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Es gibt so manche Hass-Schlagzeilen, die mir manchmal ins Auge fallen. Solche, die eigentlich nur die Covers von BUNTE und Co. zieren dürften. Und natürlich das der deutschen BILD, die man ohnehin kaum als Tageszeitung einordnen könnte. Finden dürften sich solche Headlines eigentlich nicht auf den Frontseiten anerkannt seriöser Printmedien oder Seite 100 des ORF Teletext. Sie tun es trotzdem. Ob es jetzt eine neue Liebschaft der Juniorfraktion des englischen Königshauses ist, irgendwo Nacktaufnahmen einer einst modelnden Präsidentenfrau (und die Tatsache dass jemand Unsummen ausgibt um diese zu ersteigern) oder das Dekolleté einer Bundeskanzlerin ist, macht da keinen Unterschied.
Wer auf derlei Stories steht, sollte entsprechende Magazine kaufen – an Auswahl mangelt es bekanntlich nicht. Ich muss das nicht haben. Ich erwarte so etwas auch nicht im Rahmen politischer Berichterstattung. Wenn der ORF im Einklang mit vielen anderen trotzdem die Kameras auf die Oberweite Angela Merkels richtet, irgendwas von “überraschend fraulich gekleidet” spricht und es zu einer kleinen “Staatsaffäre” erhebt, stelle ich mir die Frage, ob hinter den Kulissen nicht ein gnadenloser Krieg mit jenen geführt wird, die ihre eigene Berichterstattung ausschließlich mit derlei Geschichten füllen.
Lange dauert es nicht mehr, und Rahmen der ZiB werden sogenannte “Society-Experten” (einer der entbehrlichsten Berufsbezeichnungen überhaupt) interviewt, die dann beginnen alle möglichen, zumeist sehr privaten Dinge in irgendwelche Handzeichen oder Outfits hinein zu interpretieren. So etwas sollte bitte den Seitenblicken, taff auf Pro7 oder Sendungen mit vergleichbarem Konzept vorbehalten bleiben. Merkels Ausschnitt hat – unabhägig davon ob man diesen nun schön findet oder nicht *hust* – ausserhalb davon einfach nichts verloren.
Ja, ich gestehe durchaus zu, dass manche Damen und Herren Politiker sich in diesem Bezug furchtbar aufdrängen. Das passiert auch hierzulande, wo sich eine Miss Piggy Gesundheitsministerin nicht erblödet, Schweinebratenkochfibeln bei einem Diskonter zu veröffentlichen während die Regierung von einem Krach in den nächsten rutscht. Die Devise hier ist wohl “auch schlechte Presse ist Presse”, was automatisch zur Frage führt, wie ernstzunehmen Volksvertreter sind, die sich sowas willkürlich leisten.
Ich will auch Nicolas Sarkozy seine Liaision mit Carla Bruni nicht madig machen. Das ist eine persönliche Angelegenheit. Wäre es zumindest, würde er sie nicht bei jeder Gelegenheit vor eine Kamera zerren. Auch wenn die Franzosen mehrheitlich nicht angetan sind, hat er die französische (Boulevard-)Presse mittlerweile dressiert wie den berühmten Pawlow’schen Hund. Wo immer er nebst Dame auftaucht ist das Blitzlichtgewitter nicht fern. Zeitungen wie “France-Soir” leben davon, faktisch müssen sie dem Ruf also folgen (wenngleich sie hie und da einmal auch über die Stränge schlagen und alle Regeln der Privatsphäre brechen). Wenn derlei Meldungen dann aber in der Zeit im Bild auch über den Schirm flimmern, beschleicht mich das Gefühl, dass die ernsthaften Berichter dieser Welt dieser Strategie ordentlich auf den Leim gehen. Für Sarkozy ist das freilich Win-Win, denn auch wenn es für den Moment nicht goutiert wird, so kann er sich mit dem gemeinsamen Auftritt mit seiner Neuen ein Stück mehr als “ganz normaler” Mensch präsentieren. Der er aus gegebenen Gründen nicht ist, und nach seinem Auszucker im Rahmen eines Bads in der Menge würde normalerweise auch nichts mehr aus einem volksnahen Image.
