über, das wäre nicht anders wenn die Information über die EU perfektestens laufen würde. Trotzdem muss man genau da ansetzen, um den Leuten die angebliche Experten zum Zugpferd ihrer Demo zu machen damit sie die Massen mit manipulativem Unsinn füttern oder sowas über ihr Printmedium gezielt fördern, das Wasser abzugraben.

  • Am 30. März 2008 sagte kritikus.at:

    Nein. Auch wenn es einige vielleicht sind, so halte ich einen nicht unerheblichen Teil solcher Demoteilnehmer für nicht grundsätzlich dumm. Ihnen fehlt es bloss an Information.

    Dumm würde sie auch nicht direkt nennen, eher fehlgeleitet (aufgrund mangelnder Information – wie Du ja schon festgestellt hast).
    Eine Information haben die Leute ja schon, leider die “falsche” (die, die man bekommt, wenn man die Krone von hinten zu lesen beginnt… :) . Die EU hat imho das Problem, wie sie die “richtigen” Informationen unters Volk bringt. Mit dem ständigen Verbreiten von Hysterien und extremster Bürokratie gepaart Eigenlobschriften auf Hochglanzpapier alleine wird´s nicht gehen. Das wird nicht reichen, um jene, die sich selber gar nicht informieren wollen, vom “rechten Weg” abzubringen. Also die EU müsste selber einmal in Richtung Bürger Zeichen setzen, denn alles was der Bürger von der EU direkt spürt, ist eher negativ besetzt (Verbote und Vorschriften).

  • Am 30. März 2008 sagte Rohrmoser Elisabeth:

    Ich denke doch, daß sie es sich ein bisserl leicht machen. Diese 20 Neo- Nazis, werden in Wien “nicht einmal ignoriert”.
    Viele Leute sind da hingegangen, gar nicht in der Hoffnung etwas zu erreichen, sondern um den Frust darüber loszuwerden, daß man über ihren Köpfen weg, bestimmt. Im übrigen, haben sich sehr wohl, viele vorab informiert.Man muß sich nicht unbedingt eine Meinung vorkauen lassen, nicht einmal wenn man die Krone liest.
    Trotzdem liebe Grüße aus Wien.

  • Am 30. März 2008 sagte Georg Pichler:

    Wenn auf der Demo nicht offensichtlich Falschinformationen verbreitet worden wären und dazu nicht ein großer Teil der Leute johlend applaudiert hätte, würde ich ihnen grundsätzlich Recht geben. Sicher gibt es Kroneleser die sehr wohl zwischen Krone-Meinungsmache und echten Zeitungsartikeln differenzieren können. Es gibt aber leider auch zuviele Leute, die die Krone tatsächlich als seriöses Printmedium betrachten und in Folge das was drin steht auch glauben. Mir ist aber klar, dass es für viele nur um Frustabbau ging.

    Bloß sich dafür, wenn auch nicht absichtlich, mit Rechtsextremen in ein Boot zu setzen bzw. zu marschieren und auf eine Demo zu gehen, auf der eigentlich mehr ein EU-Austritt gefordert wurde, denn eine Volksabstimmung, ist mMn das falsche Ventil.

  • Am 30. März 2008 sagte Relator:


    Viele Leute sind da hingegangen, gar nicht in der Hoffnung etwas zu erreichen, sondern um den Frust darüber loszuwerden, daß man über ihren Köpfen weg

    Diese Floskel ist mir immer wieder aufs Neue ein Rätsel.
    Irgendwie war ich schon der Auffassung, dass wir in einer repräsentativen Demokratie leben, und wir deshalb Politiker wählen, damit diese und andere Experten in ihren jeweiligen Fachgebieten für uns Entscheidungen treffen.

    Es wäre ein Unding, wegen jeder größeren EU-Richtlinie eine Volksabstimmung durchzuführen, denn um zu entscheiden braucht man Fachkenntnisse und Kompetenzen, die man vom durchschnittlichen Volk doch niemals verlangen kann.

