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NVP: Staatsfeind Faller träumt vom deutschen Großreich

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“Was ist ‘unsere Nation’?” titelt das neueste Geisteswerk von NVP-Gründer Robert Faller. Ich war schon sehr erstaunt, als ich diesen Artikel per Newsletter empfangen habe. Noch verwunderter aber war ich, als ich das Textwerk nun auch auf der NVP-Homepage entdeckte, geziert mit einem Bild auf dem groß und fett der Text “Deutch Österreich” prangt. Dabei ist genau das eigentlich nur logisch. Robert Faller träumt von einem deutschen Großreich.

Als erstes greift er im Wikipediaeintrag zur “Österreichischen Nation” zitierte Umfragen, die das Nationsgefühl über Stolz als Österreicher und Stolz als Passbesitzer dokumentieren, an und bezeichnet diese ohne jeglichen Beleg als geschönt. Gleichzeitig schliesst er aus, dass eine Mehrheit einem Anschluß an Deutschland zustimmen würde.

Zudem verwirft er einen Anschlussgedanken als absurd und begründet dies mit der angeblichen Nichtexistenz von Deutschland:

Aber ein Anschluss ist auch völlig absurd, an wen denn auch? Es gibt kein Deutschland mehr. Und das meine ich nicht im Sinne einer provokanten Agitation gegen das Konstrukt „BRD“, sondern als Fakt, den wir alle erst einmal verinnerlichen müssen. Erst dann kann Politik, Widerstand, Befreiung bzw. der politische Kampf begonnen werden.

Jenes angebliche Faktum, das Faller offenbar tatsächlich verinnerlicht hat, kann durch das Aufschlagen eines aktuellen Atlas oder der Benutzung von Google Maps widerlegt werden. Deutschland existiert zweifellos.

Seinen Annahmen legt Faller die “Zerstörung des Volkes” nachdem Zweiten Weltkrieg zugrunde, die – und das beisst sich dann doch irgendwie mit heutigen NVP Positionen – nicht durch “Umvolkung,  nicht durch Massenzuwanderung oder Überfremdung”, sondern durch die Zerstörung der “Keimzelle Familie”. Wie das passiert ist und wer verantwortlich ist – darüber schweigt er sich aus. Folgt man dem Gedankengang, so ist das zunehmende Verschwinden des klassichen Familienmodells (Vater, Mutter, Kind/er) schuld an den Problemen und Zuständen, die die NVP heute durchgehend festzustellen meint: Massenzuwanderung und Überfremdung. Weiter erklärt wird dieser Zusammenhang allerdings nicht.

Letztlich diskutiert er schließlich die Grenzziehung “unserer Nation”, bzw. des “deutschen Volkes” und bezeichnet immerhin einstige Territorialverhältnisse, etwa zur Zeit des Dritten Reiches als “realpolitisch unwichtig”. Dann packt er aus, was er wirklich anstrebt.

Auch hier müssen wir uns dem realpolitischen Hier & Heute stellen. Das heißt, wir müssen die real existierenden Staaten und Regionen nehmen und (vor allem die dort lebenden Menschen) müssen für ein „deutsches Österreich/Südtirol“, eine „deutsche BRD“, eine „deutsche Schweiz“ oder eine „deutsche Regionen in Italien/Frankreich/Polen“ kämpfen und dann schauen inwiefern man diese (autonomen?) Regionen und Staaten innerhalb der derzeitigen Gesetzen (in Österreich gilt z.B. immer noch das Anschlussverbot) zu einer Zusammenarbeit bewegen kann…

…und daraus entstehen die neuen Grenzen unserer Nation!

Durch Zusammenarbeit der Bewohner deutschsprachiger Länder und deutschsprachiger Gebiete ausserhalb selbiger, kurz gesagt dem deutschen Sprachraum (ob mit oder ohne Gebieten mit deutschsprachigen Minderheiten ist hier nicht klar formuliert) sollen also die Grenzen “unserer Nation” gezogen werden.

Das fführt zu folgenden Schlüssen:

  • Eine solche, “unsere Nation” beansprucht unweigerlich auch das Territorium der Republik Österreich und ersetzt diese faktisch. Damit hat sich Robert Faller ganz klar staatsfeindlich positioniert.
  • Robert Faller träumt von einem neuen Großreich. Unter der Annahme, dass mit seinen Grenzziehungen anerkannte deutschsprachige Minderheiten nicht gemeint sind, würde die von ihm beschriebene Nation folgendermassen aussehen (Klick zum vergrößern):

(Grenzen der NVP-Nation in Schwarz, bearbeitetes Bild aus der Wikipedia). Sie beinhaltet Deutschland und Österreich komplett, dann etwa zwei Drittel der Schweiz, Südtirol und Teile des Elsaß sowie kleinere Enklaven um die sich eine Grenzziehung noch schwieriger gestalten würde als um den Rest.

Zusammenfassend ist zu sagen:

Mit der Publikation von “Was ist ‘unsere Nation’?” hat sich die NVP keinen Gefallen getan. Der Beitrag übernimmt zwar das szenetypische Geschichtsbild, bleibt aber genauso unerklärt. Es gibt keinen erläuterten Konnex zwischen Familienbild und Zuwanderung, die Existenz Deutschlands wird negiert und staatsfeindliche Aussagen werden bei den anstehenden Wiederbetätigungsverfahren gegen mehrere NVP-Mitglieder womöglich eine rechtlich bedeutende Rolle spielen.

Die dänische Burkastudie hat Recht: Rechtsextreme benötigen für ihre politischen Agenden weder Fakten noch Logik. Die NVP ist erneut ein Paradebeispiel dafür.

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