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Burmas Junta sitzt in der Tinte

Pagoda at Tatchiliek, Burma

Nein, diese Headline ist wohl nichts neues. Dass diese Form des Regierens ein Ablaufdatum hat, wie sie alle (Militär-)Diktaturen haben soll auch gar nicht die Erkenntnis sein. Nargis, so der Name der Sturmfront, dürfte das Haltbarkeit der paranoiden Landesherrschaft deutlich herabgesetzt haben. So war zu Anfang “nur” von bis zu 10.000 Toten und einigen zehntausend Obdachlosen die Rede. Heute ist der prognostizierten Opferzahl eine Null angehängt. Rangun, die größte Stadt, ist ein Trümmerhaufen.

Wie die Aufstände vor einigen Monaten zeigten, ist das Regime auch so nicht mehr ganz Herr der Lage, und konnte die Proteste nur mit Gewalteinsatz ruhig stellen, wofür es international Ächtung erfuhr, aber zuwenig Konsequenzen folgten. Steigende Lebensmittelpreise schürten in den vergangenen Wochen auch im in vieler Hinsicht isolierten südostasiatischen Küstenstaat weiter den Frust. Mit dem Wind trat nun die Katastrophe ein, der man trotz ihrer fatalen Auswirkungen auch etwas positives abgewinnen kann.

Die Junta steht, da sie mit der Situation heillos überfordert ist, vor zwei Auswahlmöglichkeiten: Entweder verweigert sie die notwendige Hilfe aus dem Ausland, dann wird ihr der Volkszorn mittelfristig zum Verhängnis. Oder sie öffnet das Land für Unterstützung (und damit auch Einfluss) von Aussen und riskiert damit, dass die Bewohner von den neuen Eindrücken erst recht zur Revolte hingerissen werden, wenn sie demonstriert bekommen, wie Versorgung anderswo funktioniert und Menschenrechtler die Freiheit skizzieren, die ihnen vor Jahrzehnten abhanden gekommen ist. Beide Auswahlmöglichkeiten sind Chance und Risiko zugleich. Weitere Aufstände bei fortgesetzter Isolation könnten niedergeschlagen werden, und die dadurch generierte Angst wieder ein paar Jahre instabilen Pseudofrieden sichern. Die internationalen Helfer könnten aber auch die Situation bessern, was die Wut etwas tilgen könnte, und die Militärs hätten eventuell Gelegenheit sich die Rettungskoordination auf die Fahnen zu schreiben. Wobei natürlich offen bleibt, ob die gekommenen Organisationen auch so schnell wieder das Land verlassen würden, wie sie gekommen sind.

Wie schwer es den Unterdrückern fällt, sich aus ihrer Sicht zwischen Not und Elend zu entscheiden, zeigt die aktuelle Situation. Kurz nachdem klar war, dass das Ausmaß des Schadens und die Opferzahlen weit höher sind als zuerst angenommen, “erlaubte” (was angesichts der Lage in dieser Formulierung ohnehin blanker Hohn ist) man erste Hilfsmaßnahmen von jenseits der eigenen Grenzen, versucht aber mittlerweile nur noch Güter passieren zu lassen, nicht jedoch menschliche Hilfskräfte. Das ist so etwas wie eine Kombination aus beiden Möglichkeiten, mit dem Effekt, dass sie wahrscheinlich weder den Generälen noch den Menschen in Burma wirklich helfen wird. Dieses Einsehen wird auch nicht lange auf sich warten lassen, und der hergestellte Status Quo ist ergo eine reine Zeitgewinnungsmaßnahme.

Sie werden die Wahl treffen müssen, und ob der weltweiten Empörung, die aus der Berichterstattung über die marschierenden Mönche hervorging, wird man sich für Variante Zwei entscheiden. So oder so ist das Ende dieser Diktatur absehbar, und wenn das Sturmchaos beseitigt und die Toten begraben sind, gilt es schon über die nächsten, wichtigen Zukunftsfragen nachzudenken: Wie friedlich wird der Abtritt der Militärjunta? Und: Was kommt danach?

[creative commons license] photo credit: Recoverling

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1 Kommentar

  • Am 10. Mai 2008 sagte Gordi:

    Was mir auch auffiell: Wie wenig das Burma-Thema medial präsent blieb. Kurzer Furor, kurze Kritik und dann lassen wir mal die Junta weiterwurtschteln.
    Auch die Politik blieb still.

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