Archiv

Widersinnige ÖVP

Kinder ThingDie SPÖ ereilt zur Zeit die große Erleuchtung. Angesichts der Lage und Ereignisse sollen Manager in die Pflicht genommen werden, “wenn es der Firma schlecht geht”. Als politischer Vorstoß ist das einigermassen überraschend, denn man sollte annehmen, dass dieser Zustand ohnehin gegeben ist. Das Gehalt diverser Spitzenmanager wird nicht selten mit der immensen Verantwortung des Postens begründet. Da die Praxis jedoch anders aussieht und sich besagte Denker und Lenker oft genug noch mit einem “Golden Handshake” verabschieden dürfen, wirkt der Vorschlag gar nicht so absurd wie gedacht. SPÖ-Wirtschaftssprecher Matznetter regt eine Diskussion über ein Modell an, wie es in Deutschland existiert. Dort müssen Aufsichtsräte mittlerweile Managergehälter kürzen, wenn es dem Unternehmen sehr schlecht geht.

Der Koalitionspartner ist not amused. Prölls Sprecher meint gar, es sei in Zeiten einer Wirtschaftskrise

“widersinnig, dass man den Manager zum Bösen macht, wenn es der Firma schlecht geht” (DerStandard.at).

Moment mal, widersinnig? Jemanden zur Verantwortung ziehen, der für selbige oft fürstlich entlohnt wird, ist widersinnig? Und die Wirtschaftskrise ist nichts anderes als eine unvorhersehbare Naturkatastrophe? Wie ein urplötzlich einschlagender Komet, der halt von irgendwo dahergeflogen ist? So ganz ohne Ursache, nur mit Wirkung? Man bedenke: Das ist das, was der ÖVP einfällt, wenn es überhaupt erst um eine Diskussion geht. Allein für obiges Zitat sollte man den Finanzminister samt Sprecher mit nassen Fetzen aus dem Lande jagen.

Man möchte denken, die Volkspartei hätte den Fasching intern verlängert, jedoch weilt die politische Intelligenz dort in Wahrheit schon seit Jahren konsequent in der Fastenzeit. Das offenbart sich bei solchen Aussagen und vielen anderen Dingen.

Wenn der jetzige Kurs aus dreister Klientelpolitik für Höchstverdiener und gesellschaftspolitischem “Bauernkonservativismus” weiter verfolgt wird, muss sich die ÖVP bei den Wahlen 2013 über Platz 3 wahrscheinlich sogar freuen.

* Nein, ich habe nichts gegen Landwirte. Das Wort ist an den Spruch “Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht” angelehnt, und auch das nur der Gebräuchlichkeit wegen ;)

Creative Commons Licensephoto credit: alex.wright

Weitersagen & Bookmarken:

8 Kommentare

  • Am 15. März 2009 sagte Thomas:

    Ich denke der dritte Platz ist abgesichert, da dass BZÖ bis 2013 mit der FPÖ zusammengehen wird, und die Grünen nicht mehr ins Parlament kommen. Nur eine (unwahrscheinliche) neu Partei könnte den gefährden.

  • Am 15. März 2009 sagte Georg Pichler:

    und die Grünen nicht mehr ins Parlament kommen

    Wieso? Hat man was von einer 15%-Hürde läuten gehört?

  • Am 15. März 2009 sagte sohalt:

    Es ist in Zeiten der !!WIRTSCHAFTSKRISE!! widersinnig, dass man den Manager zum Bösen macht, wenn es der Firma schlecht geht. Klar tragen die Manager die Verantwortung aber dass es z.B. Autozulieferern jetzt schlecht geht, dafür können sie wohl wirklich nix, oder? Grundsätzlich sollte der Staat nie darüber diskutieren, ob er die Gehälter von irgendwem kürzen soll oder nicht – da wird eine Büchse der Pandora aufgemacht. Das ist einfach nicht die Aufgabe des Staats, seine Aufgabe ist es, Firmen, die schlecht geführt werden Konkurs gehen zu lassen.

    @Thomas: Diese Theorie mit den Grünen hab ich ja insgeheim auch, ich geh aber davon aus, dass sie erst bei den übernächsten Wahlen rausfallen und dass es in ca. 10 Jahren keine signifikanten Grünparteien mehr im deutschsprachigen Raum gibt. Das ist aber eher uninteressant, interessant wird, ob die FPÖ/BZÖ Platz 1 haben wird oder nicht. Die Daily Mail berichtet jedenfalls schon vom Aufstieg des Faschismus in Österreich.

  • Am 15. März 2009 sagte SaschaP:

    Also die Grünen kommen sicher noch rein, sofern sie sich nicht bis dato in ihre Bestandteile auflöst ;)

  • Am 16. März 2009 sagte oekonomised.blogspot.com/:

    Warum wird soviel über Managergehälter diskutiert. Umverteilt wird doch eh mit dem Steuersystem & da wäre der Grenzsteuersatz das bessere Instrument.
    Nicht dass ich Mitleid mit den Managern hätte oder so, aber die Diskussion hängt sich an einem Detail auf dem dadurch soviel politische Priorität gegeben wird, dass Wichtigeres gar nicht mehr durchkommt.
    Nicht nur deshalb – aber auch deshalb – haben die heutigen SPÖ und ÖVP noch soviele wähler & BZÖ FPÖ immer mehr.

