NVP-Watch

NVP: Gedichtsstunde mit Karl Horst Halbwachs

Kurz vor dem zu erwartenden Verbot der 1. Mai Demo in Linz (jene in Braunau, die von der NVP immer noch auf der Vorschaltseite zu ihrer Homepage beworben wird, wurde ja bereits untersagt) schickt die rechtsextreme “Nationale Volkspartei” ihren Bildungsbeauftragten Karl Horst Halbwachs zum Texte schreiben. Zwei Gedichte wurden kürzlich publiziert. Das erste ist nur insofern erwähnenswert, als dass es auf Österreich referenziert, Begriffe wie “Systemmedien”, “Sozis” und “Gutmenschen” enthält, aber als Quelle Spiegel Online – allerdings ohne Verlinkung -  angegeben wird. In den spiegel-eigenen Veröffentlichungen vom 5. April 2009 konnte ich es nicht finden. Ob sich da wer Glaubwürdigkeit erschummeln will?

Bemerkenswert ist dann das zweite Gedicht, das Karl Halbwachs vermutlich selber geschrieben haben dürfte. Immerhin prangt sein Name unter dem Artikel, und für den Reim ist kein anderer Urheber angegeben. Sehen ihn wir uns das mal näher an…

Der Meinl 39 Stunden im Häfen sitzt-
manch Bankknecht nicht schlafen kann und Blute schwitzt!
Und dann 100 Millionen Kaution
wacht der Bürger nicht auf, bei so viel Hohn?
Aber eben, denn „Bürger“ kommt von „bürgen“
darum lässt sich der Duckmäuser so gerne von der Obrigkeit würgen!
Habsburggeschädigt

Sehr schnell geht es los mit der üblichen Schwarz-Weiß-Malerei und der Erzeugung eines diffusen “die da oben”-Begriffs als Feindbild. Soweit nichts besonderes.

Tust du die heimischen und internationalen
Bankster sowie die Systemgestalter beim Namen nennen
pass auf – da darfst die net verrennen!
So schnell kannst gar net schaun igit, igit
scho bist du a Antisemit!

Ja hupps, was haben wir denn da? “Banker und Systemgestalter beim Namen nennen” und schon ist man ein Antisemit? Logisch gefolgert würde dies bedingen, dass die “genannten” Bösewichte jüdischer Herkunft sein müssen, sonst könnte man bei ihrer namentlichen Nennung nicht als Antisemit abgestempelt werden. Die NVP glaubt also immer noch an die ominöse “jüdische Weltverschwörung” und findet sich damit in passender Gesellschaft bei Rechtsextremen.

Ich überspringe zwei Absätze und lande hier:

Die Armen dürfen sich kurz vor dem Abfallhaufen
beim Sozialmarkt ums billige Fressen raufen!
(Allein in Wien sind 200000 Menschen Sozialmarkt berechtigt)
Und wir, wir werden stigmatisiert durch einen privaten Verein
(DÖW) und die guten Menschen
und unsere Volkszertreter fallen darauf herein!

Hier schlüpft die NVP in die Opferrolle indem sie zuerst auf einen schlimmen Zustand verweist und die Armen hervorhebt und direkt danach auf sich selbst (“Und wir, wir werden stigmatisiert…”) zeigt. Ob die 200.000 Sozialmarktberechtigungen stimmen war momentan nicht nachprüfbar. Im Mai 2008 eröffnete der erste dieser Märkte in Wien, daher kommt mir die Angabe hinsichtlich der zeitlichen Entwicklung ziemlich hoch vor. Dies allerdings ändert nichts daran, dass Halbwachs hier eine Gleichstellung zwischen Armut/Armutsgefährdung und der berechtigten Bezeichnung der NVP als “rechtsextrem” vornimmt.

Dazu ein kleiner Exkurs: Unter dem Artikel auf DerStandard.at, in dem auf das Verbot der Braunau-Demo hingewiesen wurde, postete der Kommentator “suboptimal” folgenden Hinweis:

haha …. aus dem “Lehrplan für die weltanschauliche Erziehung in der SS und Polizei”

NVP-Programm = WÖRTLICHES Zitat – Kapitel IV.

Das Volk

“Das Volk als Fortpflanzungsgemeinschaft ist verpflichtet uns zur Achtung vor den erbbedingten
Werten der völkischen Substanz (dem Volkstum).”

und verwies dabei auf eben jenes Dokument als Quelle (pdf). Im Programm jener Partei, die sich selbst für “die neue Mitte” hält, finden sich also 1:1 Zitate aus einem SS-Bildungsplan. Man darf gratulieren, eine solche Offensichtlichkeit ist selbst für derlei Kaliber eklatant blöd.

Weiter im Gedicht, wiederum ein paar Absätze später:

Die Nationale Volkspartei
ein Verein von lauter Rechtsextremen
fremdenfeindlichen Rassisten sei!
Sie schreien nach Verbot,
in der Stunde ihrer größten Not!
Es mag ihnen wohl gelingen,
ihren (sic!) gerechten Schicksal werden sie nicht entrinnen!

