“But we both recognize that, though we have come a long way from the old injustices that once stained our nation’s reputation and denied some Americans the full blessings of American citizenship, the memory of them still had the power to wound. A century ago, President Theodore Roosevelt’s invitation of Booker T. Washington to dine at the White House was taken as an outrage in many quarters. America today is a world away from the cruel and frightful bigotry of that time. There is no better evidence of this than the election of an African-American to the presidency of the United States.” (John McCain)
Es war eine beeindruckende, bewegende und wohl die beste Rede die John McCain im Laufe der Wahlkampagne kurz nach 5 Uhr früh mitteleuropäischer Ortszeit gehalten hat. Das Beste kommt am Schluß, denn es war die Rede des Verlierers, der seine Niederlage eingestanden hat. Und wer weiß, hätte er, der eigentlich aus der Mitte kommt und sich erst im Laufe der letzten Monate an die klassischen Republikaner angebiedert hat, das schon immer so gemacht – vielleicht sähen wir heute einen anderen Nachfolger von George W. Bush jr. Einen “Maverick”, einen Falken der anderen Sorte. Diese Minuten, in denen er letztlich Teil eines historischen Momentes wurde, war der 72-jährige Kriegsveteran auf einmal ein Teil des Change, und nicht mehr jemand der in der Nähe von Bush und damit für das krasse Gegenteil steht. Auch weil er sich gegen die Buhrufe und Pfiffe wandte, die beim Erwähnen Obamas in Arizona aufbrandeten.
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“It’s the answer that led those who have been told for so long by so many to be cynical, and fearful, and doubtful of what we can achieve to put their hands on the arc of history and bend it once more toward the hope of a better day.” (Barack Obama)
Keine Frage, es war nicht die Niederlage McCains, der besagten Moment beschloß. Es war auch nicht der Sieg Obamas. Es war der Triumph einer Kampagne der Hoffnung und des Aufbruchs über eine Kampagne der Angst. Letztere ist ein Modell, dass sich leider immer wieder bewährt, was mich kurz an den 28. September in Österreich denken läßt, der heute früh aber einfach nicht wichtig war. In diesen Morgenstunden erfuhren wir, dass es auch anders geht im einflußreichsten Land der Erde und seinen 300 Millionen Einwohnern. Man muss wahrlich nicht alles bejubeln was aus Übersee kommt, aber wenn es sich lohnt ein Ideal heranzuziehen – warum nicht dieses?
“Die Vorurteile gegenüber den Schwarzen sind die schlimmste Krankheit, an der die Gesellschaft in unserem Land leidet.” (Albert Einstein)
Ein Bradley-Effekt war bei dieser Wahl nicht beobachtbar. Ebensowenig ein McCain-Effekt. Die Amerikaner haben nach den Erfahrungen der letzten Jahre und Monate nach ihrem und für ein Gefühl entschieden. Die Frage nach Schwarz oder Weiß hat die Wahl nicht entschieden, auch wenn es bei den angesprochenen Wählergruppen deutliche Präferenzunterschiede gab. “We shall overcome”, wünschte sich Martin Luther King. “We have overcome”, kann Obama heute sagen, wenigstens für die USA. Die Hoffnung hat mit der Angst auch die Vorurteile überwunden. Das kann nicht hoch genug geschätzt werden. “Es ist leichter, ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil”, auch das sind Worte Einsteins.
“I was never the likeliest candidate for this office. We didn’t start with much money or many endorsements. Our campaign was not hatched in the halls of Washington – it began in the backyards of Des Moines and the living rooms of Concord and the front porches of Charleston.” (Barack Obama)
Natürlich, Obamas eindrucksvoller Sieg, der näher an den Umfragen lag als ich dachte, wird nun das neue, große Paradebeispiel für den “American Dream”. Das ist in der Tat etwas verklärt, etwas zu platt und vielleicht übertrieben viel Glorie. Es ist aber auch im Prinzip richtig. Obamas Bewegung, die das Land mit einer Welle aus Enthusiasmus erfasste, zu einer Kampagne ungeahnter Größe wurde – sie kam ursprünglich tatsächlich von unten. Obama ist, auch wenn er auf einer Elite-Uni studiert hat, dem nicht ganz fremd. Er war trotz besserer Angebote auf den Straßen von Chicago und hat Leute zum Wählen mobilisiert, Arbeitstraining betrieben. Gemeinsam mit seiner Frau kämpfte er für Bürgerrechte.