    Der EU-Reformvertrag ist das hervorragendste Beispiel. Keiner hat ihn gelesen, aber fast jeder ist dagegen. Das ist für mich Irrwitz hoch drei – und aufgrund dieser Erfahrungen bin ich ein Verfechter der repräsentativen Demokratie. Nicht auszudenken, welches Chaos ansonsten herrschen würde.

  • Am 30. März 2008 sagte maschi:

    @Relator: Die Schweiz – das chaotischste Land der Welt? ;) Mit Verlaub, mit ähnlichen bis denselben Argumenten (“Fachkenntnisse und Kompetenzen”) wurde historisch das allgemeine Wahlrecht und das Frauenwahlrecht abgelehnt – der Pöbel kann doch nicht entscheiden! Frauen? Lachhaft!

    Es geht in der Politik gar nicht so sehr um Wissen, sondern vor allem auch um reines Wollen. Und das hängt mit den Lebensumständen zusammen, die subjektiv erlebt werden. Was ein Obdachloser braucht, kann eben kein Hofrat besser wissen.

    Wir brauchen kluge, aber eindeutig verstärkte Instrumente direkter Demokratie – und das heisst nicht, dass wir über alles und jedes abtimmen. Aber anders werden wir dieser “hochgebildeten”, und dennoch ziemlich chaotischen politischen Klasse nicht mehr Herr werden… ;)

    Es geht für mich nicht länger an, dass Dinge, für die sich in der Bevölkerung 70/80/90% Mehrheiten finden würden, einfach nicht durchsetzbar sind, weil die Herrschaften eben nicht wollen (Stichwort Transparenz der Parteienfinanzierung, aber da gäbs noch hundert solcher Themen, bei denen wir über wirksame Direktinstrumente bereits weiter wären…)

    Natürlich wird Topfen passieren. Der passiert allerdings so auch genug. Das Volk aber wird nur erwachsen werden, wenn man ihm Macht gibt. Daran führt kein Weg vorbei.

    Lg.

  • Am 3. April 2008 sagte Seidl:

    Zur NVP sei noch gesagt, dass die geplante Abordnung aus Niederösterreich und Wien aus einer Truppe bestand, deren Stärke im besten Falle knapp zweistellig war. Zwei Fahnen mittlerer Größe wurden geschwenkt, die im Meer aus Transparten, Plakaten und anderen Beflaggungen eher untergingen, zumal sie sich auch noch ziemlich am Rande der Demonstratenansammlung Richtung Graben befanden.

    Soviel sie gesagt.NVP-Gruppen aus OÖ,NÖ,STM,S und W
    Stärke ca.50-60
    lg.

  • Am 3. April 2008 sagte Georg Pichler:

    Die wären mir aber aufgefallen. 50-60 NVPler mit nur 2 (verhältnismässig kleinen) Flaggen? Bis auf die war nämlich nicht wahrnehmbar, wer da eventuell von der NVP gewesen sein könnte. Und die Gruppe direkt um die Flaggenträger war eben bestenfalls knapp zweistellig.

  • Am 3. April 2008 sagte Beobachter:

    60 bis 70 leute sind die wahrheit!!! ich bin kein mitglied der nvp bzw der jnvp, aber die zahl kann als realistisch betrachtet werden… ich habs live gesehen

  • Am 4. April 2008 sagte Seidl:

    2 Nvp Flagge, 3Österreich Fahnen, 1Transp. Um die 20 Personen waren vor der Gruppe bis zum Stephanspl. Die Hauptgruppe war da noch bei der Albertina.
    lg

  • Am 9. April 2008 sagte Martin:

