NVP-Watch

NVP: Reinwaschen mit allen Mitteln

Dass sich die NVP stets bemüht die deutsche Wehrmacht zu glorifizieren ist nichts Neues und wird bei den anstehenden Verfahren wegen Wiederbetätigung gegen mehrere Mitglieder (der in U-Haft sitzende ‘Bundesjugendführer’ Aulabauer ist mittlerweile ausgetreten, der Parteikassier möglicherweise untergetaucht) vielleicht eine Rolle spielen. Neuerding betätigt sich die Partei auf ihrer Homepage mit Geschichtsrevisionismus und Blenderei. Dem afroamerikanischen US-Athleten James ” Jesse” Owens, der bei Olympia 1936 in Berlin mehrere Goldmedaillen einheimste, soll Hilter entgegen anderen Darstellungen doch die Hand gegeben haben und der wahre Auslöser des 2. Weltkriegs soll Josef Stalin gewesen sein. Beides ist nicht haltbar.

Hitler und der schwarze Olympionike

Ein mittlerweile 83-jähriger, deutscher Sportreporter namens Siegfried Mischner erklärt als Zeuge, dass Hitler dem Athleten hinter der Bühne doch die Hand geschüttelt hätte. Wohlgemerkt tut er das mehr als 70 Jahre danach, wo der mittlerweile verstorbene Owens nicht mehr befragt werden kann und ein angebliches Foto der Begegnung nicht auffindbar ist. Verifiziert ist allerdings nur Owens Zitat, er wäre in Deutschland besser behandelt worden als in den USA, in der es zu dieser Zeit noch die Rassentrennung gab. Für seinen Erfolg erhielt Owens weder Förderung von seinem College noch lud ihn Präsident Roosevelt ins weiße Haus ein – letzteres wohl aus wahltaktischen Gründen und dem Angst vor Stimmenverlust in den südlichen Bundesstaaten.

Neben der Handshake-Variante kursieren noch andere Versionen.

- Angesichts des Triumphs verließ Hitler das Stadion, ohne Handschlag

- Hitler war gar nicht erst anwesend. Dieser Variante liegt zugrunde, dass Hitler beschlossen hatte keinem Athleten zu seinem Sieg zu beglückwünschen, da ihn das olympische Kommitee wegen Verstoß gegen die Gleichbehandlung zurechtgewiesen hatte, als er am ersten Tag nur den deutschen Sportlern gratuliert hatte.

Es ist also keineswegs gesichert, dass der Handshake zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem “Neger” (Zitat NVP) Jesse Owens jemals stattgefunden hat. Die Partei stellt es aber als Faktum dar.

Fraglich ist nur, was man mit dem Artikel auf der Homepage aussagen will. Dass der Inhalt mit den politischen Forderungen der Partei nichts zu tun hat ist man ja gewohnt. Hitler als Ausländerfreund zu portraitieren wäre aber doch eher gegen die eigene Linie. Eher handelt es sich um einen erneuten Anpatzversuch gegen die Geschichtswissenschaft.

Stalin und der Ausbruch des Weltkriegs

Entgegen der bekannten Hergänge des Kriegsausbruchs soll sich dieser Variante nach Hitler vor einem Einmarsch der Westmächte gesorgt haben und nicht an einem Weltkrieg oder Feldzug gegen Polen interessiert gewesen sein – was den erwiesenen “Lebensraum im Osten“-Forderungen widerspricht.

Man bezieht sich dabei auf Uri Milstein, einen israelischen Militärhistoriker, der in Fachkreisen als “extrem in den Schlussfolgerungen” gilt. Er soll (ich habe diesbezüglich eine Anfrage losgeschickt, eine Antwort steht bis dato aus) für die “Deutsche Militärzeitschrift” einen Artikel mit derlei lautendem Inhalt verfasst haben. Seltsamerweise finden sich dafür nur einschlägige Seiten aus dem rechtsextremen und neonazistischen Spektrum als Quelle.

Der Titel “Deutsche Militärzeitschrift” hört sich zuerst einmal sehr offiziell an, vielleicht wie das offizielle Organ der deutschen Bundeswehr. Ein wenig Recherche fördert aber zu Tage, dass es sich um ein Druckwerk handelt, dass sich speziell an die Erlebnisgeneration des Zweiten Weltkriegs wie auch ehemalige Mitglieder der “Nationalen Volksarmee” (die Armee der DDR) richtet. Titel der jüngsten, auf der Homepage gelisteten Ausgabe: “Waffen-SS – Sie waren dabei”.

