
Der Wahlkampf in Österreich wird nicht nur seit Jahren mit immer schärferem Ton geführt, nein, er wird auch immer skurriler. Die Entdeckung des Mediums Internet hat bekanntlich nicht überall in sinnvolle Verwendung gemündet. Absolut planlos in Sachen Web 2.0 zeigen sich beispielsweise FPÖ und BZÖ, sie sind aber immerhin im mp3-Zeitalter angekommen. Derweilen werben “Die Christen” um einen dem Hörensagen nach äußerst mächtigen Mitstreiter und Fritz Dinkhauser ist betont gemütlich unterwegs.
Sängerknaben
Diese Ankunft bescherte uns seit 2006 zuerst einen Strache-Rap (der eine Protestaktion einer Hip-Hop-Community auslöste, deren Ergebnisse definitiv hörbarer waren), dann einen Westi-Song im Format eines Folter-Schlagers. Für Graz und Niederösterreich legten die Orangen dann nach, und produzierten ein unfassbar grottiges Pseudotechno-Lied mit dem Titel “Kein Bock!”. Auch in der laufenden Wahlschlacht wird Musik als Waffe mißbraucht: Ein neuer, auf die StraCHE-Imagekampagne ausgelegter Rap des blauen Obmanns geistert seit geraumer Zeit durchs Netz, es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis sich Jörg Haider himself vors Mikro klemmt. Bierzeltstimmung garantiert? Abwarten. Aber meine Ohren sind ja leidensfähig. (Anmerkung: Die Links klickt ihr alle auf eigene Gefahr…)
Himmlische Familie
Ins Kuriositätenkabinett eingetragen haben sich auch “Die Christen”. Ja genau, das ist jene Partei, die etwa Homosexualität als therapiebedürftige Nervenkrankheit ansieht. Und in ihren Newslettern gebetsmühlenartig um Spenden bittet. Die Partei des Christushardliners Alfons Adam erhofft sich politische Hilfe von ganz oben, veranlasst durch eine 24-Stunden-Gebetskette. In ihrem Programm sind die Erleuchteten in der Moscheenfrage an Sachlichkeit kaum zu überbieten. Wo Strache von Eroberungssymbolen und mangelnder Integration ins Landschaftsbild spricht, argumentieren Die Christen ganz nach Hammurapi gegen den Bau muslimische Gebetsstätten, solange gläubige Christen in islamischen Ländern keine Kirchen aufstellen dürfen. Weil wenn die anderen blöd sind, sind wir das auch. Aber warum die anderen früher gescheiter werden müssen, das sollten sie wohl noch erklären.
Nachtrag: Hier gibts noch ein ausführliches und gut geführtes Interview mit Alfons Adam.
Der neue Dinki
ÖVP-Rebell Dinkhauser scheint auch nicht ganz im Zeitplan zu sein. Das Cover des aktuellen “profil” zeigt die Partei-Spitzenkandidaten samt der Summe die ihre Wahlversprechen kosten sollen. Bloß “Dinki” weilt im Hintergrund und wird mit “rechnet noch” betitelt. Bis zum 28. ist ja noch Zeit, oder so. Die Seite fritz-dinkhauser.at bringt unter “Kontakte” das Statement “das bürgerforum österreich – liste fritz dinkhauser (kurzbezeichung: FRITZ) wird zur zeit aufgebaut.” und verweist auf die neue Website listefritz.at. Man mag an dieser Stelle hoffen, dass sich Dinkhausers Interpretation des Wortes “neu” anhand genannter Homepage nicht auf seine Politik ableiten lässt. Der neue Auftritt sieht nämlich genau gleich aus wie der alte.
Photo Credit: Ausschnitt aus YouTube-Parodievideo zu “Wir halten z’amm” / BZÖ





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