    Wenn ich mir diese Meinungen ansehe und durchlese, dann ist es auf der einen Seite sehr schön, sich Gedanken über die EU und ihre Entwicklung zu machen, besonders bin ich angetan vom Herrn Pichler! Sie sollten sich einmal Gedanken über den Transitverkehr, den Sozialabbau, die Gentechnik, die Tiertransporte, die Preiserhöhungen, …. machen!
    Der Europäische Gedanke mag ein nobler sein, die Realität sieht aber anders aus!
    In einem Artikel steht “Das Volk wird nur erwachsen, wenn man im Macht gibt”!
    Das sollte in einer Demokratie kein Thema sein, somit ist unser legitimes Recht zu Demonstrieren, wenn Studenten wegen alles und jedem auf die Strasse gehen, dann auch der NORMAL Bürger, da distanziere ich mich aber von allem Rechtsradikalen, wobei mir dazu noch einiges einfallen würde. Denn egal in welchem Land, ausser Österreich, solche Leute auf die Straße gehen, bei uns sind Sie durch die Geschichte immer schlechter gestellt als in anderen Ländern, in denen es auch genug Rechtsradikale gibt!
    Macht euch Gedanken, aber richtig!!

    Gott schütze uns ALLE!!

  • Am 9. April 2008 sagte Georg Pichler:

    Ich spreche niemandem das Recht ab, für seine Ansichten zu demonstrieren. Falls es noch nicht durchgeklungen ist – im Artikel steht es ja, wenn ich mich recht erinnere – bin ich durchaus für eine europaweite Abstimmung zu gewinnen. Somit könnten alle “Betroffenen” über den Lissabonvertrag urteilen und nicht ein einzelner Staat ihn (und letztlich die Weiterentwicklung der EU) verhindern.

    Vieles von dem was sie ansprechen, wie etwa Sozialabbau, Tiertransporte oder Preiserhöhungen sind kein EU-immanentes Problem, sondern liegen entweder in nationaler Hand (die sich gerne entgegen der Wahrheit auf Brüssel ausredet) oder haben Ursachen die großteils nichts mit EU oder Nicht-EU zu tun haben (Preiserhöhungen). Ich, und viele andere die den Vertrag grundsätzlich befürworten, sage nicht, dass das was heute ratifiziert wird, perfekt ist. Es ist ein Fortschritt mit Option auf weitere Verbesserung.

    Der “Blankoscheck” ist eine Mär. Die “Todesstrafe durch EU einführen”-Geschichte ein irrationales, grundlagenloses Schreckgespenst. Und im Vorfeld dieser Demo wurde genau mit sowas hantiert, es wurde vor und auf der Demo Falschinformation angeblicher Experten gestreut, dass es weh tut. Die füllen eine Informationslücke, die ihnen die EU – leider – gelassen hat. Wahrer werden die Botschaften dadurch nicht. Es liegt mir fern, jeden Demoteilnehmer als Rechtsradikalen pauschal zu verurteilen. Fakt ist aber, dass es als Ventil fast nur Demos gibt, auf denen dann Leute, die “nur” eine Volksabstimmung fordern wollen, und vielleicht sogar für den Vertrag sind, gemeinsam mit Rechtsradikalen marschieren, denen es um einen Austritt geht und nicht primär um eine Abstimmung. Durfte ich den Tranparenten und Aussagen entnehmen.

    Denn man kann auch eine Abstimmung fordern, weil man zurecht gefragt werden will, und trotzdem ein Ja zum Vertrag ankreuzen.

    PS: Der Nationalrat is heut sehr lustig beflaggt :)

  • Am 27. April 2008 sagte Christina:

    Gott schütze uns ALLE!!

    Bezüglich dieser Meldung bin ich etwas unschlüssig. Ist das eine dieser Anspielungen auf Kurt Schuschnigg?

    Eigentlich ist es erschreckend, wie viele Menschen sich nur anhand der Kronenzeitung informieren – ich habe immer noch keinen konkreten Artikel über den genauen Inhalt des Reformvertrags gelesen.
    Wer ist Schuld? Die EU, die nur 214.000 Folder zum Reformvertrag drucken lässt (von denen ich einen besitze), oder die Leute, die sich scheinbar nicht informieren wollen?

