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"Rettet Österreich" ruft öffentlich zum Spammen auf

briefkaesten

“Rettet Österreich”, das ist eine laut Eigenangabe unabhängige und parteifreie Bürgerinitiative, die sich als Ziel gesetzt hat, den EU Vertrag zu kippen. Trotz aller Kampagnen und ihrer Teilnahme an der Krone-gepowerten Anti-EU Demo in Wien wurde eben dieser Lissaboner Vertrag letztlich vom Bundespräsidenten unterzeichnet. Das freilich hat die Gruppe, die sich mit dubiosen Leuten wie Prof. Schachtschneider umgibt, nicht davon abgehalten, ihr Ansinnen weiter zu verfolgen. Weil der Zug in Österreich für sie abgefahren ist, setzen sie nun auf Irland, wo über den Kontrakt erst via Referendum abgestimmt wird.

Viele irische Verwandte scheint es unter den “Rettet Österreich” Anhängern wohl nicht zu geben, an die sie ihre Anti-EU Propaganda verschicken könnten, daher geht man gleich in die Vollen. “Brief nach Irland” nennt sich die Aktion, bei der die Initiative ihre Besucher dazu aufruft, nichtsahnende Iren mit realer Briefpost zu überrumpeln.

Zuerst darf man sich eine “freie” Adresse wählen (siehe Bild, Details habe ich wegzensiert), dann gibt man seine eigene Email an und bekommt daraufhin den Mustertext samt Anschrift zugesandt. Der liest sich so:

Wortlaut anzeigen

Er beinhaltet also die üblichen, schwachsinnigen Horrorszenarien und Auslegungen. Was mich nicht großartig stört, da es ja nichts Neues ist wofür und wogegen diese Initiative ist.

Was mich aber stört ist, dass man hier das öffentliche Telefonbuch Irlands anzapft und dazu aufruft dezidiert Leute mit unaufgefordert an sie geschickten Briefen zu belästigen. Findig dahinter ist, dass man so seine Kampagnenkosten auf andere abwälzt, die sich den Brief ausdrucken oder abschreiben und für Porto wie Kuvert aufkommen. Skandalös ist der Umgang mit Datenschutz durch den Mißbrauch eines öffentlichen Verzeichnisses für politische Zwecke – ganz zu schweigen von der Desinformation. Ich traue mich zu wetten, dass die Telefonbucheinträge garantiert nicht für derlei Spielchen freigegeben sind, daher werde ich diesbezüglich bei der irischen Telekom (Eircom) nachhaken.

Es gibt – und ich weiß ich wiederhole mich zum x-ten Mal – genug legitime Gründe kein EU-Freund zu sein, und sich diesbezüglich zu organisieren soll jedem erlaubt sein. Andere Leute ungefragt mit Briefen einzumüllen (seit dem Internetzeitalter allgemein als “Spammen” bekannt) ist jedoch ein klarer Mißbrauch dieser Freiheit. Ich bin schon kein Freund von dubiosen Sekten, die ab und an Bushaltestellen mit ihren Zetteln “dekorieren”, der Versand an die persönliche Adresse erreicht aber ganz andere Qualitäten.

Wer zu solchen Mitteln greift sollte sich für jeden vernünftigen Menschen als seriöse Protestplattform automatisch disqualifizieren.

PS: Perfiderweise rechnet man sogar vor “(…) wenn nur jeder hundertste Österreicher an fünf Iren einen Brief sendet, haben wir diese Abstimmung schon so gut wie gewonnen. Deshalb jetzt gleich BEGINNEN !!”

[creative commons license] photo credit: loop_oh

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10 Kommentare

  • Am 2. Juni 2008 sagte SaschaP:

    Kann man diese Organisation damit nicht wegen Aufforderung zu kriminellen Handlungen dran kriegen? Oder zur Etablierung eines Pyramidensystems? Es ist in Österreich verboten, zu spammen, egal ob on- oder offline (nicht ohne Grund versuchen hunderte Firmen uns unsere Einverständnis für Werbezusendungen abzuknüpfen), die Aufforderung anderen ungefragt Briefe zuzusenden stellt doch somit eine solche Aufforderung dar.

    Und dieser nette “wenn nur…”-Absatz ist der typische Satz eines Ketten- oder Pyramidensystem-Briefs, nach der Art: “Schicke diesen Brief an 10 Leute und du wirst von der EU befreit. Tust du es nicht, wird sie dich für immer ärgern.”

    Und mal was ganz allgemeines: Es ist traurig, dass ausgerechnet die Länder, die am meisten Unterstützungsgelder aus der EU kriegen, die EU am meisten verachten. Ohne EU kein AMA-Gütesiegel, kein Biomarkt, keine Mitbestimmung beim Transitverkehr, keine Unterstützung für die vielen Tunnel durch Brenner, Tauern usw. Und die Iren wären die größten Dumpheads aller Zeiten, würden sie als Ziehkind der EU diese Briefe von fehlwissenden Österreichern ernstnehmen.

  • Am 22. Juli 2008 sagte Margit:

    Hallo Leute!
    Kritik an der Aktion von “Rettet Österreich” ist schon in Ordnung.
    Aber in diesem Zusammenhang einen Prof. Schachtschneider als “dubiose Person” zu bezeichnen, ist absolut unpassend. Der Mann ist an Sachkenntnis kaum zu überbieten. Da möchte ich wirklich wissen, was daran “dubios” ist. Diese Bewertung entbehrt wirklich jeglicher Grundlage und kann nur auf die Emotion beim Schreiben am Bericht über diese Aktion zurückzuführen sein!

  • Am 22. Juli 2008 sagte Georg Pichler:

    Ein Beispiel:

    Soweit ich weiß behauptet Schachtschneider, der Lissaboner-Vertrag würde die Todesstrafe ermöglichen.

