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Das iPad: Hypen für Dummies

Juhu, da ist er wieder. Mein Beweis dafür, dass die Produkte aus dem Hause Apple zwar meist gut, aber hoffnungslos überteuert sind. Wie sich die gesteigerte Usability eines MacBooks gegenüber einem mit Windows betriebenem Laptop mit leistungsgleicher Hardware mit einem horrenden Preisuntershcied von 30% und mehr rechtfertigen soll, weiß ich nach wie vor nicht. Auch nicht, warum ein kleiner, displayloser iPod mit 1 GB Speichervolumen gerade mal 5 € weniger kostet als ein ähnlich winziger Sansa Clip (Markenware des Speichermedienspezialisten SanDisk) mit 8 GB, Display, Radio (nebst Aufnahme des selbigen) und Diktierfunktion.

Nein. Ich habe keinen Groll gegen Apple Produkte. Sie sind für sich normalerweise solide und in dem was sie tun sollen gut, wenn auch oft proprietär gestaltet. Ich habe einen Groll gegen diesen unfassbaren Hype, der sonst grundvernünftige Menschen wie den da fast dazu gebracht hätte, eben jenen kleinen iPod zu kaufen, statt die überlegene Alternative dieser Preisklasse.

Das an sich geniale Marketing von Steve Jobs und Kollegen hat aus deren Produkten nun aber mehr als nur einen Trend gemacht. Apple scheint mittlerweile eine Art Religion zu sein, die selbst Berichterstatter erfasst. Jüngstes Beispiel: Das iPad und einen MSNBC-Gastkommentator.

Mark Cuban (Besitzer der Dallas Mavericks und Chef des Kabelbetreibers HDNet) beschreibt zuerst die große Zukunft dieser Tablets und schildert, wie sehr sein dreijähriges Kind sein iPhone mag. Aber dann beginnt auch schon der fanatische Teil:

What’s also big is the exclusion of Flash. The reason is obvious. No flash, far less streaming over 3G. Less streaming over 3G means less bandwidth consumed. Less bandwidth consumed means AT&T can offer a great price on the 3G data service. I personally have never had problems with the AT&T network. The limits on 3G streaming probably mean I won’t going forward either. That’s a good thing.

Flash ist eine der meistgenutzten Technologien des World Webs. Laut einer Studie, die ich erst wieder ergooglen muss, nutzen über 70% aller Internetnutzer die Flash-Technologie.  Und nach einer Statistik seines momentanen Entwicklers Adobe erreicht Flash-Content 99% der Internetnutzer.

Nur die zukünftigen iPad-Nutzer nicht. Und Cuban freut sich wie ein Schnitzel drüber, weil damit würde ja viel weniger Bandbreite verbraucht und die Telekombetreiber könnten billigere Tarife anbieten. Sieht man sich an wo mittlerweile mehr oder weniger versteckt Flash drin steckt, darf man sich im Austausch über ein ziemlich “lebloses” Web freuen. Facebook ohne Flash, das muss ein Spaß sein. YouTube ist gar keiner, denn ohne Flash herrscht dort Stille.

Den Vogel hat Cuban dabei aber noch gar nicht abgeschlossen. Apple setzt dem Proprietätsprinzip nämlich die Krone auf:

It’s big that there is no USB port. As a content producer that’s not a good thing. It means that Apple wants to force us through iTunes to sell content. It will be the path of least resistance for consumers to add content to the iPad and a huge source of revenue for Apple. I’m sure there will be work-around alternatives, but they won’t be able to match the simplicity of the iTunes Store.

Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen: Im Jahre 2010 erscheint ein angeblich zukunftsweisendes Gerät ohne USB-Funktionalität. Eine 14 Jahre alte Technologie die mittlerweile in allen denkbaren Geräten und definitiv in jedem Rechner bzw. Mac steckt fehlt einfach. Kein “Kabel rein und Inhalt drauf” – nein – alles kommt aus dem Netz, womit sich der herbeihalluzinierte Vorteil des fehlenden Flashsupports schon wieder erübrigt hätte. Begründung: Der iTunes Store ist eh so komfortabel. Und es ist gut für die Contentersteller.

Granted. Technikschrott (das bei Erscheinen schon veraltete iPhone) hat tatsächlich schon einmal eine kleine Revolution ausgelöst, wie Gerhard Loub richtig behauptet. Es war ein, wenn nicht DER wesentliche Schritt zur Entwicklung von Smartphones für die Masse.