Die völlig selbstverständliche Tasache, daß Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg mit Millionen Soldaten, NSDAP- und HJ-Mitgliedern ihre Spuren auch in der Bundesrepublik Deutschland hinterlassen haben, wurde lange tot-geschwiegen. Ist die Zeit jetzt – 61 Jahre nach Kriegsende – reif dafür, offen aus-zusprechen, daß die Waffen-SS eine militärische Eliteeinheit war und daß es keine Schande ist, ihr angehört zu haben?

Beinahe müßig zu erwähnen, dass die deutsche Bundesregierung das Blatt als rechtsextrem einstuft. Inserenten sind etwas das “Ostpreußenblatt”, die “Junge Freiheit” oder die FPÖ-Zeitung “Zur Zeit”.

Folgt man den angeblichen Ausführungen Milsteins, so soll Stalin Hitler gedrängt haben, Polen anzugreifen um Deutschland von den Alliierten schwächen zu lassen. Dass der Bruch des Deutsch-Russischen Paktes seitens Hitler und das “Unternehmen Barbarossa” (der auch gemeinhin “Ostfront” genannte Russlandfeldzug der Wehrmacht) weder in Stalin vermuteten Plan noch in die von Revisionisten und Rechtsextremen gern gebrauchte Opferlogik passen, scheint weder die DMZ noch die NVP zu interessieren.

Zur Causa “Kriegsauslöser” und der Deutung der NVP ist es auch interessant, einen Blick in Hitlers politisches Testament zu werfen:

Es ist unwahr, dass ich oder irgendjemand anderer in Deutschland den Krieg im Jahre 1939 gewollt haben. Er wurde gewollt und angestiftet ausschliesslich von jenen internationalen Staatsmännern, die entweder jüdischer Herkunft waren oder für jüdische Interessen arbeiteten.

Dass viele Umdeutungen des Kriegsausbruchs nicht nur einen revisionistischen sondern auch einen ganz klar antisemitischen Hintergrund haben ist damit evident.

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2 Kommentare

  • Am 5. Januar 2010 sagte Tweets that mention Rigardi.org – Politik kommentiert » NVP: Reinwaschen mit allen Mittelnx -- Topsy.com:

    [...] This post was mentioned on Twitter by Georg Pichler, Werner Reisinger. Werner Reisinger said: RT @rigardi: Neu auf Rigardi.org: #NVP – Reinwaschen mit allen Mitteln http://is.gd/5MjXS [...]

  • Am 7. Januar 2010 sagte Informant:

    Der Schmalnauer (auch als unverständlicher Nuschler aus dem Ennser Demo-Video bekannt) ist nicht völlig untergetaucht. Sondern er tritt niemals in der Öffentlichkeit auf und ist auch parteiintern nur ein stiller Mitläufer beziehungsweise Funktionsbesetzer. So wie es Schrögendorfer als “Pressesprecher” war. Halbwachs ist lediglich ein Kuriosum, das man nicht wegjagen will, braucht man doch auf dem Papier jede einzelne Person. Als Gegenleistung darf er ab und zu ein Video veröffentlichen oder holprige Gedichte schreiben.

    Konkret findet die Parteiarbeit seit etlichen Wochen nur noch virtuell im Internet und bei Facebook statt (wo Faller alle 2, 3 Tage eine neue kuriose “überparteiliche” Gruppe gründet: Freiheitlich, Trauermarsch und so weiter).

    In der harten Realität wird den NVP-Geistesgrößen seit einiger Zeit vom Verfassungsschutz zugesetzt, weshalb sich der Aktionsradius stark verkleinert und eben auf den PC beschränkt hat. Tatsächlich relevant sind nur noch Faller, teilweise Hayer und zuletzt siuch zurückziehend Ruprechtsberger. Dazu Einzelpersonen, die für hetzerische Artikel sorgen, aber sonst kaum aktiv sind. Insgesamt ist die NVP nur noch Staffage und Faller käme eine behördliche Auflösung entgegen, da es ihn die Schmach des eigenen Scheiterns besser verleugnen lässt.

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