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Haider vs. Strache: Über Kopiermaschinen und das Rückgrat

dem bones

Da saßen sie also heute im ORF Studio: Einstiger FPÖ-Altmeister und Kärntner Langzeit-Parteiobmann Jörg Haider und sein Nachfolger an der blauen Spitze: Heinz-Christian Strache. Das erwartete Grauslichkeitswettringen um die Stimmen des “dritten Lagers” verlief erstaunlich harmlos. Erst die letzte Viertelstunde wurde vom Dauerbrennerthema beider, Ausländern, dominiert.

Die Teuerung dominierte die Diskussion der beiden Sekttrinker zu Beginn, und bald zeichnete sich für Haider ein Muster ab. Nahezu immer verwies er auf irgendwelche Maßnahmen, die er in Kärnten bereits ergriffen hätte. Das begann nicht erst beim dortigen “Teuerungsausgleich” (der als blanke Kopie des Gusi-Hunderters diesen Namen nicht verdient) und endete bei der Beschäftigungsstatistik, die Kärnten laut Haider auf Rang 4 in Österreich und auch als Vorbild für Österreich sah. Ob der vierte von neun Plätzen, und damit “Durchschnitt” dafür taugt, sei dahingestellt.

Strache zeigte sich recht aggressiv und hielt Haiders Landeshauptmann-Bonus beständig das “Verräter-Image” unter die Nase. Erst später wurde er sachlich angriffiger (obwohl er generell aggressiver auftrat, während der gebürtige Oberösterreicher Haider ein wenig den Lehrmeister raushängen ließ), konterte mit Statistiken und vermied allzu riskante Aussagen. Dazwischen schwelte immer wieder der Originalitätsstreit auf, wer denn welche Idee zuerst gehabt hätte, der keinen Sieger hervorbrachte. Haider bezeichnete seinen Kontrahenten bzw. die FPÖ hierbei des Öfteren als “Kopiermaschine”.

Ähnlich fällt auch mein Gesamtfazit aus. Haider konnte gegebenenfalls immer auf seine Arbeit in Kärnten verweisen (wie etwa die Abschiebung unschuldiger Asylwerber), nutzte dieses aber etwas zu häufig, was in den Bundesländern vermutlich schlecht ankam. Strache konnte dafür kaum eigene Individualität in Sachthemen ausarbeiten und holte aus seinem herben Diskussionsstil zuwenig raus. Allerdings gelang ihm mit der Übergabe eines Plastikrückgrats an Haider ein amüsanter Schlusspunkt.

Ich sage: UNENTSCHIEDEN, was sagt ihr? Postet einen Kommentar!

Eine Umfrage zur Konfrontation Haider-Strache gibt es auf ZurPolitik.com.

Creative Commons Licensephoto credit: jurvetson

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8 Kommentare

  • Am 23. August 2008 sagte nonanet:

    naja, was passiert, wenn ein klon seinem kloner begegnet? beide schauen in den spiegel! ergo: eine spiegelfechterei – oder?
    nach rene girard kann das tödlich enden. die beiden schaukeln sich gegenseitig auf, weil jeder – was ja offensichtlich war – nur mehr sich selber und kaum etwas außerhalb seiner selbst sieht. Aber das thema, das problem, die sache, das objekt, die aufgabe – das alles, wie immer es heißt, ist ein drittes und als solches außerhalb – sprich: um was es geht, wenn wir es politik nennen wollen zum beispiel, geht in einem solchen spiel defintiv zu grunde. hoffentlich merken’s die wähler/innen?
    den kommentar von herrn pichler finde ich sehr oberflächlich; er zeichnet nur mit seinen worten nach, was sowieso jeder gesehen hat. Fällt für mich unter die kategorie rätselraten und nebelstochern – das kann der herr prof. filzmeier der sache nach besser (wenn auch nicht viel tiefgehender) und frau karmasin (die jüngere?)gibt sich mühe, die eloquenz des politologen zu erreichen, was schwer ist. Aussagekräftig in der Sache ist weder das eine, noch das andere, finde ich!

