
Al Strüche hat Recht. Nicht nur damit, dass er FPÖ-Wahlplakate schon seit 2006 durch den Kakao zieht, sondern ganz speziell auch mit der Aussage dieses einen Sujets. Kebab, das ist dieses leckere (Fladen-)Brot, mit Dönerfleisch, Salat, Tomaten, Joghurtsauce etc., das ich mir ab und an gern gönne. Und ganz alleine scheine ich mit diesem Geschmack nicht zu sein, denn beinahe überall im Lande findet man einen nahegelegenen Stand der diese und noch andere orientalische Köstlichkeiten verkauft. Diese “Institutionen” stehen gleichzeitig als Symbol für Integration und “positives Multikulti”, und zwar aus folgenden Gründen:
- Der Döner Kebab im Brot, so wie wir ihn kennen, fand mit größter Wahrscheinlichkeit seinen Ursprung in Berlin (beste Grüße an Pezi Köstinger, die grade dort ist), von wo er auch seinen Siegeszug durch Europa antrat. Eine erfolgreiche, türkische Erfindung also, die in Deutschland geboren wurde und dem ganzen Kontinent mundet.
- Beim Essen kommen die Leute zusammen. Zwar ist der Anteil an türkischstämmiger Kundschaft vergleichsweise deutlich höher als etwa in Gasthäusern oder bei Würstelständen, grundsätzlich werden die Dönerbuden aber auch von Einheimischen gut besucht. Von Leuten aus jeder Schicht, angefangen beim Bauarbeiter, der sich in der Mittagspause eine Stärkung holt, bis hin zum Banker, der ihn sich einpacken läßt um ihn dann im Büro zu essen. Und wie es so ist beim Essen, entwickeln sich oft Gespräche zwischen und unter der jeweiligen Kundschaft mit Beteiligung des Wirts. Gut für die Sozialkompetenz von allen.
- Solche Dönerbuden sind Kleingewerbe, die oft von Familienmitgliedern und Verwandten geführt und betreut werden. Für alle Beteiligten ist das auch ein Ausflug in das nicht unkomplizierte Betriebsrechtswesen in Österreich. Da müssen Lagerbestände kontrolliert werden, Formulare ausgefüllt werden, die Inventur gemacht werden, Steuern be- und abgerechnet werden, dazu gibt es diverse Standards einzuhalten und Kontrollen zu bestehen. Alles gar nicht so leicht, erst recht nicht für Menschen migrantischer Herkunft, die mit Vertragssprache und Beamtendeutsch noch weniger anfangen können als der muttersprachige Otto Normalverbraucher.
- Und nicht zuletzt zeigen diese Buden einen Willen zum Konsens auf. Einige bieten etwa Bier und andere alkoholische Getränke zum Verkauf, manch eine hat sogar Gyros im Programm (das man mit Schweinefleisch zubereitet). Ersteres ist nicht ganz unheikel, denn Alkohol gilt im Islam als 13. große Sünde. Zweiteres ist ebenso aus religiöser Sicht ein “Entgegenkommen”, denn auch der Verzehr von Schweinefleisch und es enthaltende Produkte ist eigentlich tabu. Hinzu kommt, das Gyros ein griechisches Traditionsgericht ist, und das politische Verhältnis der Türkei und seinem Nachbarn mit “angespannt” wohl nur unzureichend beschrieben ist. Man mag dagegen halten, dass die Betreiber ja das Bier nicht selbst trinken und das Gyros nicht essen, was wohl wahr ist, doch zeugt es trotzdem von gutem Willen und Interesse wenn beides trotz seiner religionsbedingten Verpöhntheit geführt wird.
- Und als persönliche Anmerkung will ich hinzufügen, dass ausnahmslos alle Dönerbudenbesitzer die ich bisher kennen gelernt habe sehr freundliche, respektierliche und zuvorkommende Menschen waren, von deren Gelassenheit wir uns mehrere Scheiben abschneiden sollten.
