Ein Gastartikel von M., der hier schon einmal einen kleinen Einblick in dieses noch länger aktuelle Thema gegeben hat.
Die Finanzkrise ist schuld? – Oder: Die Krise als Mittel zum Zweck?
Der Wirtschaft geht es schlecht. Sehr schlecht sogar. Besonders schlecht geht es der Automobilbranche. Zumindest ist das im „Autoland“ Deutschland so und dort auch besonders stark spürbar. Deshalb werden wohl auch tausende Stellen wegfallen, gestrichen und, wenn man so will, vernichtet. Aber stehen denn wirklich alle Stellenstreichungen im Zusammenhang mit der Weltfinanzkrise? Es darf bezweifelt werden.
Ich möchte hier den international tätigen Automobilzulieferer Johnson Controls als Beispiel anführen. In seinem Werk im deutschen Remchingen (bei Karlsruhe) werden im Frühjahr 90 der vorhandenen 210 Stellen wegfallen. Hier werden mehrere Produktionslinien nach Mazedonien und Frankreich verlagert. Begründet wird das mit „dem anhaltenden wirtschaftlichen Druck in der Automobilindustrie durch die eingebrochene Konjunktur“ (siehe Pforzheimer Zeitung). Verschwiegen wird allerdings, dass der schrittweise Abzug der Produktionslinien bereits vor einiger Zeit begann, weit bevor die internationalen Finanzmärkte dicke rote Zahlen schrieben. Ein Einzelfall? Wohl kaum!
Auf andere Art und Weise schlägt die Commerzbank einen Vorteil aus der Krise. Als erste Privatbank nahm sie Staatshilfe in Anspruch und sicherte so auch zukünftig ihre Liquidität. Dies kann man vor allem als psychologischen Nutzen in der Neukundengewinnung sehen, denn nachdem wohl jeder mit seinen Anlagen irgendwo Verluste machen musste, will man sein Geld zukünftig so gut wie möglich absichern. Und was ist sicherer als Geld bei einer Bank zu haben, die im Notfall vom Staat gestützt wird? Nun kommt noch dazu, dass die Commerzbank mit der Dresdner Bank fusionierte und, dank Finanzkrise, diese zum absoluten Schnäppchenpreis erwerben konnte. Dieser neue Bankapparat könnte nun, mit dem Argument der staatlichen Hilfe, die Deutsche Bank stark in Bedrängnis bringen. Diese wehrt sich ja vehement gegen das staatliche Rettungspaket woraus die neue Allianz aus Commerzbank und Dresdner oben genannten psychologischen Bonus ziehen kann. Das könnte einen nachhaltigen Effekt auf das deutsche oder sogar europäische Finanzwesen haben, wenn nun eine andere Bank als Marktführer fungiert. Mit der Fusion könnten zudem noch bis zu 10,000 Arbeitsplätze wegfallen; wobei dies Schätzungen einer Gewerkschaft (verdi) sind, die bekanntlich gerne stark überhöhte Zahlen nennen.
Auch die Autobauer müssten sich mal an die eigene Nase fassen und nicht jede Fehlentwicklung der vergangenen Jahrzehnte auf die Weltfinanzkrise schieben. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass unser Öl immer knapper wird und dadurch auch im Preis immer weiter steigt. Die Nachfrage nach anderen Energieformen, oder zumindest verbrauchsärmeren Modellen, ist vorhanden, nur die Autos dazu sind es nicht. Vor allem deutsche und amerikanische Hersteller sind der Konkurrenz aus Fernost (allen voran Toyota) Jahre der Entwicklungsarbeit an Hybridmotoren hinterher.
Diesen Preis muss jetzt vor allem General Motors bezahlen, die kurz davor stehen nie wieder ein Auto zu bauen. Das liegt nicht allein an der Krise, das liegt einfach auch an den falschen Produkten. Konkurrent Audi konnte seinen Absatz im November 2008 um 0,4% steigern, trotz Finanzkrise. Hier wurden konsequent Kundenwünsche umgesetzt, die die Konkurrenten wohl irgendwie verschlafen haben. Denn alle anderen deutschen Automobilhersteller klagen über große Absatzrückgänge und präsentieren als Gegenmaßnahmen Kurzarbeit, verlängerte Weihnachtsferien und Abbau der Zeitarbeiter.
Deshalb: Bitte redet keine Weltfinanzkrise herbei und seid ehrlich was eure Motivationen sind. Wer in den letzten Jahren Fehlentscheidungen getroffen hat sollte sich dies eingestehen und nicht die Finanzkrise dafür verantwortlich machen.
„So schlimm die Immobilienkrise und die Banken- bzw. Finanzkrise auch sind, eine für uns alle dramatische Wirtschaftskrise entsteht hierdurch erst dann, wenn Banken, Unternehmen, Politik, Medien und Bürger daran glauben oder sogar bewusst oder unbewusst dazu beitragen, eine Wirtschaftskrise herbeizureden.“ (Quelle)
M.






Die Finanzkrise ist schuld. Ach, wirklich? http://is.gd/eOu0