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US-Wahlen: Wird es einen McCain-Effekt geben? (Update, 21:19)

Wie ich heute bereits in meinen Schlussbemerkungen erwähnt habe, und wie auch allgemein bekannt ist, fürchten sich die Demokraten ein wenig vor dem “Bradley-Effekt” (Stimmenwanderung zu McCain, womöglich mitverursacht durch aufgrund Obamas Hautfarbe). Derlei ist sicher möglich, aber wahlentscheidende Auswirkung ist nicht zu erwarten. ebenfalls möglich, in der Form aber von den Medien noch nie angesprochen, halte ich einen McCain-Effekt, der aus anderen Grünen gemäßigte Republikaner und Unentschlossene auf die Seite des demokratischen Kandidaten treiben könnte.

Es war Ende August, da machte Vietnamveteran John McCain Alaskas Gouverneurin Sarah Palin zu seiner Vizekandidatin. Anfänglich schien das ein gelungener Coup, Palins Nominierung trieb die Umfragewerte McCains in bislang ungeahnte Höhen. Bis diese dann von den Medien näher beleuchtet wurde, und plötzlich von einem Fettnäpfchen ins nächste hüpfte. Russland will sie von Alaska aus sehen können, was nachweislich nur von einer weit vorgelagerten Insel geht, auf der noch nie ein Gourverneur gewesen ist. Dann besitzt sie erst seit nicht einmal zwei Jahren einen Pass, und hat davor das Land wohl noch nie verlassen. Und in diversen Interviews drängte sich den Beobachtern mitunter das Gefühl auf, dass sich Palins Kompetenzen auf das Wiederholen von Pro-McCain-Phrasen in verschiedenen Variationen beschränkt. “John McCain is a maverick”. Wirklich hochtrabende, eigene Gedankengänge hörte man kaum. Ihr Abschneiden gegen Obamas Vize Joe Biden war immerhin nicht ganz so inferior wie viele erwarteten. Das war es dann aber auch schon an Herzeigbarem. Sie sei ein hübscher Papagei, meinte John Cleese.

McCain ist 72 Jahre alt. Er wäre der älteste Neo-Präsident in der Geschichte der Staaten, ein Novum der ganz eigenen Sorte. Über seinen Gesundheitszustand wurde phasenweise viel spekuliert, wenngleich man stets davon absah die ihm noch verbleibende Lebenszeit zu schätzen. Das wäre zynisch, freilich. Fakt ist, dass McCain bereits eine Hautkrebserkrankung überstanden hat. Und auch wenn es wie eben erwähnt zynisch anmutet, so muss man wohl davon ausgehen, dass ein vorzeitiger Tod im Amt beim Republikaner doch viel wahrscheinlicher wäre, als bei seinem Kontrahenten. Der war noch nie schwer krank, nicht in Vietnam und ist um ein Vierteljahrhundert jünger.

Sollte er trotzdem vorzeitig versterben (es gibt wohl ein erhöhtes Attentatsrisiko), so würde mit Joe Biden ein in vielerlei Hinsicht erfahrener Mann für die restliche Periode sein Amt innehaben. Jemand, dem man angesichts seiner langen politischen Karriere zutrauen würde, den Koloss Amerika sicher durch die Weltgeschichte zu manövrieren – keine Frage. Erwischt es aber McCain, der seinerseits über deutlich mehr politische Historie verfügt als Obama, so folgt ihm Sarah Palin. Und der, so entnahm ich kürzlich CNN, trauen viele das Hantieren mit den Schalthebeln der Macht nicht zu. Es nagt sogar ein wenig an ihrem Heimvorteil. Aus bereits erwähnten Gründen.

Wenn also Obama heute nacht doch einen Kantersieg landet, so muss das nicht heissen, dass es keinen “Bradley-Effekt” gegeben hat. Es könnte eher heissen, dass der McCain-Effekt ihn in der Auswirkung neutralisiert hat. Ob es dazu dann genauere Erhebungen geben wird, daran zweifliche ich ja ein bisschen. Zynisch wäre das, in der Tat. So wie die Wahrheit und das Leben selbst eben manchmal sind.

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7 Kommentare

  • Am 4. November 2008 sagte Norrin Radd:

    Was soll dieser McCain-Effekt bitte sein? Beim Bradley-Effekt geht es nicht darum, dass manche Leute nur Leute gleicher Hauptfarbe wählen. Es geht darum, dass manche Leute in den Polls lügen, um dem Gegenüber am Telefon ja nicht rassistisch zu erscheinen. Auch, wenn sie nicht nach Hautfarbe entscheiden.

    Das ist was grundsätzlich anderes als das, was du schreibst:

    ebenfalls möglich, in der Form aber von den Medien noch nie angesprochen, halte ich einen McCain-Effekt, der aus anderen Grünen gemäßigte Republikaner und Unentschlossene auf die Seite des demokratischen Kandidaten treiben könnte.

    Nur weil Leute einen Kandidaten aus dem einen oder anderen Grund bevorzugen, muss das kein Effekt sein. Die einen bevorzugen Kandidaten 1, die anderen Kandidat 2. So läuft die Demokratie. Beim Bradley-Effekt geht es um Verhalten bei Polls. Bei dir geht es nur um persönliche Vorlieben bei der Wahl.

