Okay, es reicht mir hinlänglich. Eigentlich nicht erst seit jetzt, sondern schon seit Monaten, aber nun ganz besonders. Wie lange soll das noch so gehen? Wie oft müssen ich und meine ebenso geplagten Mitbürger noch mitansehen, wie sich zwei zu einer Regierung verabredeten Partei wahlweise selbst oder gegenseitig in die Scheisse reiten? Wann verschwindet dieses martialische Wechselspielen aus Blockieren, Umfallen und neuerdings auch einem Canossagang vors tiefste Boulevard von der Bildfläche?
Das derzeitige Gehabe der SPÖ ist armselig und durchschaubar. Armselig auch eben, weil es so durchschaubar ist. Schlimmer noch, dass es womöglich auch noch einen positiven Effekt für sie bringen könnte. Wie ich heute lesen durfte, versucht sich SP-Klubchef Cap am öffentlichen Beschwichtigen des Koalitionspartners. Ein Referendum würde es ja eh nur mit der ÖVP geben, weils dafür eine Mehrheit braucht und man sich ja nicht gegenseitig überstimmen will.
“Schwarzer Peter” heißt das passende Kartenspiel dazu. Für den Fall einer Abänderung des Lissabonvertrags schickt Rot die ÖVP so in die Zwickmühle, wenn sie ihrerseits nur sagen “also wir wären ja für eine Abstimmung in Österreich”. Was bekanntlich der Position von Plassnik und Co widerspricht. Erklärungsnöte haben sie jetzt schon, denn was entgegnet man schon jemandem, der sich mit einem mächtigen und 100% populistischen (dafür ca. 0% sachlichen) Hetzblatt verbündet und damit auf einmal eine Position einnimmt, die höchstwahrscheinlich mehrheitsfähig ist.
Was bleibt ist die Offensive. Recht mutig stellt sich Plassnik in einem offenen Brief der Krone entgegen. Ob das politisch gesehen klug war, wird sich weisen – doch dafür bedarf es wahrscheinlich einer Diskussion über Medienkonzentration, die an dem Großteil der wahlberechtigten Bevölkerung wohl vorbeigehen wird. Dass man diese Regierung im Sinne des Landes dringend durch Neuwahlen erlösen muss, ist nichts neues, wird aber eindrucksvoll und zum wiederholten Male bewiesen, wenn die Strategie von Faymann und Gusenbauer aufgeht. Die Strategie, die Gusi vom Volkskanzler zum Fettnäpfchenkanzler und nunmehr zum Kronekanzler unter Dichand gemacht hat.
Sollten die kommenden Umfragen der SPÖ einen Aufwärtstrend prognostizieren, dann ist höchste Sorge um den politischen Diskurs in Österreich angebracht. Wenn man sich nach monatelangem Opportunismus so aus der Schlinge ziehen kann, dann ist nicht nur der Partei, sondern auch dem Wahlvolk nur noch sehr schwer zu helfen.
photo credit: geishaboy500






mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, dass es der spö hilft. dazu hätte nämlich eines vorhanden müssen, was bei der spö in den letzten jahren allzu selten der fall war: eine einheitliche linie quer durch die partei, die von allen maßgeblichen kräften getragen wird.
aber bei dem kommunikationschaos, das bei den roten gerade herrscht, hätten sie die rettung der welt verkünden können und es hätte ihnen nichts gebracht …
somit bin ich zumindest ein bissl optimistisch: so blöd, wie die spö glaubt, sind die menschen doch noch nicht.
Heute hat ein Hr. Cap von der SPÖ den Schwenk der SPÖ bei der EU-Politik schon wieder ein bisschen revidiert. Nun heißt es, die SPÖ möchte den Regierungspartner davon überzeugen…
Ist das schon wieder das erste Anzeichen einer Kehrtwendung. Von Gusi und co wäre das wenig neues. Und die Peinlichkeit der SPÖ-Performance lässt sich ohnehin fast nicht mehr überbieten.
Ich bin auch gespannt, wie sich die Umfragezahlen erinnern. Die mir letzte vorliegende Umfrage zeigt, dass die SPÖ noch mehr Schaden genommen hat und nur mehr bei 28 % der Stimmen liegt und sich schon fast mit einer Strache FPÖ um Platz 2 matchen muss… Gerade das finde ich erschreckend.
Ich finde die Schärfe des Artikels berechtigt, kann auch die in ihm geäußerte Enttäuschung nachvollziehen, aber ist der Ruf nach Neuwahlen nicht verfehlt?
sicherlich, vieles mag in anbetracht dieses schauspiels “sinnvoller” erscheinen, aber was sind die alternativen? strache und co?
Selbst wenn es tatsächlich in eine Rot-Blaue oder Schwarz-Blaue (o.ä.) Lösung münden würde: Ich wäre überzeugt, dass diese instabil und nur von kurzer Dauer wäre, und ggf. zu einer Regierung mit grüner Beteiligung führen würde – mit der letzten sachlich wirklich wählbaren Partei zusammenzuarbeiten kann keiner der zwei Großparteien schaden (und die andere könnte derweil in Opposition ein bisschen zur Räson kommen).
Ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht, was das Ergebnis von Neuwahlen wäre und ob eine Regierungsbeteiligung der FPÖ zu einem Erstarken der Oppositionskräfte (sei es VP, SP oder Die Grünen) führen würde?
http://oliverritter.wordpress.com/2008/07/04/schwarz-blau-um-spo-und-grune-zu-starken/