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Raucherdebatte: Der Sinnlos-Kompromiss

t'was a good night

Wenn das stimmt, was da in den letzten Stunden durchgesickert ist, dann hat die große Koalition mal wieder einen astreinen Knieschuss produziert. Der kommende “Kompromiss” zur Causa “Rauchen in Lokalen” ist meines Erachtens nach Totalmist. Warum? Weil er viele Probleme nicht löst, bzw. gar nicht erst adressiert. Dafür ist er bürokratisch und folglich teuer. Eigentlich tu ich das ungern, hier muss ich aber konstatieren: “Typisch Österreich.”

Wie sieht sie also aus, die Vorlage von Andrea Kdolsky und Co., die da geliefert wurde: Prinzipiell soll demnach ein Rauchverbot gelten. Diese Formulierung ist aber tückisch und eigentlich eine Lüge, denn sie bedeutet nur, dass der “Hauptraum” (bei zwei Räumen ist das der Größere) einer Gaststätte rauchfrei sein soll. Lehrlinge sollen auch nicht mehr in Raucherbereichen ausgebildet werden. Schön mag man sich denken, wenn es da nicht die berühmt-berüchtigten Ausnahmen gäbe.

Schwachsinnigerweise blieb man am Größenkriterium kleben. Hat das Lokal nur einen Raum und der ist unter 50 m², so kann der Wirt frei entscheiden. Zwischen 51 und 80 m² muss der Wirt feststellen lassen ob eine Trennung “aus rechtlichen Gründen im Rahmen der Betriebsanlage” machbar ist. Darüber soll wahrscheinlich getrennt werden (Ausnahmen für Lokale in Gebäuden, bei denen das Bauamt Njet zu Trennungsmaßnahmen sagt wird es wohl geben), Details werden für morgen erwartet. Ich begnüge mich daher vorerst mit einer Kurz-Kritik:

  • Das Personal (wenn es nicht gerade Lehrlinge sind) arbeitet in beiden Bereichen, muss sich also von berufswegen weiterhin dem erwiesenermaßen sehr ungesunden Qualm aussetzen.
  • Dass ein Wirt mit einer 50 m² Lokalfläche freie Wahl hat, einer mit 51 m² eine Trennung prüfen muss und jener mit 81 m² fix trennen muss, lässt sich nur mit einem Wort beschreiben: Wettbewerbsverzerrung.
  • Die Kontrolle von Lokalflächen und bauamtliche Prüfungen schreien jetzt schon nach einer bürokratischen Kostenorgie für Wirte und Staat. Das Prozedere darf dann bei Lokalausbau und dergleichen mit ziemlicher Sicherheit wiederholt werden. Ich sehe schon die ersten Wirte mit knapp über 50 m² Bewirtungsfläche Rigipswände ziehen, um durch die Einrichtung eines Pseudolagerraums (o. ä.) ja wieder auf dieses Maximum zurückzufallen.

Bis 50 m² gibt’s also grundsätzlich schlechte Luft. Bis 80 m² ist sie nicht ausgeschlossen – das dürfte das Gros der Abendlokale umfassen. Manchmal greife ich mir an den Kopf, und frage mich, wie man derlei Sachen der Öffentlichkeit als sinnvollen Kompromiss präsentieren kann, ohne dabei rot zu werden.

PS: Auch Tom zieht ein ähnliches Resümee zur Regierungsvorlage.

[creative commons license] photo credit: cervus

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4 Kommentare

  • Am 30. April 2008 sagte Tom Schaffer:

    ich frage mich auch, wer diesen kompromiss begrüssen soll. die militanten raucher schreien trotzdem, auch wenn sie nix zu befürchten haben. die nichtraucher haben so gut wie nix davon. die wirte haben zusatzkosten und zusatzaufwand (und die aussicht, dass irgendwann die EU klarheit schaffen wird und dann die jetztigen investitionen wieder fürn arsch sind). die bürokratie und der staat haben auch zusatzkosten.

    weltklasse. sollens doch bitte alle bei ihrem schweinsbraten bleiben.

  • Am 30. April 2008 sagte gimli999:

    Immerhin hat die tolle Gesundheitsministerin jetzt was gemacht. Nächster Halt ist dann die Aufhebung des Gesetzes weil es dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht. Damit ist dann die “Freiheit” (Sucht) in der Öffentlichkeit zu rauchen für >5 Jahre gesichert!

    Und dann ist es eh die pöse EU, die “uns” die Vorschriften macht.

    Jeder Wirt, der deshalb wirkliche Umbauten macht bleibt auf den Kosten sitzen, wenn dann die NR Regelung aus Brüssel da ist. Daher gehe ich mal davon aus, daß die NR Bereiche bei größeren Lokalen mit Paravents abgetrennt werden. Aktuelles Beispiel im ausgezeichneten Lokal Bombay in Wien. Dort saß ich das letzte Mal einem Raucher im abgetrennten Raucherbereich näher als meiner Begleitung am eigenen Tisch im NR-Bereich.

  • Am 30. April 2008 sagte weltbeobachterin:

    ein Berg kreist und ein Mäuslein ward geboren. ein ziemlich schwächliches, weil es mit Passivrauch überzogen wurde.

  • Am 7. Mai 2008 sagte Zur Politik » How can we win when fools can be kings?:

    [...] Solche Situationen wird es in Österreich auch in den nächsten Jahren weiterhin geben. Jener Rauchgesetz-Entwurf der morgen präsentiert wird bringt nur ein Ergebnis: Als Nichtraucher ist man weiterhin auch [...]

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