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Vom BZÖ zur FPK: Pleiten, Pech und Pannen

Gleichzeitig längst erwartet und dann sehr plötzlich platzte kurz vor Weihnachten ’09 die politische Bombe in Kärnten. Hinter dem Rücken von BZÖ Parteichef Josef Bucher vereinbarten die Scheuch Bros. die Rückkehr des BZÖ zur FPÖ. In Form der “Freiheitlichen in Kärnten”, FPK. “Willkommen daheim”, posaunte FP-Chef HC Strache damals noch auf der Pressekonferenz, wohl nicht ganz wissend, was da im Rahmen der Trennung, die zur Abspaltung wurde, auf ihn zukommen würde. Er könnte einem fast leid tun – aber nur fast. Möglicherweise ist er nämlich schlauer als man denken möchte.

Einen Parlamentsklub für die Kärtner Abgeordneten wollte man stellen und ein böser Schelm, wer hier an zusätzliche Kohle dank Klubgeld denkt. Jedoch: nichts wurde draus, denn von den 19 orangen Nationalratsmandataren wechselten entgegen des mehrfachen “Sie werden ja sehen” von Uwe Scheuch nur drei. Auf dieses Geld musste man verzichten, aber es blieben ja immer noch die 1,2 Millionen Euro, die der FPÖ in Kärnten lange vorenthalten und justament vor der Eröffnung des FPK an die eigentliche Kärntner Landesgruppe der FPÖ wanderte, die prompt eine Million an die Bundespartei zur Schuldentilgung weiterüberwies.

Soweit, so dumm gelaufen, aber richtig schlimm war es noch nicht. Bis dann vermutlich Ewald Stadler mal wieder in seiner Beweiskiste gekramt haben dürfte und so kam ans Tageslicht, dass der Neo-FPK Chef Scheuch vermutlich gegen eine großzügige Spende eines russischen Investors den Verleih der rotweißroten Staatsbürgerschaft zum “Part of the Game” machte. Das passt natürlich so gar nicht zum Image des rechten Rabauken, der die indigene Kärntner Bevölkerung sonst vor den bösen, vorzugsweise osteuropäischen Horden schützen wollte. FPK Landeshauptmann Gerhard Dörfler entblödete sich trotzdem nicht, ein solches Vorgehen in einer Aussendung als “ganz normal” darzustellen. Die 90% für Uwe Scheuch am Showdown-Parteitag (und ich dachte alles unter 98% ist in obmannfixierten Gruppierungen eine ausgesprochene Schande) waren da nur ein schwacher Trost. Ach ja, und wegen Versicherungsbetrugs und Autoschieberei sucht man ihn in Ungarn.

Den bisherigen Höhepunkt des blaurangen Kasperltheaters bilden nicht die ausgesprochen komischen Statements auf BZÖ und FPK Homepage a la “Welche Farbe hat meine Partei jetzt eigentlich?”, “Wie heißt unsere Partei?” und “Darf ich die Vistenkarten von den anderen noch verwenden?”, sondern Harald Jannachs ursprüngliche FP-Landesgruppe, die trotz ihres stimmenmäßigen Untergangs in der Landtagswahl ’09 recht wacker die Stellung gehalten hatte.

Die trafen sich nämlich gestern in einem Gasthaus und zeigten sich von der “Rückkehr der Verräter” nicht sonderlich angetan und denken nicht an Selbstauflösung oder Fusion. Ups.

Das ist aber nun die Sache, die sehr stark an einen Plan der FPÖ denken lässt, wie sie sich möglichst Kärnten (wieder) einverleiben und dabei möglichst viele wichtige Ex-BZÖler – die sich fast vollzählig in der FPK versammelt haben – ins politische Nirvana schießen kann. Denn: Seit wann tut eine ganze Landesgruppe etwas gegen den Willen von Papa Strache, so ganz ohne Furcht von der Bundeszentrale ausradiert zu werden wie ein dünnes Strichlein am Collegeblock? “Willkommen daheim” heisst ja eher nicht “los doch, macht ihnen Konkurrenz”. In absehbarer Zeit muss da wohl eine Entscheidung, ein erneuter Showdown, vermuteterweise mit dem unheilvollen Ende von Scheuch, folgen. Drei konkurrierende Rechts-Aussen-Parteien in einem Bundesland sind mir persönlich drei zuviel und rein wahlarithmetisch auch nicht besonders optimal.

Da Strache das nach wie vor existierende BZÖ eliminieren kann wird wohl eine der Kärntner Blaufraktionen herhalten müssen, sollte er sie nicht doch zwangsweise zusammenführen (das nennt man dann “nukleare Kernschmelze”).

Ach wie schön, ich dachte schon der Vormarsch der Rechten wäre nicht mehr aufzuhalten. Ich sollte wohl die ewige Regel nicht vergessen: “Wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt irgendwo ‘ne Spaltung her.”

PS: Ich vergaß – ganz besonders witzig wird je ja auch für die ÖVP, die tatsächlich mit der tickenden Zeitbombe weiter regieren mag. Ob das wohl daran liegt, dass Martinz auch nicht ganz sauber sein könnte. Ich hörte da was von einem Steuerberater läuten…

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