    Die Todesstrafe wird durch die Charta der Grundrechte verboten, ebenso besitzt jedes Land freie Entscheidungsmöglichkeiten über seine Energiepolitik (d.h. keine Atomkraftwerke in Österreich). Erhöhungen der Treibstoff- und Lebensmittelpreise sind nicht die Schuld des Euro. Die EU wird auch weiterhin keine Angriffskriege durchführen, Friedensmissionen (so wie im Tschad) sind aber geplant.

    Heute und gestern erreichte die Meinungsäußerung der Krone ihren Tiefpunkt. “Als ‘Europäer’” wolle man “sich nicht mit Bulgarien identifizieren”. (Xenophobisch?) Auch von “Aufforderungen an Iren” war die Rede, d.h. die Iren könnten schon bald von Briefen der 3. Mio. Krone-Leser belästigt werden.

  • Am 14. Mai 2008 sagte Wolfgang Schrögendorfer:

    Naja ich glaube nicht, daß 3 Millionen Kroneleser Gällisch können, aber es könnte ja sein, daß sie wenigstens gut Englisch können, wir werden ja sehen, ich glaube die EU hat seine Vorteile, aber es kann nicht sein, daß gewisse Staaten die EU einfach nur erpressen um höhere Förderungen zu bekommen? Das mit Kurt Schuschnigg habe ich nicht ganz verstanden, Schuschnigg hat 1938 auf alle Fälle zu Österreich gehalten, im Gegensatz zu Karl Renner, der angeblich beide Republiken gegründet hat, wers glaubt, naja!

  • Am 14. Mai 2008 sagte Christina:

    Nein, die können sicher kein Gällisch, aber unter den Krone-Leserbriefen sind doch tatsächlich einige Vorschläge von englischen Briefen an die Iren aufgetaucht.
    Zum Glück haben oder konnten sie diese Idee nicht in die Tat umsetzen, und auch die Bürgerinitiative “Rettet Österreich” hat das nicht geplant.
    Ich geb dir vollkommen Recht, die EU ist weit davon entfernt, perfekt zu sein.

    Das mit Kurt Schuschnigg war eine Antwort auf ein früheres Posting von “Martin” (Zitat: “Gott schütze uns ALLE!!”) Ich war mir da eben nicht sicher, ob es eine Anspielung auf Schuschnigg war. Beiskorb-Blödi Strache hat das ja auch bei der Rede im Parlament so schön gesagt.

  • Am 1. Juni 2008 sagte “Rettet Österreich” ruft zum Spammen auf - rigardi.org:

    [...] hat, den EU Vertrag zu kippen. Trotz aller Kampagnen und ihrer Teilnahme an der Krone-gepowerten Anti-EU Demo in Wien wurde eben dieser Lissaboner Vertrag letztlich vom Bundespräsidenten unterzeichnet. Das freilich [...]

  • Am 8. Dezember 2008 sagte Wolfgang Schrögendorfer:

    Also das sind doch eigentlich nur Verschwörungstheroien, welche Vorteile sollte uns die EU denn bringen, weißt du überhaupt wieviele Produkte aus dem Osten zu uns kommen? Hast du schon mal neben einem Arbeiter aus dem Osten gearbeitet, der sogar illegal beschäftigt war und dafür Kost und Unterkunft erhalten hat? Natürlich gibts sehr sehr viele Unternehmer die davon profitieren, aber der einfache Arbeiter hat dadurch leider keinen Vorteil so schauts halt leider mal aus, und daß die Kriminalität steigt ist wohl eine Tatsache auch wenn uns die Politiker etwas anderes erzählen wollen!

  • Am 8. Dezember 2008 sagte Wolfgang Schrögendorfer:

    Ja aber Georg! Da waren Uniprofessoren, wenn Uniprofessoren nicht mal Recht haben, wer soll dann denn Recht haben? Außerdem bei der Demo ist es nicht um den EU-Reformvertrag gegangen, sondern um eine Abstimmung darüber, es kann doch nicht sein, daß ein Volk eine völlig andere Verfassung bekommt und nicht darüber mitentscheiden darf? Findest du das vielleicht in Ordnung? Das ist doch der Weg in eine Diktatur, hast du das denn immer noch nicht begriffen?

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