
Das weiße Telefon
Es war letzte Woche Donnerstag, also der 17. Juli, als mich gegen 10 Uhr morgens ein Anruf ereilte. Die Sekretärin der WIST war am Apparat und sagte mir, dass mich der WIST Vorstand Otto Sieber sprechen wolle. “Ist gerade schlecht, da ich zur Arbeit muss”, lautete meine Antwort, denn um 10 circa sollte ich eigentlich im Salzburger Landesbüro der Grünen sein, wo ich seit Anfang Juli ein Praktikum absolviere. “Es dauert nur kurz”, entgegnete mein einst so zornentbranntes Gegenüber. Ich wurde durchgestellt.
Im folgenden Gespräch gab es zwei wichtige Punkte, die neben der beständigen Betonung der WIST’schen Geldsorgen wichtig waren: Nächste (nunmehr also diese) Woche sollen die Kühlschränke von der zuständigen Wartungsfirma inspiziert werden. Zudem sollte eine Unterredung mit zwei WIST-Vertretern, zwei Vertretern meines Heimes und mir stattfinden, die anderen Punkte meines Briefes betreffend. Termin und Teilnehmer waren folglich schnell organisiert. Gestern um 18.30 traf die Merian-Delegation (unter anderem mit Philipp, den manch einer meiner Leser bestimmt von ballverliebt.eu kennt) im Haus Humboldt zu besagtem Treffen ein. Es waren Herr Sieber und sein designierter Nachfolger persönlich, die sich mit uns an den Tisch setzten.
Kühle Argumente
Beredet wurdet einiges, der scheidende WIST Vorstand konnte nicht drum herum mehrfach zu erwähnen, dass er und seine Familie seit Ewigkeiten für die WIST ehrenamtlich tätig seien. Das war meinem Gefühl nach auch durchaus nicht geheuchelt, tat aber wenig zur Sache. Erneut wurde die Kühlschrankproblematik angesprochen. Neue Schränke, so ein etwas zerknautschter Otto Sieber, werde es nicht geben, aber man wolle die vorhandenen so gut es geht reparieren. Ein Ersatz wäre zu teuer. Als nächstes sollen die Fenster saniert werden, Kostenpunkt – so die Angabe – etwa 180.000 Euro, oder der kumulierte Mietertrag des Merian in 8 Monaten. Kein Geld ist da, so distanzierte man sich auch von meinem Argument, dass auf lange Sicht neue, funktionierende und vor allem energieeffizientere Kühlschränke Kosten sparen würden. Dabei sollen es ja die Energie- bzw. Heizkosten sein, die das Merian angeblich finanziell an der Kippe stehen lassen.
Ich hatte mich vorbereitet. Da ich aus prinzip nicht nur für meine Rechte eintrete, sondern durchaus konstruktiv auf Darstellungen der “Gegenseite” eingehen will, hatte ich errechnet, dass ein Ersatz der derzeitigen 60W-Glühbirnen (jeweils zwei in jedem der 120 Zimmer) jährlich eine theoretische Ersparnis von über 4000 Euro einbringen könnte – alleine im Merian. “Ich habe den Herrn Russegger (Haustechniker, Anmerkung) beauftragt, das zu prüfen.”, entgegnete mir Otto Sieber. Konkreter Zeitplan: keiner. Dafür glitt er ab in eine dieser Erzählungen, von denen er an jenem Abend mehrere ablieferte. Aus einer Zeit, in der Energiesparlampen noch neu und ausfallanfällig, und er noch jünger war. Als er dann eine lokale Geschichte mit Bezug zur Umweltpolitik der hiesigen Grünen von vor mehreren Jahrzehnten ausgrub, musste ich innerlich schmunzeln. Vielleicht ist es irgendwie naturgegeben, dass man in älteren Jahren die Möglichkeiten von heute mit Argumenten von gestern in Frage stellt, und Probleme so vor sich herschiebt.
Zwei Mal Null ist Null
Das Thema Internet wurde angeschnitten. Die Petition gegen die angekündigte Überwachung war im Studentenrat diskutiert worden, allerdings mit spärlicher Beteiligung der merian’schen Vertreter. Das Ergebnis war eine Rücknahme der geplanten Maßnahmen nebst Formulierung. Die Vertreter der Heime hätten es kommunizieren sollen, taten es aber nicht. Die WIST hätte es kommunizieren können, tat es aber nicht. Ein Nullsummenspiel bei dem es nie eine Summe über Null gegeben hatte.