Sollte das iPad – dasalso nix anderes ist als ein verkrüppeltes, noch geschlosseneres  iPhone – trotz Alternativen wie dem Microsoft Courier Ähnliches schaffen, muss man sich wirklich sorgen um die Zurechnungsfähigkeit des einen oder anderen Markenjünger und der Medien machen. Womöglich wird das Gerät auch die verdiente Schlappe, dann steht zukünftig vielleicht nicht mehr jeder kleine Mucks von Steve Jobs in allen Titelzeilen.

Dann besteht Hoffnung, dass aus der Entzauberung heraus wieder ein fairer Kampf der Ideen an der Mobilelektronikfront entsteht.


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10 Kommentare

  • Am 8. Februar 2010 sagte fatmike182:

    Generelle Zustimmung, aber im Detail klaffen unsere Meinungen dann doch auseinander…
    (vor wenigen Jahren noch, waren keine Notebooks zw 12″ und 14″ um keinen vergleichbaren Preis zu bekommen. War selbst überrascht, dass ich dann als relativ erfahrener Windows & suse-User zu Apple überlaufe. Sprich: 30% ist ziemlich hoch gegriffen)

    ad Flash
    nachdem Adobe es seit Jahren nicht schafft für OS X vernünftige Lösungen anzubieten sehe ich das nahezu schon als logischen Schritt seitens Apple. Ohne zu wissen, ob es längere Verhandlungen zwischen den beiden Firmen gab, kann man die Absehbarkeit schon mutmaßen, da im Flash mit CS5 auch andere Exportmöglichkeiten möglich sein werden (iPhone/iPad-kompatibel).

  • Am 8. Februar 2010 sagte Georg Pichler:

    Das iPhone hat doch Flashunterstützung, oder nicht? Wenn ja, dann sollte das für ein Tablet eigentlich kein Problem sein.

    In jedem Fall kann ichs nicht nachvollziehen, eine solch verbreitete und wichtige Webtechnologie aussen vor zu lassen.

    Meinen Preiserfahrungen nach sind die 30% für hardwaremässig gleiche Geräte ein relativ präziser Wert. es mag aber gut sein, dass sich das mittlerweile gebessert hat.

  • Am 8. Februar 2010 sagte suit:

    Nein, das iPhone hat afaik offiziell aus Performancegründen kein Flash. Inoffiziell gibts aber von Adobe eine Selbstbauversion.

    Genausowenig kann das iPhoneOS kein Multitasking, Multithreading aber sehrwohl. Das ist nicht dasselbe (eine Spitzfindigkeit), Softwareseitig wirds aber z.B. vom Linux-Kernel identisch abgearbeitet. Aus Benutzersicht ist es aber unpraktisch, kann kann zwar einen Task mit mehreren Threads laufen haben (also die iPad-Hauptanwendung die alles regelt) aber nicht mehrer Task gleichzeitig – also z.B. einen Hintergrunddienst und die iPad-Hauptanwendung oder einen Musikplayer während man im Internet surft.

    Somit blockiert man gleich mal pauschal Drittanbeitersoftware (wie etwa SSH-Clients, MP3-Player usw) OS-seitig – die dummen Apple-Fanboys kapieren das aber ohnehin nicht und glauben das gewäsch von “technisch nicht möglich”.

  • Am 8. Februar 2010 sagte Andreas Lindinger:

    Ad Flash: Wo habe ich auf Facebook Flash?

    Ad USB: Apple hat vor 12 Jahren auch als erster Anbieter ein Diskettenlaufwerk weggelassen – Die Reaktionen waren die gleichen, die Geschichte hat Apple schlussendlich aber Recht gegeben.

    Georg, du vergisst einfach eines in deinen Vergleichen, was sich leider wie ein roter Faden durch den Artikel zieht. Es geht nicht um die Hard Facts sondern um die Usability. Deswegen kann es ein Erfolg werden. So wie das iPhone. Oder wie die Nintendo Wii, um die Branche und den Hersteller zu wechseln. Solange du in den Produkten nur die Technologie aber nicht Usability, Software und Lifestyle siehst, geht diese Analyse leider an der Realität vorbei.

