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Hillary, lass' es doch endlich gut sein…

Man muss Hillary Clinton wirklich eines lassen: So schnell gibt sie nicht auf. Selbst nachdem die aggressive Tour gegen Obama anfing zu “backfiren” blieb sie im Rennen und änderte die Strategie. Ihr Konkurrent zeigt mittlerweile leichte Abnutzungserscheinungen und leistet sich ab und an den einen oder anderen unglücklichen Patzer, wie sein jüngstes Statement über Arbeiter in Pennsylvania belegt. Frei von Verfehlungen ist aber auch die einstige First Lady nicht. Bei den Schilderungen ihrer aussenpolitischen Erlebnisse nahm sie es mit der Wahrheit nicht so genau und erzählte all zu Abenteuerliches von Scharfschützenfeuer. Beide mussten in letzter Zeit zurückrudern. Im eben angesprochenen Bundesstaat wird heute gewählt, die Wahllokale schließen um 20 Uhr Ortszeit (2 Uhr nachts MEZ).

Die theoretischen Chancen, dass Clinton den von Obama erarbeiteten Vorsprung noch aufholen kann sind freilich gering. Diverse Umfragen sehen sie 5-10% vorne in Pennsylvania. Glaubt man den Experten, so wäre aber quasi ein Erdrutschsieg von Nöten, um noch reelle Erfolgsaussichten zu haben. Eine weitere Fortsetzung dieses Vorwahlkampfs würde dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain noch mehr Wahlkampfvorsprung einräumen, als er ohnehin schon hat. Solange die zwei demokratischen Senatoren sich ineinander verbeissen (müssen) bleibt wenig Zeit um sich mit der Konkurrenz aus der anderen Partei auseinanderzusetzen. “Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte.” wird hier mottofähig.

Zumindest bis heute Nacht klammert sich Hillary aber noch an jeden Strohhalm den sie finden kann. Die Clintons gelten als “republikanische Demokraten“, und das will sie kurzfristig für sich nutzen. Sie spricht von Parteienzusammenarbeit und davon, dass sie auch Republikaner in ihre Regierung aufnehmen könnte. Was hier in Mitteleuropa sehr nett und konsensual klingt, könnte sich im Endeffekt fatal auswirken. Aussagen wie diese dienen dazu kurzfristig republikaneraffine Demokraten, unentschiedene Mitläufer in der Mitte zu ködern und letztlich auch noch Republikaner dazu zu bewegen in den demokratischen Primaries zu partizipieren (was nicht sonderlich schwer ist).

Das erhöht den Druck auf die Partei, der ohnehin jetzt schon schwer lastet. Reißt Clinton das Ruder noch herum und wird von ihrer Partei als White House Anwärterin nominiert, könnten sich solche Statements aber bitter rächen. Republikaner werden ohnehin McCain wählen, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Der Kampf der bis November geführt werden wird, wird sich vor allem um die Mobilisierung des eigenen Wählerpotentials und Überzeugung der Unentschiedenen und der “Mitte” zugeneigten drehen. Wenn Clinton nun andeutet, dass sie republikanische Mitwirkung begrüßen würde, werden sich die Umkämpften zurecht fragen, warum sie dann nicht gleich McCain wählen sollten. Jeder, der nicht von Haus aus eher die Demokraten favorisiert wäre doppelt so schwer wieder zu gewinnen. Ein weiterer Positionswechsel würde Clinton dann extrem unglaubwürdig und wenig integer erscheinen lassen.

Weil ein Überholen Obamas über die Kernschichten der Demokraten schon nahezu ausgeschlossen ist, weitet Clinton den Kampf aus. Ich muss mich fragen, ob sich ihr Wahlkampfteam der Kurzsichtigkeit solcher Aktionen und der Kollateralschäden für die eigene Partei wirklich bewusst sind. Zu befürchten ist, dass man auf dieser Strategie beharren wird, wenn man in Pennsylvania mit einem Ergebnis am oberen Rand der Umfrage-Schwankungsbreiten erstreitet. Dann bliebe Obama als Gesamtsieger immer noch viel wahrscheinlicher. Clinton könnte ihn höchstens in einer auszehrenden Wahlschlacht über die kommenden zwei bis drei Monate noch überholen – wenn die Partei dies überhaupt zulässt.

Was aber bleibt ist die Erkenntnis, dass jeder Tag an dem der innerdemokratische Vorwahlkampf weitergeht, den zukünftigen Kandidaten schwächt und McCain stärkt. Hillary kann noch gewinnen, ja. Ihr Sieg wäre aber wahrscheinlich die Besiegelung einer demokratischen Niederlage am 4. November. Insofern bleibt mir nur übrig zu sagen: “Respekt Hillary, du hast Kampfgeist bewiesen. Aber lass’ es doch endlich gut sein.”


[creative commons license] photo credit: Mr. T in DC

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3 Kommentare

  • Am 23. April 2008 sagte Patridiot:

    Amerika bedeutet Krieg und Imperialismus.
    Europa bedeutet Frieden und Multikulturalität.

    Die Nato muss aufgelöst werden.

  • Am 23. April 2008 sagte Georg Pichler:

    Ich halte beide Aussagen für dezent verkürzt. Speziell im Bezug auf die USA halte ich einen demokratischen (insb. Obama) Sieg als Chance für eine Wende.

