
Es hat nicht lange gedauert. Das Audimax wurde geräumt und die ersten Verfechter jener Partei, die hauptamtlich die prekären Studienbedingungen verschuldet hat, frohlocken. Das zeigt zwar einmal mehr ein fragwürdiges Sittenbild, von #unigeloescht kann aber keine Rede sein.
Versteht mich nicht falsch: Ein Ende in dieser Form war zu befürchten. Wenn Rektor Winckler in den Newsletter schreiben lässt, dass nach der Besetzung (ob die Tür tatsächlich offen war oder nicht, mag ich nicht beurteilen) der für den Umzug des Protests geplanten Büroräume bzw. deren Räumung die Protestbewegund in eine konstruktive und radikale Fraktion zersplittert wäre, hat er womöglich nicht ganz Unrecht. Trotzdem war der Räumungsgrund offiziell die Sicherheitslage mit Bezug auf die Obdachlosen, an deren Validität ich zumindest zweifle. Die von Niko Alm vorgeschlagene Abschlussparty mit schwelender Drohung, jederzeit wiederkommen zu können, wäre mir freilich lieber gewesen und hätte vielleicht auch so stattgefunden, hätte man bis Weihnachten zugewartet.
Im kleineren, nach wie vor besetzten C1 hat die Bewegung die Chance, wieder zu konstruktiven Kräften zu kommen, die sich nicht in Massenanwesenheit ausdrückt. Ohne sich alle Anliegen der Welt aufzubürden, ohne Obdachlosen. Deren Verbleib im Audimax über die letzten paar Wochen hat deutlich genug gezeigt, dass die Stadt Wien gefordert ist Lösungen zu schaffen, insbesondere wenn die Aussentemperaturen im zweistelligen Minusbereich liegen. Mehr als die Problematik thematisieren konnte der Protest auch nicht. Man sollte sich fragen, warum heute unter anderem 80 Obdachlose geräumt wurden (ohne die Caritas vorher zu informieren) und wieviele mehr es in den Straßen Wiens aushalten müssen.
Das (vorläufige?) Ende der Audimaxbesetzung war freilich etwas unrühmlich heute, von beiden Seiten. Bedenkt man, dass auch die Besetzer bis Weihnachten ohnehin eine Lösung im Sinne einer Freigabe finden wollten, kommt man aber nicht umhin, dem Rektorat den Bruch der eigenen Zusicherung vorzuwerfen – vermutlich auf politischen Druck. Bis zu den Winterferien hätte ohnehin noch das AustriaCenter hergehalten, in den Weihnachtsferien gibt es keine Lehrveranstaltungen. Die “Lehrbetrieb”-Begründung gab es derzeit nicht. Wie die öffentliche Wirkung der heutigen Ereignisse sein wird, bleibt abzuwarten.
Wir alle, Gegner und Befürworter, müssen uns aber letztlich im Klaren sein, dass mit dem Audimax der Protest nicht gestorben ist, sondern nur ein Symbol weniger hat. Und das die Missstände im Bildungssektor nach wie vor existieren und von der Politik derzeit immer noch hauptsächlich verwaltet und kaum gelöst werden. Wenn sich daran nichts ändert, ist die nächste Besetzung vorprogrammiert.
Beitragsempfehlung: ZurPolitik.com – Das Audimax ist leer
photo credit: LorenzHausleitner





[...] This post was mentioned on Twitter by Georg Pichler, Michael Moser. Michael Moser said: RT @rigardi Neu auf Rigardi.org: Die #unibrennt immer noch, auch ohne #Audimax – http://is.gd/5wdZY [...]
[...] macht, gibt es keinen Grund aufzuhören! Erst recht nicht solange sich ein nicht standhafter Rektor vor diesen feigen politischen Karren spannen [...]
Ich denke persönlich dass ein Grund für die Räumung womöglich war dass sich einige von der Bewegung echt verzettelt haben. Ich zähl mal auf:
- Diese KriSU-Leute: Sie widersprachen am Ende doch den Forderungen, die Situation an der Uni zu verbessern, indem sie einfach sich einredeten: Wenns nicht auf die langwierige Arbeit mit Rektorat usw. geht, gründen wir halt unsere eigene Uni und besetzen mal ein weiteres Gebäude. Das ist unkonstruktiv gewesen und ließ die Besetzung in einem schlechten Licht stehen.
