Dienstag, 24. November 2009 - 05:46 Uhr

Eine Replik an Andreas Unterberger

Da dieser Kommentar zum Artikel “Schwulenehe: Die miesen Tricks” auf Amdreas Unterbergers Homepage dort leider permanent vom Spamfilter gefressen wird, veröffentliche ich ihn als Replik ausschließlich hier.

Vor allem moralisch gäbe es an diesem Textwerk noch viel mehr zu beanstanden, ich habe mir jedoch die offensichtlichsten Fehlgriffe herausgesucht und mir erlaubt, diese zu kommentieren.

“Wenn auch in den Arbeitskreisen der Perspektivengruppe – auf die sich Pröll nun gerne beruft – war keineswegs die Schwulenehe, mit welchem Tatort immer, vorgeschlagen worden.”

Wunderbar. Gleich am Anfang der Vergleich des Ortes einer Homo-Eheschließung mit einem Tatort (der Ort, an dem ein Verbrechen begangen wurde). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

“Gespannt darf man insbesondere auch sein, wenn Geschwister oder nichtschwule Freunde erstmals für sich die Privilegien der Homo-Ehe einklagen werden. Mit welcher Begründung will man diesen Gruppen dann plötzlich ein Njet entgegensetzen? Nur weil sie nicht sexuellen Verkehr haben?”

Dieser abstrusen Argumentation folgend hätten ja Bruder-Schwester-Paare den Standesämter ja schon bisher die Türe einrennen müssen. Ist nur nicht passiert, also liegt Unterberger schlichtweg falsch oder strebt einen ziemlich direkten Vergleich zu Inzest heranziehen?

“Sehr teuer wird Österreich auch der künftige Anspruch homsexueller Witwer und Witwen auf eine Hinterbliebenenpension kommen. Diese bekommt man ja, ohne dass es Kinder gibt, und ohne dass nur ein Cent zusätzlich ins Pensionssystem einbezahlt worden wäre.”

Was machen wir jetzt mit Hetero-Ehen, aus denen keine Kinder hervorgehen – aus welchem Grund auch immer? Auflösen? Einsperren? Scheiterhaufen?

“Für viele Österreicher bleibt jenseits aller ökonomischer Erwägungen aber auch der schon laut gefeierte Triumph der homosexuellen Szene ein Problem. Denn zweifellos hat ihr von Rot-Grün-Schwarz unterstütztes Auftreten und erst recht die Homo-Ehe propagandistische Züge, die nicht wirkungslos bleiben werden.”

Wen hat Herr Unterberger da gefragt? Sich selbst und ein paar Freunde und Verwandte? Wie ich dem OTS vom 14. November zu einer erst vor kurzem in Profil veröffentlichten Umfrage entnehmen, sind 45% der Leute für eine standesamtlich geschlossene Homoehe, 17% für eine Eintragung bei Magistrat bzw. BH. Dies heißt fast zwei Drittel pro Homoehe und in der Umfrage lediglich 16% dezidiert dagegen.

Wer sind jetzt also die “vielen Österreicher”? Ist die Gesellschaft möglicherweise weiter, als Sie denken oder gar hoffen?

Und: Das Einfordern von Gleichberechtigung ist immer so furchtbar laut und “propagandistisch”, weils sonst nicht gehört wird.

“Es gibt nämlich noch immer keinen einzigen Beweis für ein Homosexualitäts-Gen, aber sehr viele statistische Beweise für psychosoziale Zusammenhänge, die zur Homosexualität führen. Daher gilt zweifellos auch: Je positiver sich die Gesellschaft zur Homosexualität stellt, umso häufiger wird es sie geben.”

Dem möchte ich mit einer Umformulierung entgegnen:
“Es gibt kein Homophobie-Gen, aber sehr viele statistische Beweise dafür, dass Andreas Unterberger homophob ist. Je positiver sich also die Gesellschaft zu Andreas Unterberger äussert, destohomophober wird sie.” Abgesehen davon, dass eine Gesellschaft, die sich zu Ihren Statements positiv äußern würde bereits homophob ist und es nicht mehr werden braucht: Ich hoffe, ein wenig Zynismus macht deutlich, was ich meine.

“Und auch in Hinblick auf die Tatsache, dass die Gesellschaft dringend mehr Kinder braucht, ist die einschlägige Pro-Schwulen-Propaganda durch die Frauenbergerinnen dieses Landes mehr als kontraproduktiv.”

Die Geburtenquote hat sich in den letzten Jahrzehnten auch ohne Homo-Ehe “eher schwach” entwickelt. Worauf also gründet bitte ihre seltsame These? Werden Heteros enthaltsam, wenn Homosexuelle heiraten dürfen? Gibts da auch “statistische Beweise” dafür?

Wo sind überhaupt irgendwelche seriösen Quellen für ihre Behauptungen? Und wie stehen Sie zu Homosexualität insgesamt, nachem Sie sie ja implizit zu einer psychosozialen Störung erklären?

In Erwartung einer ausführlichen Antwort,

mfG
Georg Pichler

Vielleicht interessiert dich auch...

  1. Replik an Karin Hakl: Über Schmutzkübel, Substanz und Sprachdefizite
  2. Religiöse Fundamentalisten oder konservative Wertepartei?
  3. Wie "Die Christen" Gerhard Maria Wagner retten wollen

Kommentare

6 Reaktionen zu “Eine Replik an Andreas Unterberger”

  1. Kraut sagt 21. November 2009

    Die Ausführungen von Andreas Unterberger sind stets zu überprüfen, vor allem dann, wenn Andreas Unterberger sich auf Studien bezieht:
    http://bernhardkraut.wordpress.com/2009/10/27/andreas-unterberger-liest-den-freiheitlichen-dankend-eine-studie/

  2. Oliver sagt 21. November 2009

    Hallo Georg,

    danke für deine Klarstellung. Auch ich musste eine Entgegnung zu den ganzen (haltlosen) Ausführungen von Herrn Unterberger verfassen. Bei Interesse:
    http://www.thinkoutsideyourbox.net/?p=8395

  3. uberVU - social comments sagt 21. November 2009

    Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by rigardi: Neu auf Rigardi.org: Eine Replik an Andreas #Unterberger http://is.gd/507C3 @a_unterberger #homoehe…

  4. tartaros sagt 21. November 2009

    ich glaub, die herren hier wollen sich nur wichtig machen mit “noch a sinnloser blog, den keiner braucht”

  5. Georg Pichler sagt 21. November 2009

    “Die Herren”? Ich dachte Unterberger betreibt seinen Blog allein?

  6. Top 20 News in Austria at MrHuddle for 2009-11-21 sagt 23. November 2009

    [...] Media, Blogs, Web 2.0 und mehr – English Native Knallgrau > English Native: 4 Likes Rigardi.org – Politik kommentiert » Eine Replik an Andreas Unterberger Kommentare zu Gesellschaft, Politk und Medien in Österreich und Deutschland. Ansichten und [...]

Jetzt kommentieren!




Kommentare unterliegen den Bedingungen des Disclaimers!

blank info