
Johannes Voggenhuber ist abserviert worden. Anders kann man es wohl nicht ausdrücken. Und wie es sich mir angesichts der medialen Berichterstattung aber auch der internen Kommunikation darstellt war es weder die feine Art, noch eine rationale Entscheidung. Fakt ist, die Causa Voggenhuber wäre für letzten Freitag eigentlich gar nicht als Tagesordnungspunkt vorgesehen gewesen. Fakt ist, Salbzburg hat sich nicht nur für ihn ausgesprochen, sondern auch um einen Aufschub der Entscheidung auf den eigentlichen Listensetzungstermin (im März, wenn ich mich recht erinnere) gedrängt. Das Ende einer Sitzung, bei der die Stimmung (O-Ton eines Beteiligten) “Scheiße” war, brachte ein weder nach innen und schon gar nicht nach außen kommunizierbares Ergebnis.
Voggenhuber, eine in Brüssel gewichtige Parlamentarierstimme und einer der bekanntesten EU-Politiker des Landes, wurde eine Kandidatur am 16. Platz verwehrt. Nicht nur dass dies der Schilderung nach das Ergebnis einer zutiefst emotional geführten Diskussion war (was die zwanghaft vorgezogene Entscheidung in diesem Fall noch ein Stück wahnsinniger erscheinen lässt), und definitiv allein durch die Vorgangsweise Sympathisanten verschreckt, es ist auch noch politisch extrem unklug. Spitzenkandidat für Salzburg-Stadt, Bürgerlisten-Stadtrat Johann Padutsch formuliert das so:
Zudem ist es für Padutsch “völlig absurd, diese Gelegenheit zur maximalen Erfolgsausschöpfung bei der Europawahl auszulassen.” Schließlich hätte im Fall der Kandidatur Voggenhubers auch das Lager von Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek stärker mobilisieren müssen. (ORF)
Das bringt es auf den Punkt.
Aber worin lagen die eigentlichen Gründe für den schnellen und unschönen Niedergang von Voggenhuber? War es ein Geschlechterkampf? Vielleicht, auch diese Interpretation gab und gibt es, außerhalb wie innerhalb der Partei. Das wäre ein fatales Zeichen für die Grünen, die bisher die Vorreiter der Geschlechtergleichberechtigung wie auch -kooperation waren und würde entsprechenden Forderungen in dem Lichte (Frauenquoten) einen ungustiösen Beigeschmack geben.
Oder war es bloß die Angst, dass die von der Spitze breit gepushte, wiewohl durchaus sympathische und kompetente Ulrike Lunacek den Vorzugsstimmenkampf auch gegen einen freiwillig gehandicapten Voggenhuber verlieren könnte, statt auf den Einzug beider zu hoffen? Oder war es gar beides?
Das “gestörte Klima” zwischen Voggenhuber und der Parteispitze bzw. EBV lasse ich nicht gelten. Ich habe wohl aus glaubwürdigen Quellen erfahren, dass Voggenhuber ein schwieriger und mitunter sehr unkooperativer Politiker sein soll. So what? Er macht nicht erst seit gestern Politik, ist ein grünes Urgestein, und seine “persönlichen Schwächen” und zeitweise entbehrlichen Querschüsse sind dementsprechend bekannt. Unter dem Kommando des “Herrn Professors”, Alexander Van der Bellen, war davon nie die Rede. Und unter ihm kamen Glawischnig, Sburny und Co. an die Spitze.
Das beschädigte Vertrauensverhältnis hat man auf die Tour bestenfalls zu den Wählern, die eher nicht nachvollziehen werden, warum sie Voggenhuber nicht vom 16. Platz wählen können. Wohl aus Angst davor, dass sich Lunacek und Lichtenberger bei seinem Antreten nicht profilieren können, untergräbt man faktisch die eigene, basisdemokratische Ausrichtung. Voggenhuber hätte auch so gegen die Erstgereihte verlieren können, jetzt darf er nicht einmal kämpfen.
Das ist nicht grün. Das ist feig! Was ist aus den “starken Frauen” geworden?





