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Der Iran und der Widerspruch

a jewish iranian woman from EsfahanSeit der Wahl des bärtigen, immer sehr locker und bieder gekleideten Nordiraners, Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten, steht der Iran im Fokus des weltweiten Interesses. Politische Kommentatoren, findige Zeitungskolumnisten, bedeutungslose Polithinterbänkler und emsige Exil-Iraner, geben seit der Wahl des ehemaligen Teheraner Bürgermeisters zum sechsten Präsidenten der islamischen Republik, ständig ihre Meinung zu Protokoll.

Das ist mal mehr und (zumeist) mal weniger zutreffend „analysiert“. Die Iraner ein Volk von Antisemiten. Der ungebildet daherpolternde A., der Israel von der Landkarte tilgen/löschen/ausradieren (die falschen Übersetzungen waren mannigfaltig) möchte. Iran ein Land, das mithilfe seiner Zentrifugen, seiner Uran-Vorkommen (wir alle wurden zu „kleinen“ Physikern), was auch immer, irgendwie an einer Atom-Bombe bastelt. Iran, ein Land voller ungehobelter Judenhasser, die Vollbärte tragen, einen ähnlichen Hang (oder eben auch nicht) zur Hygiene haben, wie ihr Präsident. Iran eine theokratische Despotie, dem Islamofaschismus zuneigend (was auch immer das heißen mag), alle Übel dieser Welt subventionierend (Hisbollah, Muslimbruderschaft, Hamas… egal ob Sunniten oder Schiiten, Muslime dieser Welt vereinigt euch!).

Manches davon stimmt. Der Iran hat ein für den europäischen Westen merkwürdiges Verhältnis zu den USA und Israel (weniger mit den Juden, als vielmehr mit dem Zionismus). Wenn vor dem Eingang eines nicht unseriös anmutenden Hotels das Schild „Tod den USA, Tod Israel“ prangt, vermag man dies rational kaum erklären zu können. Der Iran unterdrückt seine Minoritäten – nicht nur die Juden genießen noch immer nicht die gleichen Rechte -, allen voran die gebeutelten Bahai. Dennoch: Juden gibt es hier, gerade im Vergleich zu vielen arabischen Staaten, noch immer sehr viele. Ihr Nationalstolz wird geschätzt, sie weitgehend geachtet.

Wer in den letzten Jahren in der iranischen Metropole Teheran war, weiß: Hier rutschen die Kopftücher der Damen schon einmal fast zur Gänze vom Kopf, muss die religiöse Sittenpolizei Pasdaran an vielerorts ein Auge zudrücken, um nicht gleich mehrere hundert Leute gleichzeitig festnehmen zu müssen.

Das ist der Widerspruch: Nach außen hat sich der iranische Staat seinem islamischen Konservatismus hingebend, auch mit seiner ganzen Härte, abgeschottet. Nach innen neigt der Staat, allen voran die wichtigen Institutionen, wie Revolutionsführer Khamenei, mehr zur Freizügigkeit. Die jugendliche Bevölkerung des Landes, eine der jüngsten auf dem Globus, würde eine andere Politik auch gar nicht dulden.

Der Iran ist ein ambivalentes Land. Das gilt auch für den nunmehr als Gorbatschow der muslimischen Welt gefeiert Mohammad Chatami, der für die gebeutelte Reformpartei (vergröbert, so etwas wie die Sozialdemokraten unter den Hardcore-Islamisten) im Sommer ins Präsidentschaftsrennen gehen soll. Das Ergebnis ist unbedeutend: da die meisten Posten vom Wächter- und so genannten Expertenrat a priori, ohne Wahlen festgelegt werden; und dazumal das Amt des Revolutionsführers jenes, welches die eigentliche Macht im Staate ausübt, die Machtzentrale im Staat ist. Aber auch weil Chatami, ebenso wie sein Vorgänger und Ahmadenidschad-Opponent, der gefuchste Pistazien-Millionär Rafsandschani, seine Chance (1997-2005) das Land zu reformieren hatte; er scheiterte. Teils an den institutionellen Wirrungen und Irrungen, die blockierten, größtenteils aber auch, weil er zum reformieren nicht gewillt war.

Viele (Oppositions-)iraner schmunzeln ob der Naivität vieler europäischer Medien, die der Nomination Chatamis entgegengebracht wird. Denn, war er es nicht, der das iranische Atomprogramm, das den Westen derzeit das kollektive Fürchten lehrt, initiierte?

photo credit: austinevan


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5 Kommentare

  • Am 26. Februar 2009 sagte Zwischenrufer:

    Auch nach mehrmaligem Lesen erschließt sich mir nicht, was der Autor dieser Zeilen eigentlich ausdrücken wollte…

  • Am 27. Februar 2009 sagte Zwischenrufer:

    Mittlerweile weiß ich, was der Autor ausdrücken wollte.
    Danke für die private Mail!
    :-)

  • Am 3. März 2009 sagte M.:

    Ich möchte auch erleuchtet werden, was der Autor mir sagen will :)

  • Am 5. März 2009 sagte Andreas Lindinger:

    Interessant in diesem Zusammenhang auch ein Interview mit Arash T. Riahi im aktuellen DATUM, der dort sagt: “Khatami war acht Jahre lang an der Macht und hat nichts weitergebracht. Ich glaube, dass ein radikaler Typ wie Ahmadinedschad schneller einen Wandel herbeiführen kann, als ein pseudo-liberaler wie Khatami”. Nämlich dahingehend, “dass ein radikaler Typ unbewusst mehr bewirken kann. Ahmadinedschad kann das Fass zum Überlaufen bringen.” Riahi denkt dabei an eine “iranische Perestroika, also schrittweise Veränderungen im Stile Gorbatschows wodurch die Menschen langsam kleine Freiheiten bekommen von denen sie nicht mehr abweichen. Und irgendwann kippt das Regime.”

  • Am 6. März 2009 sagte M.:

    Das Problem bei den Radikalen und dem daraus (möglicherweise) resultierenden Umschwung sind die vielen Toten auf dem Weg zum Umschwung. Zu beobachten war dies schon viel zu oft in der Sowjetunion, DDR und leider und vor allem im Deutschen Reich.
    Irgendwann sind all diese Regimes zusammengebrochen und etwas besseres ist entstanden, aber der Blutzoll war unendlich hoch.
    Eine Änderung wird auch im Iran irgendwann kommen, aber der Weg dorthin ist mit einem Radikalen eventuell schneller aber auch brutaler. Da bin ich doch lieber für eine langsame “Revolution”…

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