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US-Primaries: Clinton ist immer verzweifelter

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Es steht schlecht um eine mögliche Nominierung der ehemaligen First Lady, Hillary Clinton. Dem beinahe knappest möglichen Sieg in Indiana steht eine 14%-Niederlage in North Carolina zu Buche. Der Abstand zwischen ihr und Obama ist wieder gewachsen. Und auch bei den Superdelegates führt ihr charismatischer Widersacher nun. Trotzdem proklamierte sie, noch bevor überhaupt feststand, dass sie Indiana mit Minimalvorsprung gewinnen würde, es würde weiter “full speed to the White House” gehen. Full Speed rückwärts also – die Verzweiflung im Lager Clinton wird tagtäglich größer, der für diese Nacht erwartete , hohe Sieg (alles andere wäre aus demografischen Gründen sehr peinlich für ihre ohnehin angezählte Kampagne) sie wohl auch nicht mehr retten.

Immer abstruser werden Clintons Versuche, die eigene Position nicht ganz so aussichtslos erscheinen zu lassen. Besonders erbärmlich wird es, wenn sie trotz ihrer Lage immer noch völlig irrational zu erklären versucht, warum sie für den Präsidentschaftswahlkampf nominiert werden sollte, und nicht Barack Obama. “Electability”, also Wählbarkeit im Hinblick auf die Hauptwahl im November, ist das Stichwort. Das veranlasste Hillary Anfang März, kurz nach dem sie den Sturmlauf ihres Konkurrenten durch einen Sieg in Ohio kurzfristig gebremst hatte, zu folgenden Worten:

“They call Ohio a bellwether state, the battleground state. It’s a state that knows how to pick a president and no candidate in recent history, Democrat or Republican, has won the White House without winning the Ohio primary.” (Quelle)

In der jüngeren Geschichte ist also niemand als Präsident ins Weiße Haus eingezogen, ohne zuvor in Ohio zu gewinnen. Sie sieht ihren Vorteil, und Obamas Nachteil also in einem statistischen Einzelfall. Blöd nur, wenn sich diese Behauptung als unwahr herausstellt (es sei denn, sie hat eine zeitlich sehr eingeschränkte Auffassung von “recent history”):

Richard Nixon did it in 1968, and John Kennedy in 1960. But “favorite son” candidates won the Ohio contest both those years. (Quelle)

Man kann also Präsident werden, ohne Ohio zu gewinnen. Jetzt ist es schon fragwürdig, den Vorteil der eigenen Kandidatur mit pseudostatistischen Prognosen zu begründen. Das hält sie aber jetzt, dem definitiven Ende ihrer Kandidatur ins Auge blickend, nicht davon ab, es ein weiteres mal zu probieren:

“I think it’s fair to say that West Virginia is a test. It’s a test for me, and it’s a test for Sen. Obama, because for too long we have let places like West Virginia slip out of the Democratic column. And you know it is a fact that no Democratic president has ever won the White House since 1916 without winning West Virginia.” (Quelle)

Es wäre also fair zu sagen, West Virginia wäre ein Test, meint Hillary. Einen den sie faktisch unmöglich nicht bestehen kann. Das rural geprägte West Virginia ist der im Altersdurchschnitt führende Bundesstaat des Landes, knapp 95% der Bevölkerung sind Weiße (bei etwas über 3% Afro-Amerikanern), ca. 85% der Leute die keinen Hochschulabschluss haben und einem Anteil von 16.2% an Menschen, die unter der Armutsgrenze leben. Der Anteil an weniger gebildeten Weißen an der Landbevölkerung – erwiesenermaßen in diesen Primaries bisher eine wichtige Stammklientel von Clinton – dürfte folglich sehr hoch sein. Alles andere als ein klarer Sieg hier gegen einen Kontrahenten, der sich hier nicht einmal großartig kampagnentechnisch engagiert hat, wäre das ultimative Signal zum Aufhören.

Solcherlei Warnschüsse gab es aber schon öfters, so auch letzte Woche. Aus den zwei benötigten, souveränen Siegen wurde nichts. Clinton wird wohl weitermachen bis zum sommerlichen Parteitag, wenn sie die Demokraten nicht vorher ausbremsen. Dafür ist es längst an der Zeit, sonst erweist sich John McCain als der lachende Dritte nach der drohenden Zerreißprobe.
[creative commons license] photo credit: rharrison

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4 Kommentare

  • Am 14. Mai 2008 sagte Oliver Ritter:

    Ich denke, je länger Hillary Clinton nicht aufgibt, desto größer werden die Chancen für John McCain der lachende Dritte zu sein. Erste Umfragen deuten darauf hin. Jedoch ist zu bezweifeln, ob Hillary ihren Verstand sprechen lässt und Obama als Sieger akzeptiert.

    Daher auch meine Bitte: “Hillary, bitte mach’ Schluss!”

  • Am 14. Mai 2008 sagte SaschaP:

    Naja, was mich noch mehr stört als Hillarys Siegeswillen, den sie gerne haben kann, ist diese Verlogenheit ihrer Gefolgschaft:

    Zuerst sich darüber beschweren, dass Florida und Michigan zu früh wählen lassen und die Abstimmungsergebnisse als Strafe nicht zählen wollen, und wenn man dann in der Scheisse steckt, plötzlich auf alle Regeln scheissen wollen. Das glaubt ihr und vor allem ihrem “Beraterteam” doch keiner mehr, dass es ihnen um die “Berücksichtigung der Wählerstimmen” geht. Würde es ihnen darum gehen, würden sie NOCHMAL wählen lassen, damit auch beide Kandidaten die Möglichkeit haben, zu werben (Obama ist in Michigan nicht angetreten, ganz nach den Nominierungsregeln der Demokraten.)

    Und nerven tun auch die Befürworter von ihr, die jeden kleineren Sieg (wie jetzt in West Virginia) gleich als den großen Beweis für ihre Fähigkeiten ansehen. Sorry, diese Frau braucht mind. 75% aller noch zu vergebenden Delegierten, wenn sie die nicht erreicht, beweisst sie gar nichts, so einfach ist das, da können ihre Wahlkampfhelfer labern so viel sie wollen.

  • Am 30. Mai 2008 sagte Asics Tiger:

    Die DRS1-Sendung war interessant und informativ. Unsere Nationalrätin Viola Amherd hat dabei die CVP Schweiz vertreten. Einmal mehr hat mir die sachliche und ruhige, aber bestimmte Argumentation von Frau Amherd gefallen. Politiker, welche sich lautstark, plakativ und ohne nennenswerte Inhalte in den Medien präsentieren, haben wir genug. Darum wähle ich im Oktober 2-mal Viola Amherd. Für die anstehenden Wahlen viel Erfolg!!

  • Am 2. Juni 2008 sagte Wolfgang Schrögendorfer:

    Schwere Entscheidungen, aber ich glaube eher, die Leute können sich zwischen, mehreren Lobbies entschieden, nach einiger Zeit könnte sich allerdings herausstellen, Cain, Obama und Clinton wurden von den selben Firmen unterstützt und eigentlich ist es egal, wer wenn und warum er wenn gewählt hat. Die USA sind teilweise sehr sehr schwer zu begreifen, wir sollten aufpassen, daß solche Verhältnisse nicht auch auf uns zukommen!

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