    Die Europäer bekommen zunehmend mehr Macht in der NATO, fragt sich also wie nötig eine Auflösung wirklich ist.

  • Am 24. April 2008 sagte SaschaP:

    Patridiot passt irgendwie als Benutzername *lol*

    1. Nur weil die amerikanische Regierung zu oft ihre Waffen einsetzt, um ihre Politik durchzusetzen, heisst das nicht, dass Amerika = Krieg ist. Zum einen bitte wenn: USA = Krieg, denn vor Kolumbischen Truppen hat sicher keiner Angst, die kommen nicht mal im eigenen Land zurecht, und zum anderen bitte schön ist die Regierung nicht gleich der Bevölkerung. Es gab immer und gibt auch heute noch viele US-Amerikaner, die sich immer gegen die Kriege und für den Frieden eingesetzt haben, auch bei den Republikanern.

    2. Imperialismus ist ein Begriff des 19. Jahrhunderts, und war damals nichts schlimmes. Heutzutage ist der Begriff überholt, und sollte vor allem von linken Menschen nicht mehr verwendet werden, denn auch die SU war imperialistisch. Heutzutage werden Staaten normal durch Wirtschaftsbeziehungen beherrscht. Und das nennt man Globalisierung oder Internationalisierung, aber nicht Imperialismus. (Imperialismus bedeutet auch nicht “kriegstreiberisch” sein, sondern wie gesagt halt den Wunsch, sich außerstaatliche Territorien zu erwerben).

    3. Europa war der kriegerischte Kontinent seit seiner Besiedelung vor 11.000 Jahren! Wir haben seid nun 60 Jahren endlich eine relativ friedliche Phase, zumindest in Mitteleuropa (schon Spanien, Portugal, Griechenland und der Balkan musste bis in die 70er bzw. gar 00er Jahre unter Unfrieden leiden). Und das verdanken wir zwei großen Gebilden: Der EU und den USA! Die EU vernetzt unsere Nationen untereinander, so dass sie schwerer Kriege gegeneinander führen können, und die USA haben in der unsicheren Anfangsphase Europa lange beaugapfelt, und uns durch ihre Truppen vor möglichen kriegerischen Angriffen beschützt.

    5. Das wohl multikulturellste Land, in dem diese Multikultur sogar funktioniert, sind wohl die USA. 99% sind Einwanderer, und große Teile der Bevölkerung haben es geschafft, sich eine multikulturelle Identität zu geben, in der sie Afro-Amerikaner, Latino-Amerikaner, Italo-Amerikaner usw. sein können. Wo jemand, der wie ein Chinese aussieht, sich wie ein Chinese kleidet, sich wie ein Chinese benimmt und ein Chinarestaurant hat dennoch als Amerikaner gesehen wird, wenn er in Amerika geboren wurde oder dort lange lebt.

    Da ist Europa leider noch meilenweit von entfernt, hier gelten Türken der 3. Generation noch als Ausländer, obwohl sie besser wienerisch als türkisch können, wie die Österreicher die Türkei als Urlaubsland ansehen, Schnitzel und Sauerkraut mögen und Jus studieren!

    6. Die NATO bedeutet nicht eine Übermacht der USA gegenüber Europa. In der NATO sind zwei weitere Atommächte drin, und die NATO beschließt ihre Einsätze nicht auf gut Dünken, sondern nach ewig langen Diskussionen (und kommt dadurch manchmal sogar zu spät, siehe Bosnien)

    Man, sollte Allgemeinposten a lá Krone nerven mich manchmal echt, sorry Georg für den langen Post.

    Ansonsten, zum Thema: Hillary kann noch nicht aufgeben. Wenn sie jetzt aufgibt, würde sie sich auch Chancen auf den Vize-Präsidentschaftsplatz verbauen, denn dann könnte Edwards sich einfacher dafür nominieren lassen. Dass will sie sicher nicht, also muss sie ihre Position weiter stärken.

    Im Endeffekt wäre es jedoch für die Reps klüger, sie würden auf das Duo Obama-Clinton mit Obama an der Spitze setzen, vor allem aus zwei Gründen:

    1. Gemeinsam ist man stärker und
    2. Obama hat etwas geschafft, was Hillary nicht schaffen wird: Junge mobilisiert. Wenn Hillary gegen McCain antritt, werden sicher viele junge Wähler resigniert die General Election boykottieren. Und dann buhlen wieder mal zwei Kandidaten um die Schicht der Wähler 50+ Und da hat McCain absolut gesehen mehr Rückhalt als Clinton, ihn als Vietnamhelden, Patrioten usw. wählen die älteren und oftmals chauvinistischen US-Amerikaner mit Sicherheit lieber als Clinton.

    Allerdings denke ich nicht, dass dieser Wahlkrieg zwischen Obama und Clinton so schlecht für beide ist: Denn im Gegensatz zu McCain wird so viel klarer, wofür die Demokraten stehen werden in der Wahl. Sprich Obama und Clinton machen jetzt auch schon Wahlkampf für November. Was macht McCain? Von ihm höre ich in letzter Zeit außer Veteranengeschichten und dem “wir machen so weiter wie Bush” kaum etwas, und mit “the same thing as every year” wird McCain kaum gewinnen. Zumindest nicht bei den Jungen, wenn sich Obama durchsetzt ;)

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