- Die Obdachlosenproblematik: Die Obdachlosensituation in Wien scheint nicht gut zu sein. Trotzdem heißt das nicht, dass es Aufgabe der Uni oder der Studierenden ist, sich um diese zu kümmern. Sondern Aufgabe der Stadt Wien. Ich glaube persönlich nicht, dass es keine Notunterkünfte für Obdachlose gibt, klar wird dort gestohlen gesoffen Drogen konsumiert usw… aber ein Hörsaal ist kein Obdachlosenasyl. Und wo wären die Obdachlosen hingegangen, wenn es keinen besetzten Audimax gegeben hätte?
- Statt sich zu fragen: Wie kriegen wir die Studierenden ins Boot, wurde ewig rumgestritten über alle möglichen Ideen. Seid froh, dass in Wien so viele sehr linke Studierende leben, in Salzburg fand sich bei meinen Beobachtungen nur ein Grüppchen aus den “üblichen Verdächtigen” der STV Politik, Soziologie und einiger politischer Aktivisten, die ab der 2. Woche aktiv mitarbeiteten, alle anderen (ich auch, was ich zugebe) wurden durch immer neue tw. sich widersprechende Entwicklungen, Forderungen usw. abgeschreckt, und dieses Grüppchen war in sich schon so spinnefeind gegeneinander, dass sie ihre Feindschaften OFFEN austrugen, die Polizei ewig ins Spiel kam usw., was das Bild der Besetzung in Sbg noch verschlimmerte. Schlechte PR ist heute ein Todesurteil.
- Die Leute, die meinten, sie besetzen den Audimax bis zum St. Nimmerleinstag. Die heutigen Studierenden wollen eine Verbesserung ihrer Studien- und später auch ihrer Arbeitssituation (nicht zum ewigen Praktikanten gestempelt werden z.b.) Diese Dinge kann man mit konstruktiven Forderungen und konstruktiver Mitarbeit mit Lehrenden und Rektorat vielleicht teilweise durchsetzen. Was die Mehrheit der Studierenden nicht wollen, nicht verstehen und ablehnen sind utopische Forderungen wie ein Ende des Kapitalismus und ähnliches. Wer sich auch das auf die Fahnen schreibt, muss sich nicht wundern wenn am Ende nur die übrig bleiben, die leider die Verlierer dieses Kapitalismus waren (was ich auch nicht schön finde, aber das Problem müssen die lösen, die es erzeugt haben, nicht die Studierenden.) Und wenn dann solche Forderungen von Leuten gemacht werden, bei denen bei vielen das Gefühl entsteht, dass sie nur aus Spaß an der Freude mal eben das Audimax für immer sperren wollen, sollte es keinen wundern wenn diese zu “Studieren statt Blockieren” abwandern.
Erstere gabs zwar auch in Wien, die haben imo aber nie eine relevante Rolle gespielt. Letztere schon eher, die den Dialog halt verzögerten, weil sie dem Rektorat gegenüber komplett paranoid waren.
Aber: Beide konnten sich am ende nicht durchsetzen, die Lösung stand ja kurz bevor. Faktisch gab es fürs Rektorat keinen Grund zum Räumen, wenn man annimmt, dass das Sicherheitsproblem nicht gegeben war. Und dann muss man angesichts der vor einer Lösung stehenden Situation durchaus in Betracht ziehen, dass es politischer Druck auf den Rektor war.
@Georg Pichler: Naja, die Beendigung der Besetzung sollte nicht das Ende der Diskussion mit dem Rektorat bedeuten. Das wollen die ÖVPler doch. Georg Winkler sollte weiter mit euch reden.
Klar, ihr habt “nur noch” das C1 in den Händen, aber wenn man so will kann man sagen, dass die Räumung immer eine mögliche Option seitens des Rektorats war. Appelliert daran, dass die Beendigung der Besetzung nicht das Ende der Gespräche bedeuten darf, denn in einem gewissen Sinn wollen Rektorat und Studierende doch das gleiche: Mehr Geld und Freiheit für die Universitäten. Und ohne Audimax mag es zwar schwerer sein, die studentische Seite zu vertreten, da man weniger Druckmittel hat, aber es ist nicht unmöglich. Denn das Rektorat sollte nicht vergessen, dass die Studierenden schon aufgrund ihrer Masse eine Macht sind, mit der das Rektorat Verbesserungen für die Uni durchsetzen kann.
Die Uni Salzburg hat das übrigens verstanden, hat mit den Studierenden diskutiert obwohl sie sah, wie die Besetzung verläuft und dass man sie theoretisch aussitzen könnte, denn wie sonst hätten Rektorat und Universität Druck auf die Politik machen sollen?
Sprich: Die Mitarbeiter der Universitäten stehen mehrheitlich hinter den Forderungen und die meisten Studierenden lehnen die Forderungen auch nicht ab. Das kann man nutzen, auch ohne Audimax
solange es mal eine gibt ;)