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Die Wehrsport-Sache mit "Bäng Bäng-Strache"

Es ist ein lustiger Zufall, dass die rechte Hälfte der Doppelseite, auf der uns “News-Aufdecker” Kurt Kuch die neuesten Strachefotos präsentiert, Werbung des Mobilfunkers “Orange” ist. Farblich passt es wie die Faust aufs Auge, denn man darf vermuten, dass Neo-BZÖler Ewald Stadler erneut in seiner Mottenkiste gekramt hat. Schon die ersten Fotos, denen ein großer Medienrummel und Straches halbherzige Schilderung einer Paintball-Partie folgte, sollen aus seiner Hand ans Licht der Öffentlichkeit gekommen sein.

Der wesentliche Unterschied besteht nun darin, dass neben den neuen Bildern die alten nun auch vollständig sind. Wo einst nur das Konterfei des FPÖ-Chefs prangte, findet sich nun ein Häufchen militantesk aussehender Männer, die mit ausgesprochen echt aussehenden Schießprügeln herumhantieren. Sofern man nicht analog zum Magazin-Roulette von “Russischem Gotcha” sprechen kann, handelt es sich somit um einen (weiteren) Beleg für Straches rechtsextreme Vergangenheit. Das mag den harten Kern der FPÖ-Wähler nicht abschrecken, eher vielleicht sogar ansprechen, könnte Wechselwähler aber gehörig abschrecken.

Und freuen dürfen sich alle darüber, natürlich mit Ausnahme der Blauen, die stark von Proteststimmen leben (nicht umsonst schwankten sie innerhalb weniger Jahre zwischen 27 und 10 Prozent). Umso mehr, weil News das gesamte Material bestimmt nicht in einer Ausgabe verheizt. Für die Grünen kommt es gelegen, da es die eher schlecht ankommende Aufnahme von Balluch auf ihre Liste aus den Medien drängt und Wähler mobilisiert. Die SPÖ darf sich die Hände reiben und auf die Rückkehr einiger, bisher zur FP tendierenden Wechselwähler hoffen. Auch das BZÖ dürfte aufgrund dieses Skandals beim Erzrivalen erstarken. Selbst die ÖVP, die im wichtigsten FP-Thema “Ausländer” mittlerweile eine deutlich rechtslastige Haltung vertritt kann die Blauen ein Stück glaubwürdiger als “rechte Hetzer” titulieren und sich selbst deutlicher abgrenzen. Ich würde nicht ausschließen, dass der scheinbar entschiedene Kampf um Platz 3 im Wahlkampffinish wieder zum offenen Rennen werden könnte.

Interessant ist auch Andreas Reichhardt, der unter Faymann im Infrastrukturministerium als Leiter der Sektion für Innovation und Telekommunikation arbeitet. Auch ihn sieht man, so News, auf den Fotos. Doch bei all den vermehrten Indizien für fortschreitende Annäherung von SPÖ und FPÖ würde ich ihn – auch wenn seine Vergangenheit damit ins Zwielicht rückt – nicht als weiteres Indiz betrachten. Reichhardt hat dieses Amt unter der Regierung Schüssel angetreten. Der ehemalige FPÖ-Bezirksrat dürfte mittlerweile dem BZÖ zuzurechnen sein, wurde er doch von Faymanns Vorgänger Gorbach (da schon lange im BZÖ), dessen Kabinettschef er gewesen war, kurz vor dessen Abtritt als Vorstandsmitglied der bundeseigenen AustriaTech installiert. Freilich steht auf einem anderen Papier, warum er unter dem heutigen SP-Spitzenkandidaten seinen Posten behalten konnte.

Werner Faymann, der “Aalglatte”, wird es vermutlich schaffen, zu den neuen Anschuldigungen gegenüber Strache den Überraschten zu miemen. Die politische Sozialisierung des blauen Primus spielt leider nur dann die verdient negative Rolle, wenn Material auftaucht, dass das offene Geheimnis weiter zur Tatsache macht. Neue Bilder der Wehrsportübungen bringen Strache in die Bredouille. “Drei Biere” und Kornblumen vermochten dies nicht.