Boulevardmedien und “seriöse” Nachrichtenmedien waren bisher eigentlich recht klar getrennt. Davon haben beide meiner Meinung nach profitiert. Die BUNTE langweilt ihre Zielgruppe nicht mit politischen Analysen, die FAZ erspart der Leserschaft peinliche Details aus der Privatwelt der Reichen und Schönen. Eine Seite beginnt langsam diese Profilierung für die Quote aufzugeben. Das ist weder besonders weitsichtig noch besonders ehrlich. Zum einen könnte man den Platz besser mit Themen füllen, die sonst weit weg vom westlichen Fokus sind (mir fielen da spontan Darfur und Burma ein). Zum Anderen ergibt sich die richtige Kritik allein schon aus der Frage: “Steckt in Merkels BH politischer Inhalt?”
Die Antwort von Alice Schwarzer meine ich zu kennen. Die Frage sollte aber jeder für sich selbst beantworten.





Die Schwarzer und auch ich würden sagen, dass du das Herren in Damen und Herren der Schöpfung schreiben sollst. Vor allem wenn du dann gleich eine Frau Minister beschreibst. Sorry, manchmal achte ich auf die Genderfreundlichkeit.
aber ich glaube, solche Light-News sind so beliebt, weil das jeder versteht.
hier hab ich auch etwas dazu geschrieben
http://weltbeobachterin.blog.de/2008/04/15/kleider-machen-politiker-4047883
ist korrigiert ;)
der Absatz mit Kdolsky ist erst im Nachhinen dazugekommen, da hatte ich noch weitestgehend Sarkozy im Kopf ^^
Das Problem der schleichenden Boulevardisierung hat meines Erachtens mehrere Gründe:
1. Die Leserschaft wandelt sich langsam. Früher waren die FAZ-Leser meist ältere Herren (und auch Damen), die morgens in der S-Bahn oder Limousine noch die wichtigsten politischen Nachrichten lesen wollten. Fernsehen beschränkte sich auf die Tagesschau und den Krimi am Abend.
Aber heute sind die meisten der Leser, die man noch erreichen könnte, durch die Fernsehmedien und das Internet medial so programmiert, dass für sie eine Zeitung oder Nachrichtensendung, die keine Yellow-Media bringt, als “langweilig” und “altbacken” deklassiert wird. Gut, der Tagesschau steht es recht gut, Ausfälle wie Berichte über Gurkenlaster-Unfälle überlässt sie wieder den Tagesthemen, nur gerade die Zeitungen und auch die ZIB müssen ja heutzutage viel um ihre Leser und Seher buhlen, und versuchen dabei verschiedene Leser-Gruppen zusammen zu bringen. Manche ehemalige Qualitätszeitung, z.b. der Kurier, gilt mittlerweile ja schon als Halb-Boulevard.
2. Neben diesem Problem der Änderung der Sehgergewohnheiten ist gerade bei der ZIB diese Mischung erwünscht. Und zwar um die Seher mental bereits auf die Seitenblicke einzustellen (bei denen ich mich seit dem ersten Sehen frage, welchen tiefschürfenden journalistischen Background diese Fleischbeschau der oberen 10000 Wiener hat, dass sie den Logenplatz um 19:50 bekommt, vor allem wo ja nur 1 Stunde vorher viel Platz für den Blödsinn bei “Hallo Österreich” oder wie dieser Nachmittagskram auf ORF 2 heisst wäre).
3. Da Politiker ihre politischen Erfolge meist kaum medienwirksam darstellen können, beschränken sie sich leider auf solche Nabelschau. Bei Sarkozy sollte einem das schon zu denken geben, normal sind solche Stories ein Zeichen des langsamen Endes der Legislaturperiode, siehe Homestories mit Vranetzky, Joggingtouren mit Fischer, Adoptionen von Gerhard Schröder oder die von dir genannten Fälle. (Dass die Gesundheitsministerin ein Buch herausbringt, verwundert daher kaum, gerade in der Krise ist es immer gut, wenn man in Bereichen zu hören ist, die mit dem Krisenfeld kaum zu tun haben.)
4. Anscheinend beginnt das Sommerloch schon, während draussen noch Schnee liegt *g*
mfg Sascha