I don’t get it. *kopfschüttel*
really don’t get it.
demokratische entscheidungen werden undemokratisch genannt.
es wird nur von voggenhubers kompetenz gesprochen, während die gegenüber jener von lunacek und lichtenberger kein argument sein kann, weil die da genauso mithalten.
ad voggenhubers kompetenz wird außerdem unterschlagen, dass seine aktionen der letzten monate objektiv von einem mangel an demokratiekompetenz zeugen.
voggenhuber ist kompetent. ja. ein schönes problem, dass die grünen haben und sie deutlich von allen anderen parteien unterscheidet. sie haben mehr kompetente personen als ämter.
dann stellt er eine simpel ungehörige drohung in den raum (ähnl. wie pilz bei der listenerstellung für die nr-wahl): er stünde nur für den listenplatz eins zu verfügung.
er wird aber nicht gewählt.
bis dahin alles mehr oder weniger normal.
doch jetzt wird’s seltsam. sowohl voggenhuber selbst, v.a. aber auch massenmedien und kommentatorInnen erkennen die wahl nicht an und dichten sie um.
voggenhuber desavouiert alle grünen gremien und mitglieder und behauptet in den medien entgegen seiner drohung, nun auf platz 16 kandidieren zu wollen und auf vorzugsstimmen zu gehen. das nennt er dann noch “soli-kandidatur”, was wiederum objektiv eine verlogene aussage ist. (was nämlich eine “soli-kandidatur” zu einer solchen macht: den namen auf einer liste zur verfügung stellen, ohne ein mandat annehmen zu wollen.)
es gibt noch eine parteidemokratisch legitimierte wahl, wieder scheitert voggenhuber, wieder wird die wahl umgedichtet.
I don’t get it *kopfschüttel*
Es scheint, als hätte man intern schon länger an der Demontage Voggenhubers gearbeitet (was insofern unfair is, dass er in Wien nicht wirklich viel ausrichten kann als EU-Parlamentarier). Er ist so gesehen unter ungleichen Voraussetzungen gestartet, trotzdem – und da gebe ich dir Recht – hätte er gleich klar machen müssen, dass er es ein zweites Mal versucht, nachdem er um den 1. Platz unterlegen war.
Natürlich ist das 12:17 der innerparteilichen Entscheidungsstruktur nach “in Ordnung”, allerdings nicht der Zeitpunkt an der diese Entscheidung gefällt wurde, erst recht nicht die Art und Weise. Ich denke, dass es falsch ist die Entscheidung so (auf der Grundlage unausgesprochener Konkurrenzen und persönlicher Animositäten) über den EBV zu fällen, er hätte durchaus gegen Lunacek/Lichtenberger verlieren können. Es war nicht undemokratisch, aber es wäre “demokratischer” gewesen, diese Entscheidung letztlich den Wählern zu überlassen. Das Voggenhuber schwierig ist hat er auch diesesmal reichlich bewiesen, das steht ausser Frage. Die 12 Stimmen müssen aber auch irgendwo her kommen.
Aber ja, ich kann deiner Argumentation durchaus was abgewinnen. Ich mag folglich einiges sehr überspitzt oder zu harsch formuliert haben, halte aber an der prinzipiellen Kritik fest. Besonders daran, dass es wahltaktisch ein schwerer Fehler war.
Oder um es kürzer zu fassen: Es ging offensichtlich um die Entscheidung Lunacek oder Voggenhuber. Könnten die Wähler die Entscheidung treffen, hätte uns das Vorteile gebracht, schon allein WEIL es die Wähler entschieden hätten. Ganz zu schweigen, dass vermutlich locker beide, wenn nicht sogar V., L. und Lichtenberger eingezogen wären. Jetzt hat die Funktionärsschicht die Entscheidung über einen langgedienten Toppolitiker getroffen.
Lieber Georg,
großartiger Kommentar. Es ist zum Heulen.
Hier meine Sicht der Dinge:
http://sonjaschiff.twoday.net/stories/5483514/
Tja, was soll ich dazu sagen? Schade, Grüne, aus den Stimmengewinnen bei Europa- und Salzburgwahl wird wohl nix. So vergrault sich die Grüne Partei leider viele Wähler…
Und das Ergebnis? Am ende sicher sehr blau :(
Grüne bei der EU-Wahl boykottieren.
Abstimmen!
Wie oft wird Eva Glawischnig Spitzenkandidatin der Grünen bei Nationalratswahlen sein?
keinmal-einmal-mehrmals
Wirst du den Grünen bei den EU-Wahlen 09 einen Denkzettel verpassen und sie diesmal nicht wählen?
Denkzettel- trotzdem grün
Hier kann man abstimmen?
http://gruenekonter.blogspot.com/
wow, diese “grüne konter”-seite hat den vogel abgeschossen.
dümmlich und feige.
ist das wiedermal schwarze camouflage oder alleinig obiges? *kotz*
Nö nix ÖVP.
Ich bin 100% Grüner.
Meine erste Umweltaktion war 1989.
Ich halt hier die Front für die Grünen im Tiefen Osten, wo wir früher zu den Kommunisten pinkeln gegangen sind.
Ich bin kampferprobt.
Die Revolution ist gestartet.
Und wir sind nicht wenige.
Sie wird durchgezogen.
Das ist jetzt so:-)
Aus. Schluss. Basta.
http://gruenekonter.blogspot.com/