  • Am 4. November 2008 sagte Georg Pichler:

    1. Du hast deinen Gedanken nicht zu Ende gesponnen. Was ist der Grund dafür, dass sie spezifisch bei Bradley und auch später ’89 (es war ja gerade bei den Beiden so deutlich) das eine sagen, aber das andere wählen? Man ist nicht automatisch Rassist, weil man sagt man wählt lieber Kandidat 2 statt 1. Wenn man aber angibt Kandidat 1 zu wählen, dann letzlich aber 2 wählt, kann man durchaus auf ein gewisses Ressentiment schlußfolgern. Insbesondere eben, weil es diesen “Effekt” sehr ausgeprägt bei 2 schwarzen Kandidaten auftrat. Dass mag nicht für jeden Einzelnen zutreffen, ich denke aber schon, dass da was dahinter ist (und in der Hinsicht haben die USA und erst recht Europa was dazuzulernen).
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    2. Die Sorge um McCains Gesundheitszustand in Verbindung mit Palin als möglicher Nachfolgerin habe nicht ich erfunden, das geisterte schon mal durch die Medien, wurde aber nicht wieder aufgegriffen (dafür wird heute noch über Obamas Hautfarbe diskutiert). Das kann durchaus Auswirkungen haben, muss es aber nicht. Ich halte es durchaus für möglich und stelle darum diese Frage.
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    3. Das ich Obama bevorzuge habe ich nie bestritten und sogar aktiv bekundet. Darum habe ich auch gar keinen Grund bei meiner Annahme zu einem möglichen(!) McCain-Effekt bzw. meiner Ansicht zum Bradley-Effekt (mit der ich durchaus nicht alleine dastehe) irgendwelche Vorlieben einfließen zu lassen. Die sind nämlich wie gesagt bekannt.
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    4. Fakt ist: Obama kann nichts für seine Hautfarbe, McCain nichts für sein Alter und seine Gesundheit. Das schließt – leider – nicht aus, dass sich beides im Wahlergebnis niederschlagen könnte.

  • Am 4. November 2008 sagte Georg Pichler:

    Nachtrag: hab meine zu platte Formulierung am Beginn mal ergänzt. Insofern, danke für den Hinweis ;)

  • Am 4. November 2008 sagte Norrin Radd:

    Zum Bradley Effect gibt es auch Gegenmeinungen, wie: http://www.fivethirtyeight.com/search/label/bradley%20effect

    Aber egal, wie stark sich der äußert: Der Bradley-Effect ist etwas, bei dem die Leute bei den Polls lügen, damit man nicht als Rassist dasteht, und bei der Wahl den anderen wählt. Dadurch ergibt sich eine Diskrepanz zwischen den Polls und dem Wahlresultat. Der Bradley-Effekt ist nicht allein der Gedanke, dass man lieber jemanden mit der gleichen Hautfarbe als Präsidenten hätte.

    Das, was du beschreibst, ist aber etwas anderes. Wenn jemand nicht McCain wählt aufgrund seines Alters und Palin als mögliche Amsterbin (die gibt es, keine Frage), dann hat er einen Grund dazu. Aber warum sollte er dann bei Umfragen lügen wie beim Bradley Effect? Wenn diese Leute aber nicht lügen, dann sind ihre (ehrlichen) Stimmen schon in den Umfragen drinnen und deshalb gibt es von dieser Seite keine Diskrepanz zwischen Umfrage und Wahlergebnis.

    Das kann deshalb den Bradley-Effect gar nicht aufheben. Aber ich stimme dir natürlich zu, dass bestimmt eher Konservative wählen aufgrund von Palin ins Obama-Lager gewandert sind.

  • Am 5. November 2008 sagte Georg Pichler:

    Wenn jemand aufgrund von Palin McCain nicht wählt, wird er das vermutlich nicht verschweigen. Wenn er ihn aber aufgrund seines Alters nicht wählt bzw. das mit Palin verknüpft, ihn also hauptsächlich wegen seiner höheren “Ablebenswahrscheinlichkeit”, die Palin erst möglich machen würde, kann ich mir durchaus vorstellen dass man das am Telefon verschweigt.
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    Ist eine Frage der sozialen Erwünschtheit, ich weiß nicht wie locker man mit McCains Alter umgeht (wurde nicht so oft thematisiert), und ob man das dementsprechend leicht als Nichtwahlgrund anspricht. Möglicherweise verschätze ich mich da, aber ich stelle die Theorie auch nur in den Raum – eine fixe Sache ist sie nicht für mich.

  • Am 5. November 2008 sagte Norrin Radd:

    Beim Bradley Effect gab man auch nicht die Hautfarbe als Grund an, man gibt gar keinen Grund an. Man lügt nur, damit der Gegenüber am Telefon nicht denkt, man wäre Rassist, und sagt deshalb, dass man den schwarzen Kandidaten wählt. Es gibt wohl viel weniger Leute, die glauben, sich schämen zu müssen, weil man nicht den alten Kandidaten wählt.

    Aber sei’s drum — ich wünsche dir viel Spaß bei der heutigen Wahlnacht!

    http://oh-du-mein-oesterreich.blogspot.com/

  • Am 5. November 2008 sagte Obama ist US-Präsident, Geschichte passiert @ rigardi.org - Politik kommentiert.:

    [...] Bradley-Effekt war bei dieser Wahl nicht beobachtbar. Ebensowenig ein McCain-Effekt. Die Amerikaner haben nach den Erfahrungen der letzten Jahre und Monate nach ihrem und für [...]

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