Photo Credit: Ausschnitte aus dem News.at-Video

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13 Kommentare

  • Am 10. September 2008 sagte Pauli:

    Stimmt. Mich schreckt das nicht ab, wenn Strache eine solche Vergangenheit hatte. Welchen Christen schreckte etwa die Vergangenheit eines anderen Menschen ab???

  • Am 10. September 2008 sagte irgendwer:

    könnte Wechselwähler aber gehörig abschrecken.

    Dann funktioniert es doch. Die soll es ja wahscheinlich auch abschrecken.

    Mehr zu zunehmenden Salonfähigkeit der FPÖ, und der verheerenden wiebeängstigenden Auswirkung auf meine Cognacbestände erfähren Sie, wenn Sie auf meinen Nick klicken.

  • Am 10. September 2008 sagte Georg Pichler:

    Wer eine Ideologie unterstützt die letztlich zig Millionen Menschen das Leben gekostet hat, und sich bis heute nicht davon distanziert hat (!!!), schreckt dich “als Christen” nicht ab?

    Tut mir leid. In dem Fall kann ich selbst dein persönliches Glaubensbekenntnis nicht ernst nehmen. Entweder hast du Prinzipien die viel, aber nicht christlich sind, oder bist einfach nur “scheinheilig”.

  • Am 15. September 2008 sagte hihihi:

    @ georg

    zig millionen menschen hat auch der kommunismus auf dem gewissen (94.000.000)

  • Am 15. September 2008 sagte Georg Pichler:

    Der war der Stalinismus, was eine totalitäre Form des Kommunismus darstellt.
    Im Übrigen macht ein Verbrechen das andere nicht wett – wo kämen wir denn da hin.

  • Am 24. November 2008 sagte quit pro quo:

    und nicht zu vergessen, die israelis, die so viele palästinenser ermordet haben… also die opferrolle sind die juden nun endggültig los! so schauts aus! hoffe, die juden müssen an palästina auch jahrelang reparationszahlungen leisten?

  • Am 24. November 2008 sagte Georg Pichler:

    siehe oberer Kommentar, die Israelis haben jetzt mit Wehrsportstrache genau nix zu tun.
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    Davon abgesehen gibts auch Palästinenser die Israelis ermorden – und der Konflikt dort unten existiert noch immer (wird sich so schnell leider nicht ändern). Schuldig sind beide, über die Schwere, Reparationszahlungen/Wiederaufbauprojekte oder was weiß ich wird man wohl erst dann sprechen können, seriöserweise.

  • Am 25. November 2008 sagte österreichspatriot no.1:

    georg, diesen aspekt hast du indirekt mit deinem posting vom 10.sept.2008 um 22:36 angeschnitten! aber mal realistisch gesehen: was haben WIR ÖSTERREICHER mit konflikten in anderen ländern zu tun? haben wir keine anderen probleme? fakt ist, daß wir noch immer unnötig reparationen an ein land zahlen, wo wahrscheinlich die jenigen, die es echt bedürften, nicht mehr leben! und vergiss bitte auch nicht, die konflikte zwischen kurden und türken, ebenso die konflikte zwischen tschetschenen und russen und sonstiger anderer staatsangehöriger auf unserem hoheitsgebiet!!! warum machen die das nicht in ihren eigenen ländern? müssen sie damit uns am nerv gehn damit??? und wir zahlen bei jedem konflikt drauf!

  • Am 25. November 2008 sagte österreichspatriot no.1:

    noch etwas: warum stört dich und die anderen grünen eigentlich schon längst vergangene gotchaspiele eines politikers? sollen wir mal anfangen über die radikalen aktionen der grünen aufzuzählen (die jetzt auch noch immer stattfinden)? so mit sprengstoff oder stöhrung demokratischer veranstaltungen, molotow-coctails usw.??? werd ma schaun, wer mehr dreck am stecken hat!!!