In diesem Sinne fordere ich alle, denen’s schmeckt auf, als kleinen Beitrag zur interkulturellen Begegnung wenigstens einmal im Monat mit euren Freunden auf einen Kebab, Dürum, Gyros (oder was auch immer euch aus dem Menü beliebt) zu schauen und vielleicht ein paar Worte mit dem Budenbetreiber zu wechseln. So leicht kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. ;)
Photo Credits: Bildteile entnommen/modifiziert aus Al Strüches “Heimatland braucht Kebabstand”





hm Kebab, besser als ein Strachekebab alias Schnitzelsemmel.
wenn die nicht so dick machen würden…
das Kebab. aber da ist wenigstens mehr Gemüse drinnen.
und Baklava ist auch was feines auch wenn das Zeug verdammt pickt.
Ich muß aber gestehen, dass Schnitzelsemmel auch etwas sehr sehr leckeres ist. Aber auch nicht grad ein Schlankmacher ;)
Also es kommt ja immer auf den Dönerhersteller an, ein Döner sollte nicht zu billig sein (wenn sich jemand wundert, in Deutschland sagt man Döner statt Kebab, der Döner Dürum heisst einfach Dürüm).
Was auch zu empfehlen ist und viel zu selten angeboten wird in Österreich: Türkische Pizza und leckere rote Zwiebeln im Döner.
Kebab/Döner ist übrigens das gesündeste “Fast Food”, da im Vergleich zu Hamburger, Pommes und Co. der Anteil Kohlenhydrate, Fett, Eiweiße, sprich Fleisch, Brot und Gemüse am ausgewogensten ist (was ja auch daran liegt dass es eigentlich ein Tellergericht war, dass wie du schriebest dann in Berlin in ein Brötchen zum Mitnehmen gepackt wurde). Man muss nur darauf achten, Qualitätsfleisch zu kriegen, ein guter Qualitätsdöner kostet derzeit mind. 2,50 Euro, am besten 3 Euro, bei niedrigeren Preisen muss der Dönermann Abstriche an der Qualität machen.
Zu deinen “Zugeständnissen”: Der Islam verbietet soviel ich weiss nicht den Verkauf von Schweinefleisch oder Alkohol ;) Er verbietet den strenggläubigen Muslimen nur den Verzehr. Aber außer solchen Muslimen, die anderen ihre Meinung aufzwingen wollen (die ich genauso ablehne wie Christen mit dieser Tendenz), haben die meisten kein Problem damit, wenn Andersgläubige, die nicht an die Gebote Mohammeds gebunden sind, Alkohol oder Schweinefleisch verspeisen.
hehe, danke für die verlinkung ;) blog wird grad ein wenig vernachlässigt, aber i arbeit dran :) wink wink aus börlin!
Na dann – lasst es euch gut schmecken
Tonnenweise Gammelfleisch bei Döner-Lieferanten entdeckt
http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~EB0AC3C80716741BD842C72809C6204CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Graz (APA) – In der Mittagspause schnell zum Stand um die Ecke auf ein Kebab – das Fladenbrot mit Fleisch und Salat erfreut sich wachsender Beliebtheit. Dass das beliebte türkische Fast Food nicht immer qualitativ einwandfrei ist, zeigt eine Studie der Arbeiterkammer Steiermark.
http://www.meduniqa.at/2082.0.html
Jo mei, das kommt bei heimischen Wirten auch ab und an vor. Und selbstverständlich sind Hygieneauflagen etc. von allen einzuhalten, einen Verstoß dagegen finde ich weder bei einem Beisl noch bei einer Dönerbude toll =)
nur eine kleine anmerkung: der islam verbietet auch den verkauf von alkohol – und die meisten dönerbuden sind soweit ich weiß sowieso in alevitischer hand, und die nehmen es da nicht so genau…