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Was gegen Tony Blair spricht

tony-blairNun wird Tony Blair also doch nicht das Amt des EU-Ratspräsidenten bekleiden dürfen; jenes Amt, das mit dem Reformvertrag geschaffen werden soll und dessen tatsächliche Wirkungskraft sich wohl eher auf das organisieren und delegieren von Ratstreffen beschränken dürfte. Dass Blair diesen eher symbolisch machtvollen Posten nun nicht für sich in Anspruch nehmen darf, hängt zum einen mit der dann doch nicht so prononciert hervorgebrachten Unterstützung seitens seines Protegés Nicolas Sarkozy und der gleichzeitigen – in typischer Merkel-Manier vorgetragenen – eher stillen Ablehnung der deutschen Bundeskanzlerin zusammen.


Zum anderen aber eben auch wegen dem EU-typischen Ämterproporz, der nach einem vermeintlich ausgeklügelten Parteienfamiliensystem vonstatten geht. Die sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament signalisierte schon frühzeitig, einen Tony Blair nicht goutieren zu wollen und darüber hinaus eher auf das Amt des Hohen Beauftragten für Außenangelegenheiten, der auch der künftige Vize-Kommissionchef sein soll, zu schielen.

Dass Tony Blair verhindert werden konnte, ist für die Europäische Union eine gute Nachricht. Dafür sprechen erstens rein an seiner Person festzumachende Argumente. Der ehemalige britische Premierminister war einer der größten und lautstärksten Befürworter des Irak-Krieges (wie übrigens auch der amtierende und wiedergewählte Kommissionspräsident Barroso) und spaltete mit seinem zunächst einsamen Beschluss (Unterstützung der USA) die Europäische Union.

Die letzte britische Ratspräsidentschaft unter seiner Führung war ein Chaos, weil Blair schlecht vorbereitet war und er freimütig zu signalisieren wusste, von den EU-Interna nicht so recht  Ahnung zu haben. Tony Blair ist nicht zuletzt ein Selbstdarsteller, der zwar über charismatische, auch rednerische Vorzüge verfügen mag, gerade im Vergleich zu den ebenfalls für diesen Posten gehandelten  Kandidaten Jan-Peter Balkenende oder Wolfgang Schüssel, gleichwohl aber für den eher spröde, aber effektiv arbeitenden EU-Apparat eine glatte Fehlbesetzung gewesen wäre – eben weil das Amt des Ratspräsidenten eher dekorativer Natur ist.

Gegen Blair sprechen aber auch ganz andere Gründe: Er verfügt über kein sehr sozialdemokratisches Profil, er ist wirtschaftspolitisch eher im marktfreundlichen EU-Mainstream beheimatet. Mit der Finanzkrise im Rücken, wäre einer der repräsentativ gesehen höchsten Posten der Europäischen Union mit einem Tony Blair schlecht besetzt gewesen. Die EU braucht nun Führungsfiguren, die ein klar konturiertes soziales Profil aufweisen.

Gegen den zum Katholizismus konvertierten, und neuerlich gegen den Säkularismus anredenden Blair, spricht aber auch der profane Grund, nach dem es zweifelhaft bleibt, ausgerechnet einen Briten auf eines der höchsten EU-Ämter zu hieven. Einem Land, das nicht Mitglied der Euro-Zone und des Schengen-Raumes ist, dessen Oppositionsführer und kommender Mann in der Downing Street, David Cameron, seit Jahren schon gegen das Projekt Europa wettert und den Reformvertrag für Gift hält, auf diese Art eine „Reverenz“ zu erweisen, wäre schlicht nicht vermittelbar.

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