  • Am 25. November 2008 sagte Georg Pichler:

    Ich vergess auch nicht die Konflikte zwischen Österreichern auf unserem Hoheitsgebiet, die gehn mir genauso auf den Nerv und wir zahlen dafür drauf. Genauso wie der Rest Österreichs nichts dafür kann, wenn sich etwa ein Tschetschene und ein Russe prügeln, kann der Rest Österreichs auch nichts dafür, wenn sich ein Einheimischer mit einem Einheimischne prügelt.
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    Die sollen, genauso wie Kurden & Türken et. al. ihre Konflikte ruhig austragen, allerdings sollten wir im Sinne der Integration etwas dafür machen, dass sie das auf verbaler Ebene tun. “Diskutieren statt massakrieren”

  • Am 25. November 2008 sagte Georg Pichler:

    Das “Gotchaspielen” an sich stört mich nicht, bloß dass die dazu benutzten Waffen gemäß den Bildern dafür nicht brauchbar waren und verdammt echt aussehen. Viel mehr aber stört mich, dass HC Strache da mit heute bekannten Neonazis durch Wald und Wiese gerobbt ist, justament zu einer Zeit als es unter Rechtsextremen grad “in” war, den Aufstand zu proben. Sind dann doch merkwürdig viel Zufälle.
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    Gegen Gegendemonstrationen hab’ ich nix (steht der FPÖ und anderen frei solche bei Grünen Events zu organisieren. Wichtig ist, dass sie gewaltfrei bleiben, und dass das nicht immer der Fall ist, weiß ich auch. Nur wirst du die Schuld nicht per se den Grünen andrehen können (ich erinner mich gerade daran, wie man im September in der ZIB2 das zerdroschene Gesicht des “Die Linke” Kandidaten in Salzburg gesehen hat, der sich vor dem Müllner Bräu ganz offensichtlich mit FPÖ-Anhängern geschlägert hat). Ich schliße nicht aus, dass fallweise vielleicht Grüne da dabei sein könnten, solche “Ausreißer” gibts leider manchmal. Gewalt ist prinzipiell abzulehnen, egal ob von links oder rechts. Daher ist auch ein Vergleich nach “Dreck am Stecken” grob sinnlos. Dass du geradezu inflationär Rufzeichen anhängst, macht deine implizite Behauptung, die Grünen würden Anschläge mit Molotowcocktails verüben, übrigens nicht wahrer.

  • Am 25. November 2008 sagte österreichspatriot no.1:

    georg, was stört dich an den waffen? das man keine farbkugeltanks darauf sehn konnte? ausserdem wahren das sicher keine “wehrsportübungen”- denn hast du irgendwo verbotene symbole oder parolen auf den fotos gesehen? also ich nicht! finds lustig, daß du auch einen sektionschef, der bei faymann im kabinet sitzt als rechtsradikal ansiehst- denn so einer war damals auch dabei. und warum hat damals 2006 ein bekannter neonazi(gottfried küssel) die zuletzt 2008 verwendenten bilder in umlauf gebracht- wenn strache in solchen kreisen wäre, warum sollte ihm dann einer aus diesen kreisen dann anschwärzen? also für mich passt das alles nicht zusammen… aber an solchen kampagnen sieht man, daß er einigen leuten gefährlich geworden ist- denn solche aktionen macht nur jemand, der angst hat.

  • Am 25. November 2008 sagte Georg Pichler:

    Für Wehrsportübungen (vor allem wenn man Fotos davon macht) muss man nicht mit verbotenen Symbolen rumrennen. So dämlich waren und sind die nicht. Das Reichhardt damals mit von der Partie wahr, ist in der Tat suspekt.
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    Das Küssel die Bilder in Umlauf gebracht haben soll, ist mir eher neu, meines Wissens nach ist das eher Stadler zuzurechnen, und das ergibt auch Sinn. Aber selbst wenn es Küssel gewesen wäre, wäre das nicht unlogisch, denn die rechte Szene ist alles andere als geeint (etwas woran sie schon seit Jahren beständig scheitert).

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