
Am 24. September könnte ein Symbol der ÖVP-Bildungspolitik endgültig fallen, jedenfalls sieht es gut dafür aus. Sieben Jahre nach ihrer Einführung steht ein Ende Studiengebühren in Aussicht, jedenfalls in ihrer jetzigen Form. ÖVP und ihr nahe Organisationen verbreiten Weltuntergangsstimmung und prophezeihen die Apokalypse für die Universitäten. Im selben Atemzug betonen sie die positiven Eigenschaften der Gebühren und werfen mit mit der Behauptung um sich, die Studierendenzahlen würden “stark steigen”, (etwa hier, hier, oder hier). Was aber nicht stimmt.
Was ich am Rande erwähnen will, obwohl es für die Statistik ohne Belang ist: Es wird oft von höherer Prüfungsquote und schneller abgeschlossenen Studien (durch finanziellen Druck…) gesprochen, obwohl derlei Zahlen für die Qualität des Studiums völlig irrelevant sind.
Die Behauptung der stark steigenden Zahlen hat nichts mit den Gebühren zu tun. Es wurden etwa diverse Akademien, wie zB. die einstigen PädAks in Hochschulen umgewandelt, sodass deren Besucher nun als Studenten gerechnet werden. Dass es dann in der Gesamtstatistik einen sprunghaften Anstieg gibt.
Ernüchternd fällt das Resümee aus, wenn man sich nur die Zahlen der öffentlichen Unis ansieht:
Studienjahr: Studierende / davon Inländer / Inländer anteilig
2000/01: 227.302 / 197.271 / 86.79% (dann Einführung Studigebühren)
2001/02: 182.805 / 155.524 / 85.01%
2007/08: 217.587 / 173.916 / 79.93%
Mit der Einführung der Studiengebühren ist die Anzahl der Studierenden schlagartig um ca. 16.6% gesunken, in absoluten Zahlen um 44.497 Studenten, die Quote der inländischen Studenten blieb annähernd gleich. Heute, 7 Jahre danach, ist die Gesamtzahl der Studierenden immer noch gut 3,7% (9.715 absolut) unter dem alten Stand. Die Inländerquote ist derweil auf unter 80% gesunken. Letztes Jahr studierten immer noch 23.355 Österreicher weniger an öffentlichen Unis als noch 2000.
Folglich leiteten die Studiengebühren einen Prozess sozialer Selektion und “Elitisierung” einzelner Unis ein (siehe etwa in diesem Text) , währenddessen sie keine Hürde für den oft zitierten “Ansturm” ausländischer Studenten darstellten.
Keine gute Basis für eine höhere Quote an Absolventen, wenn sie zudem von einem qualitativen Studium profitieren sollen, anstatt von Gebühren durch die Mindestzeit getrieben zu werden. Gut Ding braucht Weile, das gilt auch in der Bildung – es macht einen Unterschied ob man sich ausführlicher mit etwas befassen kann, oder stupide auswendig lernen muss.
Die geplante Quasi-Abschaffung ist daher ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wenn auch noch nicht das Optimalziel.
Photo Credit: Ausschnitt von oevp.at





bravo! bester beitrag seit langem.
Sehr viel heißer Luft und Fehlinformation mit Sachlichkeit und genauer Recherche begegnet – sowas würde ich mir auch einmal in den “konventionellen” Medien wünschen. Danke für diesen Beitrag.
Die Senkung der Studentenzahlen ist ja nicht das Problem, sofern nur Scheinstudenten rausfallen. Wichtiger ist ja, wieviele Menschen zu studieren anfangen und vor allem, wie viele davon einen Abschluß machen. Du hast schon recht: Ich versteh auch nicht, warum man auf höhere Studentenzahlen als Erfolg verweisen will. Die Absolventenzahlen sind entscheidend. Ich versteh ehrlich auch die klare ideologische Trennlinie in dieser Frage nicht, die in Österreich besteht. In anderen Ländern- mir fällt auf Anhieb einmal Niedersachsen ein – haben Mitte-Links-Parteien Studiengebühren eingeführt, um auf sozial gerechte Weise Geld für die Unis hereinzubekommen, und dort haben dann die Mitte-Rechts-Parteien Zeter und Mordio geschrieen. Geb ich nur zu Bedenken.
[...] Studiengebühren führten zu einem Rückgang österreichischer Studenten, auch wenn das mit statistischen Tricks versteckt wurde. Das ist eine Katastrophe für ein Land das bei der Akademikerquote im OECD-Vergleich eh [...]
[...] zu interessieren. Bildung als Wirtschaftsgut und Elitisierung sind das Motto, das gekonnt in diversen Lügen verpackt wird. Verdammt, bin ich [...]