Doch nicht nur die studentischen Heimvertreter informierten die Heimbelegschaft nicht, auch die WIST scheint zuweilen nicht zu wissen, wo sie Hand und Fuß hat. Dr. Sieber wusste zwar, dass “eine Wiener Zeitung” wegen der “Internetsache” angerufen hatte, alles andere jedoch war ihm ferngeblieben. Das vom Standard übernommene Statement im Bezug auf die Petition war laut ihm eine Aussage der Sekretärin, keine Aussage der WIST. Eigentlich, so die Schlussfolgerung, hat die Wirtschaftshilfe für Studenten Salzburg kein einziges mal reagiert.
Jener Zettel, der mit der Ankündigung es werde überwacht “insbesondere welche Datenmengen- und Inhalte heruntergeladen werden” die Petition auslösten, war von einem Studenten verfasst und von Sieber – als gelerntem Juristen – quasi blanko unterschrieben worden. Eigentlich ist soviel Vertrauen selten und lobenswert. Weniger dafür, dass sich Studenten dafür stark machen, ihresgleichen mit Überwachung zu bedrohen.
Das i-Tüpfelchen des Stille-Post-Spiels für Taubblinde stellte die Antwortverweigerung zu meinem Mail seitens der Sekretärin dar, die möglicherweise eine viel frühere Klärung der Causa Kühlbox verhindert hat. Auch hätte es diese Geschichte nicht unbedingt bis in den Online Standard schaffen müssen, mit dem heiminternen Studentenrat und einer Sitzung, ähnlich wie der heutigen, hätte alles viel früher ausgeräumt werden können, legte mir Dr. Sieber nah. Doch keiner war über diese Möglichkeiten informiert worden, den Heimvertretern (auch jenen die hier mit mir mit waren und schon lange eine Vertretungsfunktion im Heim wahrnehmen) war sie unbekannt, das Prozedere nirgends niedergeschrieben.
Stand By Your Fridge
Fast etwas kleinlaut gab mir der WIST-Vorstand in meiner juridischen Begründung recht. Er, der ausgebildete Rechtsanwalt, hatte eine rechtswidrige Nichtverlängerung abgenickt. Warum, weiß ich bis heute nicht, doch habe ich diese Frage auch nicht gestellt. Die Antwort darauf ist letztlich unbedeutend. Einwandslos wurde mir schließlich ein Vertrag für das kommende Studienjahr zugesichert. Einwandslos, aber mit dem fast großväterlich anmutenden Versuches, mir einen moralischen Hinweis zu geben. Nicht gar so druckvoll hätte ich operieren müssen, damit könnte man schnell an die Wand fahren. Dieser nett gemeinte Rat war nicht nötig. Hätte ich eine andere Möglichkeit gesehen, hätte ich sie genutzt. Doch wer nicht kommuniziert muss damit rechnen, dass manch einer sich Wege sucht, die Kommunikation zu erzwingen. Da nützt es auch nichts, die Nachrichtslücken permanent auf die unrühmlich agierenden, noch amtierenden Studentenvertreter abzuwälzen.
Eines hat das abendliche Meeting im zu meinem Heim vergleichsweise luxuriös anmutenden Haus Humboldt noch ergeben. Meine Campingkühlobx, durch ein trashiges Gesangsvideo zu einem kleinen Widerstandssymbol geworden, bleibt. Weil es keine Handhabe dagegen gibt und weil man eingesehen hat, dass ein warmer Kühlschrank einfach keine Alternative ist. “Stand By Your Fridge” ist ein Erfolg.
Otto Sieber ist kein böser Mensch. Aber er, der selbst zu Recht bekrittelt man müsse Solidarität unter den Studenten mit der Lupe suchen, ist längst nicht mehr im Bilde. Dass ihn trotz all des Trubels rund um die Internetpetition und meine Nichtverlängerung nur eine ungefähre Schilderung vom Anruf einer “Wiener Zeitung” erreicht hat, spricht Bände. Es ist wohl Zeit für seinen schon lange angekündigten Nachfolger, das Ruder zu übernehmen. Ob er, der mir nicht wesentlich jünger als Sieber selbst erscheint, für mehr Austausch sorgen und das Kühlungsproblem beheben kann, wird sich zeigen.





Nun ja, es scheint so, als könne man dich beglückwünschen, was ich hiermit tue ;)
schade, ich hätte auf den gang vors gericht gehofft, hätte der ganzen story mehr pep gegeben. so ists nur ein ziemlich fades happy-end… ;-)
merci beaucoup
schön für dich, dass du im Heim bleiben kannst. Gratulation!
Wünsche dir, dass die Verbesserungen anhalten.