    P.S.: Jegliche Vergleiche mit iPhone, Netbooks, Notebooks, etc. hinken weil es in der Tat eine neue Produktkategorie ist. Und dafür – nämlich für die ultimative mobile Begleitung – besteht Bedarf!

  • Am 8. Februar 2010 sagte Georg Pichler:

    Das Weglassen von Flash und damit das Entwerten vieler Webseiten ist kein Beitrag zur Usability, ebensowenig wie der Verzicht auf USB, der mit Disketten nicht gleichsetzbar ist.

    Denn: Vor 12 Jahren war das Weglassen eines solchen Laufwerks zwar “neu”, aber keinesfalls sonderlich gewagt. 1998 waren CD-ROM Laufwerke Gang und Gäbe und CD-Brenner erreichten dank gesunkener Preise die Masse. Die Ablöse der Diskettentechnologie war in vollem Gange.

    Gleiches ist für USB nicht prognostizierbar – im Gegenteil, der 3.0 Standard hat den Markt geentert. Die Technologie existiert neben optischen Speichermedien und wird nicht nur zum Speichern eingesetzt, sondern auch zum Anschluß aller möglichen Zusatzgeräte (die man auch für ein iPad hätte entwickeln können). Jeder hat eine USB Schnittstelle zur Verfügung.

    Die Wii hinkt anderen Konsolen ihrer Generation nur grafisch hinterher, ansonsten macht sie nicht viel anders und stickt mit ihrem neuartigen Bedienkonzept heraus. Es gibt keinen Verzicht auf wesentliche Dinge, es gibt diverse Hardware die sich an der Wii anschließen lassen.

    Das iPad hat sich nicht nur technisch weitgehend disqualifiziert. Das Fehlen von Flash und USB ist auch eine Beeinträchtigung für Usability. Die Software, die wohl Apple-typisch wieder extrem geschlossen sein wird, wird man beurteilen müssen, sobald das iPad draussen ist. Und der Lifestyle-Faktor sollte eigentlich gravierende Mängel nicht aufwiegen, was aber bei Apple oft der Fall ist.

    Ich prophezeihe dem Ding nicht unbedingt eine schlechte Zukunft, sondern meine nur, dass es eigentlich keine gute Zukunft verdient hat. Wenn es erfolgreich wird, spricht das halt wieder für den Marketingguru-Status von Steve Jobs & Co und gegen informierten Konsumenten.

  • Am 9. Februar 2010 sagte fatmike182:

    @ suit
    ad “die dummen Apple-Fanboys”:
    vllt hast du nur mal kurz vergessen, dass das einfach vielen Leuten schlichtweg egal ist? Für mich wars ein Grund, mir noch kein iPhone zuzulegen, aber ich kenne genug Leute, die mit 1 Task zurechtkommen.
    Würden die Tasks so lange zum booten brauchen wie auf vergleichbaren Smartphones (HTCs zB), würde mich das auch ärgern…
    Weiters wüsste ich von keiner offiziellen Stellungnahme, die “techn nicht möglich” behauptet hat.

    ad USB
    mit geht usb im alltag wenig ab, da ich alles über WiFi, Bluetooth & co synce. Wer USB braucht kann das mit dem Dock oder den Adaptern machen (gibts für USB & SD Card). So dramatisch ist das also auch nicht.

    ad Adobe
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Adobe-entschuldigt-sich-fuer-ungepatchte-Schwachstelle-in-Flash-925008.html :D
    Aber auch abgesehen davon ist Flash keine große Bereicherung fürs Netz; Streaming ausgenommen.

    Was bei der Debatte immer vergessen wird ist, dass zwar jeder mit USB & Flash gerechnet hat, aber die Preisprognosen auf einem komplett anderen Level waren: 800->1000€ wurde überall verkündet um irgendeinen Grund zum Flamen zu haben. Jetzt kostet das Teil deutlich weniger als die Hälfte!

  • Am 9. Februar 2010 sagte suit:

    @Andreas Lindinger

    Facebook nutzt primär afaik kein Flash – aber es ist ein sinnvoller Zusatz. Wordpress nutzt z.B. für den Uploader Flash, Youtube tut das ebenfalls. Man verzichtet mit Flash auf sehr viel Komfort bei vielen Webanwendungen.

