
Dass Obamas Vizewahl auf Joe Biden fallen würde, war schlussendlich keine große Überraschung. Langjähriger Senator, in der Mitte der Partei verankert, ansprechend für die weißen Blue-Collar-Arbeiter in Staaten wie Michigan oder Pennsylvania und ein außenpolitisch versierter Politikfuchs. Er entkräftet die vermeintlichen Schwächen eines US-Präsidenten Barack Obama.
Auf der anderen Seite hat der designierte US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten mit seiner Wahl auch ein wenig von seinem Charme verloren; den Mantel des „Change“ wiederholt beiseite gelegt. Biden ist keine schlechte Wahl, sie zeugt aber weniger von Mut, als vielmehr von der nunmehr aufkeimenden Panik der Obamaschen Wahlcampa. Die Crew rund um seinen Chef-Berater David Axelrod, deren Sieg über die einflussreiche Clinton-Maschinerie in den Primaries noch als Husarenstück gefeiert wurde, weiß nicht so recht wie sie auf den konfrontativen, aggressiven Wahlkampf von John McCain und seinem Team reagieren soll.
Obama als außenpolitisches Leichtgewicht, das auf Hawaii verweilt, während McCain in Nibelungentreue zu den geknechteten Demokraten in Georgien steht („Wir alle sind Georgier“). Obama als Star, in einer Riege mit Britney Spears und Paris Hilton, dem die Massen orgiastisch zujubeln, dem Show mehr als Inhalte gelten.
John McCain, der einer Partei entstammt, die wohlweißlich auf weniger Unterstützung in der Bevölkerung setzen kann als die Demokraten und die das Land in den letzten Jahren in jeglicher Hinsicht nahe an den Abgrund gewirtschaftet hat , steht in allen Wahlumfragen gut da.
Dennoch, auch er begeht mit der Nominierung jungen Gouverneurin Sarah Louise Heath Palin aus Alaska einen Fehler. Mike Huckabee mag, ebenso wie die von Obama sträflicherweise ignorierte Hillary Clinton, eigene Interessen verfolgen, dazumal dem Narzissmus nicht abgeneigt sein, wäre aber gerade beim evangelikanischen Establishment der Mustervize gewesen. Und deren Mobilisierung könnte am Ende den Ausschlag geben. Mutiger wäre es aber auch gewesen auf Bobby Jindal, den aus Indien stammenden Gouverneur aus Louisiana zu setzen, der bereits als neuer Musterkonservativer gefeiert wird. Palin wirkt gewagt, ist aber im Prinzip nur eine Beleidigung für die anvisierte Gruppe der Frauen. Sie plädiert für Schusswaffen, Abtreibung und ist gegen die Homosexuellenehe. Es entkräftet jedoch nicht den Vorwurf, dass McCain zu alt für das weiße Haus sei. Dass ein 72jähriger im Falle einer etwaigen Verhinderung durch eine politisch völlig unerfahrene Provinzgouverneurin (44) ersetzt werden würde, ist kaum mehr logisch zu deuten. Auch ihre für die Parteibasis löblichen Ansichten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass McCains Wahl in dem Sinne taktisch unklug war, als dass Palins familiärer Background nicht auf Ungereimtheiten hin abgeklopft wurde. Dass ihre 17jährige Tochter nun schwanger ist, wird en longue zum Problem
Der Wahlkampf wird härter, er geht in die entscheidende Phase. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb vor einigen Tagen, dass beide Kandidaten durchaus interessante Persönlichkeiten seien; das sind sie, ohne Frage. Ihre Running mates, so irrelevant sie bei der Stimmabgabe für den Citoyen auch sein mögen, spiegeln dies nicht wieder. Sie sind mutlose Kompromisskandidaten, die die Schwäche der beiden Präsidentschaftsanwärter offenbaren.
photo credit: Sienna Morris





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Nicht gut recherchiert!
Die Demokraten hatten bis vor Katrina eine kleine Basis als wie die Republikaner!
Die Stammwählerschaft der Republikaner lag in den letzten 30 Jahren bei mindesten 45%; die der Demokraten dagegen zwischen 37 und 40%!
Nach Katrina scheint die Basis der Demokraten größer geworden zu sein!
