Der Umgang hierzulande mit der Schweizer Minarettsabstimmung (die der EMRK zu Folge streng genommen gar nicht hätte durchgeführt werde dürfen, aber die relevanten Parteien abseits der SVP wohl niemals mit einem solchen Ergebnis gerechnet hätten) ist – nett gesagt – fragwürdig. Das Strache Minarette in Österreich lieber heute als morgen verbieten würde, ist dabei nicht die Überraschung. Dass Uwe Scheuch auf diskriminierende Kärntner Bauverordnungen stolz ist, auch nicht. Und Faymann liefert mit richtigen, aber wie üblich sehr verwaschenen Aussagen ebenso nicht den “Big Surprise”. Traurig, was man mittlerweile als Normalität hinnehmen muss.
Geradezu erfrischend bricht da Maria Fekter aus dem Standbild aus, nur leider in die komplett falsche Richtung. Dass ich sie für schwer unqualifizert halte, ist kein Geheimnis. Dass aber einer Innenministerin wirklich nichts besseres einfällt als “Ich höre auch lieber die Kirchturmglocken als den Muezzin”, ist für ein westliches, demokratisches Land nur mehr zum Fremdschämen. Warum ein Minarettverbot auch auf dem Wege einer Volksabstimmung noch lange nicht demokratisch ist, hat übrigens Kollege Schaffer aufschlußreich zusammengefasst.
Wohin wir uns begeben, wenn wir uns auf das gehässige Spiel mit der Angst einlassen, ist derzeit live im Facebook zu beobachten. Die österreichische Anti-Minarettgruppe hat in kürzester Zeit bald 3.000 Mitglieder gefunden. Eine zweite, initiiert von der rechtsextremen (und mMn neonazistischen) NVP in wenigen Stunden 130. Was beide neben dem Inhalt eint, ist das Titelbild: Ein Minarett, im Vordergrund eine Frau in Burka. Und da sind wir schon beim Kern.
Es ist SVP & Co tatsächlich im öffentlichen Diskurs gelungen ist, ist die Verbindung des Islams mit Angst vor kultureller Bedrohung zu wecken, obwohl nur ein Bruchteil der Bedrohung existiert. Die Fundamentalisten unter den Moslems sind klar ersichtlich in der Minderheit, die Mehrheit ist progressiv bis wertkonservativ, aber nicht extremistisch. Was aber völlg egal ist, wenn die nötige, definitorische Grenze zwischen “Moslem” und “Islamist” in der Wahrnehmung schwindet.
Ich fürchte, beide Begriffe werden mittlerweile oft ähnlich asoziiert: Burka, Hassprediger, Scharia, Demokratiefeindlichkeit, Steinigungen, Terror, 9/11. Und mittendrin das Minarett.
Nun ist das Minarett Teil einer Moschee als moslemisches Gotteshaus. Wie unsere Kirchen von Christen, auch wenn die Organisation dort anders funktioniert, werden Moscheen von gläubigen Moslems besucht um dort religiöses Lernen und Riten zu praktizieren. Dass unter den Betenden auch der oder die eine oder andere zu finden sein wird, die mit westlichen Werten nichts anfangen können, ist nicht zu verhindern. Das Fehlen eines Minaretts wird daran nichts ändern, sondern höchstens jene Moslems verärgern, die hier integriert und in Einheit mit Staat und Gesetzen leben. Bei einem Minarettverbot gibt es nichts zu gewinnen, sondern nur zu verlieren. Wer meint, mit einem Minarettverbot irgendwas gegen eine herbeigeredete “Islamisierung” zu tun, liegt grundfalsch.
Jetzt tut zB. die FPÖ stets so als würde sie zwischen “guten Moslems” und “bösen Moslems” unterscheiden. Dass diese Differenzierung aber nichts anderes als wahltaktische Heuchelei ist, beweist ihr Zuspruch zum Schweizer Votum. Sollte sich Strache, der in letzter Zeit ja gerne mit dem hochgehaltenen Kreuz vor sich herumfuchtelt, jemals gegen fundamentalistische Christen aussprechen – die es zweifellos gibt – müsste er seiner eigenen Logik folgend den genauso sinnlosen Abriss von Kirchtürmen propagieren.
Das Problem ist nicht der Bau von Moscheen mit Minarett. Auch nicht, ob der Muezzin schreit. Sondern was der Muezzin schreit und was in einem islamischen Gotteshaus gelehrt wird. Hier muss es das gesellschaftliche Interesse sein, den moderaten Gläubigen die Vormacht über die Lehre ihrer Religion in Österreich zu geben. Hier muss eine inhaltliche, entsymbolisierte Debatte geführt werden, doch wer so etwas sucht ist bei der FPÖ selten an der richtigen Stelle.
Was aber nicht nur Seitens der “Blauen”, sondern auch von der Regierung gemacht wird ist, dass ständig nur kommuniziert wird, welche Art von Moslems nicht hierher passen – auch wenn oft genug eigentlich Islamisten gemeint sind. Ob absichtlich oder nicht spielt man falsche Spiel der noch falscheren Definition mit und den Freiheitlichen damit in die Hände. Dass hier ein Minarettverbot rechtlich wahrscheinlich nicht machbar ist, wird dabei völlig irrelevant.
Was wäre denn so schwer daran, öffentlich ein paar islamische “Role Models” zu propagieren und viel klarer und öfter zu sagen, wie man sich das im positiven Sinne vorstellt?
Die Schwierigkeit ist einfach zu benennen. Solange die eine Partei lieber allwöchentlich den Angst-Schmiedel zum Angst-Schmied Strache gibt und die andere in ihrem Delirium nicht weiß wo sie hin will und “vorsichtshalber” den Zuseher macht, gibt es für offensive, mutige Migrations- und Integrationsideen keinen Platz.
Stattdessen navigieren wir immer tiefer in einen rechten Teufelskreis, aus dem wir ausbrechen sollten. Je früher, desto besser.





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