    Das ist Blödsinn. Zum einen sind die Anforderungenn dafür mehr als speziell, zum anderen spricht selbst nach ihrer sehr unwahrscheinlichen Schaffung die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) dagegen, die meines wissens von allen EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde und von Neo-Mitgliedern anerkannt werden muss.

    Wer bewusst mit einseitiger bzw. falscher Information Angst streut darf durchaus als “dubios” bezeichnet werden.

  • Am 28. Juli 2008 sagte Andi H.:

    Hi Sascha,

    Solltest du dich nicht fragen warum diese Länder die die EU am meisten verachten die meiste Kohle bekommen? Ist doch klar das läuft schon in die Richtung ich geb dir viel Geld also komm doch mal zu uns….noch zu dem Punkt ohne EU kein AMA-Gütesiegel: Hast du eine Ahnung was dieses Gütesiegel heisst? Bestimmt nicht das dies Österreichische Ware ist…AMA Gütesiegel heisst nur in Österreich geschlachtet…ob das Fleisch dann Meilenweit durch die ganze Welt kutschiert worden ist oder in einem Massentiertransport war spielt dabei keine Rolle…und noch was zum Schluss: Erzähl einem Iren das er ein Ziehkind von Europa ist und er wird dir noch ganz andere Sachen an den Kopf werfen. Würd mich freuen ein kleines Kommentar von dir zurück zu bekommen…vielleicht hab ich dir ja ein paar kleine Denkanstösse geben können…Tschüss

  • Am 14. Januar 2009 sagte patriot no.1:

    mein “lieblingsgrünling” georg, sag hast du den vertrag von lissabon persönlich gelesen? da du der meinung bist, zu wissen, was drinnen steht? glaub mir, nicht mal die zu unterschreibenden politiker haben diesen vertrag weder gelesen, noch inhaltlich verstanden! weil er einfach zu komplex und zu lang ist! also ist das, was du da behauptest eher ein blödsinn! finde, du solltest besser recherchieren, bevor du was im netz von dir gibst- auch wenn du politik studierst- es kommt mir so vor, als würdest du nur vorgeben, zu wissen, wovon du redest…

  • Am 14. Januar 2009 sagte Georg Pichler:

    Sag kennst du was anderes, als die Broschüren von RettÖ und Co? Ich vermute nicht. Und unabhängig davon bleibt die Behauptung, er würde die Todesstrafe ermöglichen, weiter Schwachsinn.

  • Am 14. Januar 2009 sagte patriot no.1:

    kenn nicht alle broschüren von denen- aber behaupte ja auch nicht, daß ich mich da auskenne! hab nur gemeint, daß ich nichts sagen würde, wenn ich nicht den ganzen vertrag kenn. ausserdem in manchen fällen wär die todesstrafe doch sehr wünschenswert: bei mord, kindesmissbrauch und vergewaltigung- finde solche monster haben kein recht mehr unter uns zu weilen!

  • Am 14. Januar 2009 sagte Georg Pichler:

    Es kann immer zu Irrtümern kommen. Jemand der unschuldig lebenslang einsitzt, kann man immerhin wieder freilassen und monetär entschädigen, wenn sich ein Irrtum herausstellt. Eine vollzogene Todesstrafe lässt sich nicht rückgängig machen. Wer bist du, dass du anderen Menschen das Recht auf Leben absprechen willst? Stellst du dich nicht damit genau auf die selbe Stufe mit jenen, die du gern hinrichten lassen würdest?

  • Am 14. Januar 2009 sagte patriot no.1:

    stimmt- irrtümer kann es geben. nur die todesstrafe wird ja nicht sofort durchgeführt, daß heisst es wäre genügend zeit um den fall zu prüfen. wer sind die, die anderen ihr leben zerstören? finde es hat sich keiner verdient so aus dem leben gerissen zu werden- aber wenn jemand eines anderen leben beendet oder nicht mehr lebenswert macht (wg psychischen folgeschäden einer misshandlung, usw.)- so finde ich, hat der straftäter auch kein recht mehr zu leben! das sind monster und keine menschen mehr! ausserdem, stell dir vor ein kinderschänder kommt wieder frei und zieht in deine wohnumgebung und du musst laufend angst haben, daß er demnächst deine kinder schändet? ich möcht nicht neben solchen psychos wohnen müssen… finde da ist die todesstrafe sowohl für den täter, als auch für alle mitmenschen das beste (siehe überlastung in den österreichischen gefängnissen). hast es schon mal auf diese art betrachtet?

  • Am 14. Januar 2009 sagte Georg Pichler:

    So einfach funktioniert das nicht, und restrisikofrei schon gar nicht. Was, wenn nach vielen Jahren sich die Unschuld des Einsässigen durch eine zufällige Entdeckung ergibt (ist nicht nur einmal vorgekommen)? Du kannst nicht ausschließen, Unschuldige hinzurichten und lebenslange Freiheitsstrafe gibts auch in dem Flavor, dass man nicht nach 15 Jahren wieder raus kommt.

    Die Gefängnisüberlastung als Argument anzuführen halte ich für zynisch und verwerflich. Überhaupt ist ein ökonomisches Argument (es geht letztlich um Kosten) hier völlig unangebracht, sonst könntest du gleich vorschlagen Menschen hinrichten zu lassen, die älter als 80 Jahre sind, um das Pensionssystem so zu sanieren. Wahnsinn!

    Neben der Wahrscheinlichkeit Unschuldige aus dem Leben zu reißen bringt die Todesstrafe übrigens nichts. Sie ist erwiesenermaßen keine Abschreckung für (potentielle) Kriminelle.

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