  • Am 23. August 2008 sagte Georg Pichler:

    Najo, zum einen tu ich mir schwer, dieses Duell aus dem Gesichtspunkt eines potentiellen FPÖ/BZÖ-Wählers zu verfolgen. Grundsätzlich fand ich Strache und Haider aber im Stil gar nicht so ähnlich, jedenfalls nicht heute. Das Strache sich am Haider von anno dazumal orientiert hat, das mag durchaus sein.

    Mehr als ein kurzer Kommentar mit meiner persönlichen Einschätzung sollte es hier auch nicht sein, und aus bereits genanntem Grund kann ich die Auswirkungen des einen oder anderen Diskussionsabschnitts maximal schätzen, aber nicht vorhersagen – das wäre anmaßend. Ich denke aber, bei Faymann – Van der Bellen kann ich vielleicht mehr in die Tiefe gehen, mal sehn ;)

  • Am 23. August 2008 sagte andrea schmidt:

    als amüsanten schlusspunkt empfand ich das überreichen des rückgrades nicht, sondern nurmehr peinlich. beeindruckend immerhin, denn ich hatte das ganze, von persönlichen animositöten durchsetzte gespräch für an peinlichkeit nicht mehr zu überbieten gehalten!

  • Am 24. August 2008 sagte Philipp Heimberger:

    Augenscheinlich wurde in der Konfrontation vor allem, wie Haider bzw. Strache gedenken, dem jeweils anderen Wählerstimmen abspenstig zu machen:
    http://wahlen2008.blogspot.com/2008/08/strache-vs-haider.html

  • Am 24. August 2008 sagte weltbeobachterin:

    ja, harmloser als erwartet…
    mich wundert, dass das Ausländerthema erst spät zum Thema kam.
    mein Eindruck hier
    http://weltbeobachterin.blog.de/2008/08/24/original-kopie-frage-4631371

  • Am 24. August 2008 sagte SaschaP:

    @Georg: Der Vergleich mit Filzmaier hat dich mal wieder getroffen, wie ich merke (kleiner Insider :D)

    Also ich hab das “Duell der Duelle” verpasst und habe anscheinend nichts verpasst. Gut zu wissen.

    Allerdings: Ein wenig Tiefgang hätte ich dennoch gesehen ;) Das sollte man doch als PoWi-Student gelernt haben.

    Die Frage, die ich bisher NICHT herausfinden konnte aus deinem Artikel, ist die: Wer ist denn nun wessen Klon? Der Strache oder der Haider?

    Meine persönliche Analyse ist dabei am Ende: So wie Faymann trotz aller Kronen-Hörigkeit es nicht schaffen wird, viele Strache-Wähler abzuwerben, so wird es auch Haider nicht schaffen, soviel habe ich aus Gesprächen mit dem dritten Lager nahestehenden BürgerInnen bereits herausgefunden.

  • Am 25. August 2008 sagte Georg Pichler:

    Wenn ich Zeit hab mach ich auch gern Beiträge mit mehr Tiefgang (wobei ich oft noch nicht die Kurve zwischen Tiefgang und überlangen Texten kratze, whatever). Allerdings stand an dem Abend auch noch eine Wii-Session (siehe Pop!-Review auf rebell.at) und das eine und andere Bierchen an ;)

    Und wer wessen Klon ist, interessiert mich persönlich überhaupt nicht. Das ist auch vielen dritte-Lager-Wählern relativ gleich, weil mit Haider ins BZÖ mitgegangen sind eh nur die Kärntner. Die anderen sind traditionsmäßig bei der FPÖ geblieben und werden das zum allergrößten Teil auch weiter bleiben. Was FPÖ und BZÖ dazugewinnen werden (höchstwahrscheinlich) wird en gros von Rot und Schwarz kommen und nicht vom jeweils anderen.

    Insofern ist der “Klonkrieg” sowohl inhaltlich (weils da kaum Unterschiede gibt) wie von der Wählerstromrelevanz ziemlich unbedeutend.

  • Am 25. August 2008 sagte SaschaP:

    Interessant fand ich ja die Bewertung vom Standard, dort kam Haider um Längen besser weg als H.C.

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