
Den Zustand, den die Krise in der ostafrikanischen Republik Kongo nunmehr angenommen hat, wird aus UN-Kreisen mehr und mehr als „genozidartig“ umschrieben. Man muss kein wortklaubender Fetischist von Wortdefinitionen sein, um die den Ernst der Lage zu verstehen, den diese Rhetorik offenbart.
Seit August wütet der selbst ernannte Freiheitskämpfer Nkunda mit seiner austrainierten und zugleich waffentechnisch vorzüglich ausgestatteten Rebellenarmee in der kongolesischen Nord-Kivu Provinz. Er huscht von Busch zu Busch, wandert von Berg zu Berg, mordet sich von Dorf zu Dorf. Rastlos, brutal, unersättlich. Sein Ziel: Die anno 1994 aus Ruanda geflohenen Hutu-Milizen, die sich überwiegend im Osten des Nachbarlandes Kongo angesiedelt haben – und ihren Plan, vom erneuten Genozid an den Tutsi, zu vereiteln . Ob dies wirklich die wahren Gründe sind, die seine vagabundierende Rebellengruppe, bestückt mit etlichen Kindersoldaten, antreibt, ist nicht erwiesen. Es reicht jedoch dafür aus, dass Paul Kagame, seines Zeichens Präsident von Ruanda, derlei Aktionen im Nachbarland Kongo goutiert. Demgegenüber steht der ebenso macht- und kraftlose Jungspund und Staatschef des Kongo: Joseph Kabila. Er wiederum versucht seit Jahren das Problem Nkunda zu lösen, ohne dabei auf dessen Forderung einzugehen und sich von mancherlei kriminellen Hutu-Kraft in seinem Umfeld zu trennen – die es gibt.
Mehr als eine viertel Millionen Flüchtlinge innert dreier Monate. Krankheiten und Epidemien, wie die Cholera, die neu ausbrechen und noch mehr Opfer verlangen. Dieser Krise ist mit dem schwachbrüstigen Truppenkontingent der Vereinten Nationen (Monuc) nicht beizukommen. 17.000 Soldaten, in Anbetracht der schieren Größe des Landes, viel zu wenig.
Der Osten rund um die Stadt Ghoma wird so nicht zu befriedigen sein; schnelle Lösungen sind allerdings auch schwerlich zu finden. Die diplomatische Initiative seitens der EU ist löblich, dürfte aber wohl ebenso wenig beruhigend wirken wie die im Sommer 2006 abgehaltenen Wahlen, bei denen Bundeswehr-Streitkräfte mithalfen.
Die Frage bleibt im Raum, ob die geographisch-ethnischen Konflikte, die sich im Kongo, Ruanda oder aber Burundi schon seit Jahren auftun, überhaupt adäquat beseitigen lassen. Für den Augenblick sollte alles dafür getan werden einen robusten, kurzfristen Friedensvertrag auszuhandeln. Alles was darüber hinaus geht, liegt allein in den Händen dreier Männer: Kagame, Kabila und Nkunda.
photo credit: Foreign and Commonwealth Office





[...] widerfährt den Menschen im Kongo großes Unrecht. Seit Jahren toben hier Stellvertreterkriege, um die Einflusssphäre pseudo-demokratischer, [...]