Über Palin haben Sie nur sehr schlecht recherchiert! Wo schreiben Sie davon was, dass Palin als fundamentalistische Kreationistin und Öl-Lobbyistin so radikal ist, dass sogar G.W.Bush sie zwei Mal um etwas Mäßigung bat.
Zum Glück hat Palin es nicht durchgesetzt, dass Sex unter “Minderjährigen” oder “vorehelicher Geschlechtsverkehr” unter Haftstrafe gestellt worden ist, denn ansonsten müsste jetzt ihre eigene Tochter die Justiz auf dem Nacken haben!
Hallo Sascha,
“Nicht gut recherchiert!”
Die Quelle ist die Times…
Gruß
Gordi
Auch die Times ist nicht immer die beste Quellen :P (die hat unter anderem noch Hillary-jubelnd geschrieben, als diese schon lange hinter Obama zurücklag.)
Und naja, so blöd es klingt, aber Biden ist wahrscheinlich mehr “Change” als die Palin “konservativ-evangekalisch” ist: Biden gehört wie Gore zur alten Riege von liberalen intellektuellen Demokraten, auch wenn er wie Hillary den Fehler der Zustimmung zum Irakkrieg gemacht hat.
Ich denke nicht, dass Bidens Wahl Obama so stark schädigen wird: Er strahlt nicht so sehr wie Hillary den Charme der “alten Zeiten” aus, ist sehr beliebt bei den Demokraten und gilt auch nicht als reiner Mitläufer.
Palin ist dagegen schon ein Problem: Es ist zwar positiv, dass sie eine recht junge Kraft ist, aber die Kombination: Jung und Konservativ passt irgendwie nicht zusammen. Vor allem scheint sie ja bei ihrem Fragebogen zu ihrer Historie, die sie beantworten musste, gelogen zu haben, eine Sache, die Amerikaner im Wahlkampf nicht verzeihen.
@Sascha Libelius: Wo haben Sie das her, dass Palin vorehelichen Geschlechtsverkehr unter Haftstrafe stellen wollte?
@SaschP: Dass Jung und Konservativ nicht zusammenpasst ist ein typisches Vorurteil von Linken. Genauso ist die Vorstellung, dass konservative Frauen grundsätzlich Heimchen sind ein Vorurteil von Linken.
@Gordian Ezazi
Übrignes ist es nicht wahr, dass Romney bei Evangelikalen ein Mustervize gewesen wäre. Romney ist Mormone und Evangelikale (u.a. Huckabee) hatten Anzeigen geschaltet, dass Romney keinesfalls Vize werden darf. Unter Evangelikalen gilt Mormonentum z.T. als “Cult” (also Sekte).
Die konservative Wählerbasis ist soviel ich weiß ca. 60%. Das Problem, das die Republikaner haben ist, dass viele von denen zuhause bleiben, da die Politik, die von den Republikanern dann in Washington gemacht wird nicht unbedingt konservative Werte hochhält (minimum Government, ausgeglichener Haushalt, usw.). Der einzige Grund, warum McCain nicht total abgeschlagen hinter Obama liegt ist, dass Obama so weit links steht (in den rechten Talkradio-Programmen wird Obama als Marxist bezeichnet – siehe dazu auch meinen Blogeintrag). Viele sehen in McCain einfach das geringere Übel.
Palin ist die ideale Kandidatin, da sie bei den Konservativen zu wahren Begeisterungsstürmen führt. Dass ihre Tochter schwanger ist, wusste McCain vorher (genauso wie über die Verhaftung ihres Ehemanns vor 20 Jahren und die Untersuchung über eine Entlassung eines Polizisten).
McCain dachte einfach nur nicht, dass die Medien darum so einen Aufstand machen. Und es ist in erster Linie die Linke, die plötzlich (angeblich) Probleme damit hat, dass eine Frau mit (kleinen) Kindern Vizepräsidentin wird und darauf rumreitet, dass die Tochter schwangeren und unverheiratet ist.
@Michael: Absolut richtig. Das ist ein Fehler meinerseits. Romney hätte vielmehr, seine Vita als Geschäftsmann im Hinterkopf, den Vorbildvize für den konservativen Wirtschaftsflügel gegeben.
Huckabee für die Evangelikalen.
Absolut richtig; da habe ich mich schlicht verschrieben.
Danke.