“What began twenty-one months ago in the depths of winter must not end on this autumn night. This victory alone is not the change we seek – it is only the chance for us to make that change. And that cannot happen if we go back to the way things were. It cannot happen without you.” (Barack Obama)
Sein Erfolg sieht auf den ersten Blick beeindruckend aus. Bei 95-prozentiger Auszählung führt Obama mit 338 zu 163 Electoral Votes, hat mehr als doppelt soviel Wahlmänner hinter sich wie John McCain, dort fand der “Landslide” statt. Auf den zweiten Blick aber ist der Sieg gar nicht so groß wie er aussieht. 62 Millionen Menschen schenkten Obama ihr Vertrauen, 55 seinem Kontrahenten. 52% zu 47%. Auch wenn Obama einmal sagte “there is no liberal and no conservative America, there is the United States of America”, so wird mehr nötig sein als diese Worte um den Riss zu kitten, der in den letzten 8 Jahren entstanden ist. Er und sein republikanischer Gegenkandidat haben mit ihren Reden heute vielleicht den ersten Schritt dazu gesetzt. Die Demokraten und die Grand Old Party, sie müssen auch zusammenarbeiten, denn ohne Filibuster-Mehrheit können die Blauen beileibe nicht alles nach Belieben durch den Senat peitschen.
“America, we have come so far. We have seen so much. But there is so much more to do. So tonight, let us ask ourselves – if our children should live to see the next century; if my daughters should be so lucky to live as long as Ann Nixon Cooper, what change will they see? What progress will we have made?” (Barack Obama)
Hoffnung ist der Glaube an eine bessere Zukunft. Angst die Vision einer schlechteren Zukunft. Dass dieser Glaube – nicht im religiösen Sinn – sich gestern so beeindruckend durchgesetzt hat, beeindruckt mich. Obamas Wahl war auch ein Schritt, den Rassismus hinter sich zu lassen, aber viel mehr noch ein Zeichen die Gemeinsamkeit zu begrüßen. Trotz allem hatte ich während der Siegesrede stets eine untertönige Angst, es könnte auf einmal knallen und Obama getroffen zusammensacken. Die Bühne wäre, so habe ich erfahren, ohnehin durch Panzerglas geschützt gewesen. Sie wäre, denn geknallt hat es nicht. Und so wird es hoffentlich auch bleiben. Und da ist sie wieder, die Hoffnung.
Obama hat die Welt bewegt, selbst als er sich noch im Infight mit Hillary Clinton um die Nominierung befand. Er hat in Berlin, Deutschland, mehr Leute zu seiner Ansprache gelockt als es vermutlich selbst Kohl zu seinen besten Zeiten vermocht hätte.
Ann Nixon Cooper, eine 106-jährige Amerikanerin, war das Beispiel an dem Obama die Geschichte der USA und die Bedeutung des Momentes greifbar machte. Als der erste Weltkrieg begann und endete, als der zweite Begann und endete, als vor einem halben Jahrhundert eine Mauer durch Berlin und eine Grenze zwischen Ost und West gezogen wurde, und als diese Mauer 1990 fiel und diese Grenze sich öffnete. Sie war dabei. Heute begann vielleicht eine ganz andere Mauer zu bröckeln. Heute ist Geschichte passiert.
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“Yes We Can.” (Barack Obama)
Natürlich, das alles klingt ein wenig pathetisch. Vielleicht blicken wir in vier Jahren auf den Trümmerhaufen von Obamas Idealen und Ideen. Und alles was übrig bleibt ist weiter die Hoffnung auf den Change, den Wandel, den er den USA und der Welt versprochen hat. Dann ist ob der hohen Erwartungshaltung wieder die Zeit eines Republikaners angebrochen.
Wir haben es schon öfters geschrieben. Am 20. Januar zieht Barack Obama ins Weiße Haus. Dann muss er zeigen, ob seine politische Stärke die Grenzen der Rhetorik sprengt.
photo credit: nick farnhill
Quellen: Rede Obamas | Rede McCains






Toller Rede-Auszüge, toller Beitrag!
Gratuliere!
Der letze Absatz sag eigentlich schon alles :-)
danke ;)