Bei der NVP rechnet man offenbar selbst schon mit dem Verbot. Wenig überraschend, denn es wäre nicht das erste mal, dass dieses Schicksal eine Initiative ereilt, welche im Zusammenhang mit Robert Faller steht.

Weitere drei Zeilen und eine Forderung nach einem Zinsverbot später lese ich dies:

An alle „Professoren“ die das hören und lesen
an den Schulverbildungsfernen (sic!) Schichten
wird die Welt genesen!

Denn all die Kapazunder
mit ihren Titeln, Orden, Logen und sonstigen (sic!) Plunder!
Die Eliten, die “Master of Desaster“
sie brockten uns in ihrer Gier das Elend ein
auslöffeln muss es das bildungsferne und verbildete österreichische
und ausländische arme Schwein!

Dass ausgerechnet jenes Wort, welches einen ausgeprägten Bildungshass im ersten Absatz manifestiert, fälschlicherweise groß geschrieben wurde, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Hinzu gesellt sich Halbwachs’ Kampf gegen den dritten Fall im Stile eines “Schneckerl” Prohaska, bloß weniger liebenswert. Es erinnert mich außerdem an die Forderung der NVP, “Lagerschulen” und getrennte Kindergärten für Migrantenkinder einzurichten. Verpflichtende Deutschkurse für rechtsextreme Eltern sind vermutlich deutlich zielführender im Kampf gegen kindliche Sprachdefizite.

Und dann wäre noch der obligatorische, letzte Absatz, dessen erste Zeile ein Teil von Max Schneckenburgs “Die Wacht am Rhein”, ein Titel eines Udo Jürgens Liedes und der Name eines Buches von Johannes Mario Simmel ist.

Lieb Vaterland magst ruhig sein-
denn die Lösung, sie liegt auf der Hand,
es ist die Nationale Volkspartei für unser Land!

Ja, ganz bestimmt :)

Werte Leser! Ich bin immer auf der Suche nach Informationen und Neuigkeiten zur NVP. Wer weiterhelfen kann und möchte, schickt sein Material bitte an die neu eingerichtete Email NVP-watch (at) rigardi.org. Selbstverständlich wird allen Hinweisenden absolute Anonymität garantiert.

Weitersagen & Bookmarken:

5 Kommentare

  • Am 7. April 2009 sagte aishebehcet747:

    Autsch. Inhaltlich hat Georg das Geschwurbel ausreichend kommentiert, aber was gar nicht geht, ist das Halbwachs´sche Versmaß bzw. was er darunter zu verstehen scheint. Ein Gerumpel sondergleichen, man wähnt sich beinahe als virtueller Beifahrer auf des Hödlmosers Waffenrad in Reinhard P. Grubers “Aus dem Leben Hödlmosers”.

    Also, lieber Herr Halbwachs, der Sie hier mit Bestimmtheit einer kritischen Würdigung Ihres “Meisterwerkes” harren : http://de.wikipedia.org/wiki/Versma%C3%9F oder – einfacher – bei Martin Wolfs gereimten Winden abspranzen. Dann wird´s das nächste Mal nicht ganz so peinlich. Obwohl ….. ;-)

  • Am 7. April 2009 sagte stadi:

    Lieber Hr. Pichler, bin gerade eben auf diese Seite gestoßen und muss schon sagen: echt tolle sache!
    also diese gedichte des halbwachs sind ja an lächerlichkeit wirklich kaum zu übertreffen. aber: wenn sie schon das nvp-hauptschuldeutsch anprangern, dann bitte auf die eigene korrekte schreibung achten. sollten es auch nur tippfehler sein – es macht die glaubwürdigkeit ihres artikels zunichte.

    Bei der NVP rechnet man offenbar selbst schon mit dem Verbot. Wenig überraschend, den (sic!) es wäre nicht das erste mal, dass dieses Schicksal eine Initiative erielt (sic!), welche im Zusammenhang mit Robert Faller steht.

    das ist nur ein absatz, es befinden sich mehrere solche fehler im gesamten artikel – bitte korrigieren!

  • Am 7. April 2009 sagte Georg Pichler:

    Danke für den Hinweis. Es handelt sich in der Tat um Tippfehler. Der Artikel wurde um ca. 3 Uhr in der Nacht verfasst und ging ohne Korrekturlesung online. Werde selbiges nun nachholen.

  • Am 7. April 2009 sagte stadi:

    ich möchte mich echt nicht als oberlehrer aufspielen, aber in hinsicht auf die dativ-verleugnung des halbwachs bitte auch hier nachbessern:

    Sehr schnell geht es los mit der üblischen (sic!) Schwarz-Weiß-Malerei und die (sic!) Erzeugung des “die da oben” als Feindbild.

    die seite ist echt super, hab mich jetzt beim durchstöbern der informativen artikel teilweise auch köstlich amüsiert. leider gibt es ja auf der nvp-eigenen homepage (bzw. heimatseite) keine möglichkeit zu kommentieren – wahrscheinlich aus gutem grund.
    umso mehr freut es mich, dass die nvp-news hier kritisch hinterfragt werden. weiter so!

  • Am 15. April 2009 sagte A.u.W.:

    Hab gerade die Perversionen von Schrögendorfer auf http://www.fallerfront.com gelesen. Man das ist ja schlimm mit der NVP