  • Am 16. März 2009 sagte Georg Pichler:

    Es wäre durchaus Aufgabe von Managern gewesen, einigermassen vorausschauend auf eine Wirtschaftskrise zu reagieren. Sie sollten über die wirtschaftliche Entwicklung ja besser informiert sein als der Durschnittsbürger und hätten Maßnahmen treffen können, sogar müssen. Genau die Autoindustrie war “fällig” für einen solchen Crash, weil trotz aller Vorzeichen aber auch Chancen durch technologische Fortentwicklung vieles verabsäumt wurde. Sonst könnte man sich kurzfristige und -sichtige Maßnahmen wie Verschrottungsprämien nämlich sparen ;)

    Ich habe übrigens herausgehoben, wie die ÖVP allein auf einen Diskussionsvorschlag reagiert, das heisst nicht zwingend dass ich die Idee gut finde. Ich sehe staatliches Eingreifen in Gehaltsverteilung ausserhalb von Staatsbetrieben auch als durchaus heikel. Ich gebe aber zu bedenken, dass hier einiges falsch läuft wenn in Vorstandsetagen teilweise immer noch fleißig das ohnehin hohe Gehalt erhöht wird (selbst ein Inflationsausgleich ist bei einem Millionensalär in diesen Zeiten schon viel), während die einfache Belegschaft in Kurzarbeit geschickt oder gar en masse entlassen wird. Da stellt sich mir die Frage, ob das Steuersystem tatsächlich dafür geschaffen ist, auch in Situationen für Ausgleich zu sorgen, wo die “Elite” des freien Marktes sehenden Auges prekäre Lagen schafft. Das es anders ginge bewies letztens ja der Postbankchef, selbst mit dem Entfall eines ganzen Jahresgehalts (ich bin weit davon entfernt das von jedem Spitzenmanager zu verlangen) nagt man dort noch lange nicht am Hungertuch. Warum wird dann dort oft noch erhöhrt, während jene, die zumeist jeden Monat hart drum kämpfen das ihnen was übrig bleibt zum auf die Seite legen, beschnitten werden?

  • Am 16. März 2009 sagte Andreas Lindinger:

    Was für Managergehälter hergehört ist ein mittel-/langfristiges, auf ökonomische, ökologische und soziale Ziele ausgerichtetes Bonussystem zusätzlich zu einem realitätsnahen Grundgehalt. Mit kurzfristigen, oktruierten Gehaltskürzungen durch die Bank schadet man in der Krise leider jenen, die die Unternehmen wieder aus der Krise führen während die eigentlichen (Mit-)Schuldigen mit einem blauen Auge samt golden Handshake davongekommen sind. Bei Banken/Unternehmen, die staatliche Hilfe bekommen, sind vernünftige Gehaltsbeschränkungen hingegen natürlich legitim, da es sich um Steuergelder handelt.

  • Am 16. März 2009 sagte kritikus.at:

    Irgendetwas gehört bezüglich der Managergehälter auf jeden Fall gemacht. Diese muss man der Höhe wegen schon teilweise als obszön betrachten. Außerdem kann es nicht gut sein, wenn sich gehaltsmäßig Regierungschefs und Präsidenten gegenüber Konzernmanagern als “Armutschkerl” ausnehmen. “Wer zahlt, schafft an”, heißt es im Volksmund und in unserer monetären Gesellschaft ist es auch so, Deshalb strahlt ein Konzernanager zZt auch mehr Macht aus (meistens hat er sie auch tatsächlich), als ein Regierungschef. Nicht zuletzt deshalb sind wir ja dort, wo wir sind… :)

    Dass die ÖVP dagegen nichts tun will, scheint für manche einleuchtend. Aber auch die SPÖ macht nicht wirklich etwas. Ein paar zaghafte Statements waren bis jetzt alles in der Richtung. Bei so viel “Engagement” braucht sich die FPÖ dZt nur zurücklehnen, der Kanzlersessel rückt auch so immer näher- und nichtmal Ausrutscher wie die Forderung nach Waffen für jedermann können da was ändern.

    Und für die Grünen schaut es sowieso trieste aus. Den Professor haben sie abmontiert und zudem hat man keine Themen zur Hand. Die Randthemen, auf denen die Grünen seit jeher herumreiten, gehen den Leuten in Krisenzeiten vollkommen am Arsch vorbei und zudem hat man sich beim Umweltthema in eine Sackgasse verrannt (man denke nur an die Wasserkraft). Wenn die Grünen nicht bald die Kurve kriegen, müssen sie bei der nächsten Wahl wirklich um den Einzug in den NR zittern.

SPEAK UP!

Verfasse einen Kommentar oder schicke einen Trackback von deiner Seite.

RSS: Abonniere die Kommentare zu diesem Artikel.

Du kannst folgende Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*Pflichtfeld