    @fatmike182
    HTC-Telefone haben etwa dieselbe Architektur wie ein iPhone oder das iPad – der aktuelle Snapdragon unterscheidet sich nur unwesentlich vom Apple A4.

    Nochmal zum Mitschreiben. Es gibt am iPhone oder am iPad keine “Tasks” die irgendwie booten könnten – es gibt nur einen und der bestimmt, welche anderen nachgeladen werden dürfen – aber nicht als Tasks sondern als Threads.

    Das ist aber wie erwähnt fadenscheinig. Selbst der schnellste Rechner wird langsam wenn man zu viele Tasks gleichzeitig laufen hat. Apple verhindert aber mit diesem Argument pauschal Hintergrundanwendungen, auch wenn diese nicht so komplex sind, dass sie irgend einen Performanceeinbruch bewirkten.

    Es ist ein Unterschied ob ich Left4Dead, Half-Life 2: Episode 2, gleichzeitig laufen habe oder ob ich meinen Browser, meinen Mailclient und den Windows-Taschenrechner offen habe, während ich Left4Dead spiele.

    Zum Thema USB:
    Schon mal versucht einen HD-Film per WLAN oder Bluetooth auf deinen Mobilen Player zu schieben? bei ~4 GB wird das etwas “zach” – mit USB3 ist das theoretisch in ein paar Minuten erledigt.

  • Am 9. Februar 2010 sagte M___K:

    @suit:
    Der aktuelle Snapdragon in HTC Geräten unterscheidet sich dadurch vom iPhone 3Gs, dasser 400MHz schneller getaktet ist.

    Aber natürlich wird sich auch das iPad wunderbar verkaufen. Auch wenn noch so viel veraltete Technik darin steckt und andere Geräte vieles einfach besser machen.
    Bei Apple Produkten ist es wie bei Frauen: Stimmt die Optik setzt der Verstand zuweilen aus.

  • Am 9. Februar 2010 sagte suit:

    Die ersten Snapdragon-Chipsets hatten auch nur 1-GHz-Prozessoren – aber die die sind mittlerweile alte Schinken wie du richtig sagst :)

    Gibt aber auch modernere mit nur 700 MHz – die sind aber nicht zum Filmschaun gedacht.

  • Am 9. Februar 2010 sagte SaschaP:

    Also sorry, aber ein Computer (und bitte, das iPad soll nicht nur eine Aktentaschenversion eines iPhones oder iPods sein, sondern ein Minicomputer) ohne serielle Schnittstelle… das freut einen doch, dass du dann deine Daten zu deinem Kollegen via Email oder gar via Heim-Mac übertragen musst, weil dein Kollege z.b. einen Notebook besitzt, der zwar USB hat, aber kein Bluetooth (und ja, die meisten Notebooks haben kein eingebautes Bluetooth). Oder auch größere Datenmengen oder vertrauliche Informationen, die du nicht so gerne übers Internet versenden willst.

    Und zu Flash: Farmville mit dem iPad? Vergiss es. Youtube-Videos? Wer braucht sowas? Lust auf lustige Fehlermeldungen von Homepages, dessen Designer Flash für die Menüsteuerung benutzen (und das macht nicht nur beepworld!)? Gerne, wozu habe ich sonst ein iPad.

    Sorry, aber wenn eine Firma nicht in der Lage oder willens ist, eine Anwendung, die mittlerweile zu einem Standard geworden ist, in ihr System zu implementieren, dann hat sie echt die Zeit verschlafen. Und die, die glauben, man könne ohne Flash arbeiten, auch.

    Und juchu, ein System, dass es einem nicht ermöglicht, mehrere Tasks offen zu haben. Also kein Webbrowsing, Tabellenkalkulation und Email gleichzeitig.

    Nein, sorry, aber das iPad ist eindeutig an der User-Realität vorbeigebaut worden, und wer das nicht einsieht und Apple für alles huldigt, sollte mal begreifen, dass Apple ebensowenig ein Engel ist wie Microsoft es jemals war, Apple macht aus einem eigentlich freien System (BSD) ein propitäres, schmählert die Features, die das offene System bereits hat, erfindet zur Begründung dieser Performance-Einbußen irgendwelche Scheinargumente und alle jubeln: “Ja, Apple hat recht”… Sorry, aber Apple ist nicht besser als Microsoft, außer darin, die User zu verarschen.

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