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Der falsche Münte und die richtige Ypsilanti

Andrea zu Gast in Meerholz

Politik und Macht bedingen einander, könnten ohneeinander schlechterdings nicht funktionieren, wiewohl nicht leben. Einer der großen Doyens der Soziologie, Max Weber, hat das in „Politik als Beruf“ gleichwohl aphoristisch wie folgt definiert: „Wer Politik treibt, erstrebt Macht“. Dies lässt erahnen, dass in den Sphären der hiesigen Politik mitunter auch mit harten Bandagen gekämpft wird. Das Ende eines Kurt Becks, Putsch hin, Putsch her, war ein Zeugnis für derlei Machtkabalen auf politischer Ebene.

Macht ist eine Prämisse zur Ausübung der Politik, zugleich aber auch eine Errungenschaft derselben. Verantwortungsgefühl, Leidenschaft, Respekt, Loyalität, alles Dinge, die unablässig zur Ausübung der Politik sind; es ist eben nicht nur der nackte Opportunismus, das geschickte und trickreiche Machtspiel à la Machiavelli, sondern eben auch ein Zusammenspiel von mancherlei bewährten Primär- und Sekundärtugenden.

Was Politik aber eben auch bedeutet, verdeutlicht eine dieser Tage auf YouTube veröffentlichte Ton-Aufnahme. Es handelt sich dabei um ein Gespräch zwischen dem neuen (alten) Parteivorsitzenden der SPD, Franz Müntefering und der Landesvorsitzenden der hessischen Sozialdemokraten, Andrea Ypsilanti. Ein Frankfurter Radiosender erlaubte sich dabei einen vordergründig harmlosen Spaß: Der falsche Müntefering, also ein Stimmenimitator, plaudert dabei über die Differenzen, die es zwischen ihm und Ypsilanti gebe und versucht Ypsilanti aus Hessen abzuberufen („Wir brauchen starke Frauen in Berlin!“). Interessant ist neben leicht anklingenden Unterwürfigkeit der Y., aber auch der Parteijargon, der Politsprech, den die beiden benutzen. Die Linken versuche man genauestens zu nageln und die JUSOS (die Jugendorganisation der SPD), machten gar Ärger, so die machtbewusste Hessin.

Man mag die Tonaufnahme, deren Veröffentlichung der Kreis um Ypsilanti eiligst zu verhindern versuchte, die aber auf ominöse Weise dennoch im Netz gelandet ist, zunächst für nicht all zu aufschlussreich halten. Sie ist aber ein Offenbarungseid hinsichtlich der Charakterzüge eines Münteferings und einer Ypsilanti. Macht und Politik sind zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille. Schön ist das wahrlich nicht immer. Kurt Beck könnte einem fast schon leid tun.

Zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=dbMn9mEstPU

Creative Commons License photo credit: Heinz Lotz

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5 Kommentare

  • Am 16. September 2008 sagte kritikus.at:

    >>…Offenbarungseid hinsichtlich der Charakterzüge eines Münteferings und einer Ypsilanti…<<

    Irgendwie verstehe ich das jetzt nicht so richtig. Es kann sich ja wohl nur um einen Offenbarungseid der Charakterzüge von Ypsi handeln, denn der Münte war ja ein anderer… ;)

  • Am 16. September 2008 sagte Gordian Ezazi:

    Na ja, auch von Müntefering, indirekt, dem ja der Putsch angelastet wird.
    Es offenbart sich insoweit sein Wesen, als dass Ypsilantis Stimme ja fast zittert und sie arg servil daherkommt.

    Das zeigt ja, wie Müntis Einfluss in der Partei zu deuten war und ist.
    Das war damit gemeint.

    gruß
    gordi

  • Am 17. September 2008 sagte kritikus.at:

    Der Müntes “Putsch” dürfte letztlich aber doch demokratisch verlaufen sein :)

    Wenn man die Sache aber auf Österreich umlegt, hat ja bei unserer S-Partei auch ein “Putsch” stattgefunden. Ich glaube da wäre nichts anders, denn wenn ein falscher Faymann plötzlich irgendeinen Landesfunktionär (womöglich noch einen gusenbauerfreundlichen) anrufen würde, würde dessen Stimme wahrscheinlich auch zittern. Für alle Landesfunktionäre gilt das natürlich nicht und einen Franz Voves könnte man mit so einem Schmäh nicht packen, denn bei den wird sich Werner Faymann ohnehin nicht so mir nichts dir nichts anrufen trauen… :)

  • Am 17. September 2008 sagte Gordian Ezazi:

    Ich bin auch kein Fan dieser Terminologie, sie mutet mitunter etwas zu militaristisch an; doch wenn man sich den Tenor der seriösen Zeitungen so anschaut, kommt man um das Wort nicht drumherum ;-)

    Ja, Österreich, Faymann ist ja auch so eine Sache… manchmal glaube ich, dass die Sozialdemokraten in Deutschland da noch wahrlich komfortable “Probleme” haben.

  • Am 17. September 2008 sagte SaschaP:

    Also ich weiss ja nicht, was du hast, Gordi, aber dass die Ypsilanti sogar in einem PERSÖNLICHEN Gespräch mit einem vermeintlichen Müntefering darauf beharrt, dass sie in Hessen weitermachen muss, um nicht am Ende von den Wählern einen reingewürgt zu kriegen, und dass gegen die Meinung des vermeintlichen Parteichefs, zeigt in meinen Augen relativ wenig Unterwürfigkeit. Es zeigt eher, dass sie sich auf gleicher Stufe mit Müntefering fühlt.

    Und wo ist da ein Offenbarungseid bezüglich eines Müntefering (der nicht mal er selbst war) und einer Ypsilanti (die doch nur genau das gesagt hat, was schon alle wissen, nämlich dass sie um alle Mittel Koch stürzen will, legitim als Mehrheits-Opposition)?

    Und sorry, da mag parteiintern in der SPD viel in letzter Zeit abgelaufen sein, die Flügel sich bekämpft haben usw. Aber dass Franz Müntefering so schnell wieder Parteichef wurde, war doch eher zur Befriedigung des rechten Flügels gedacht, frei nach der Methode: Die SPD-Hessen darf mit den Linken zusammen sein, dafür kriegt ihr euren Münte wieder. Von “Putsch” redet doch nur Beck, der wahrscheinlich dachte, ewig als Landes”hauptmann” die Bundespartei führen zu können, gegen die Strippenzieher im Willy-Brandt-Haus.

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