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International, Politik & Gesellschaft

Gesellschaftliche Verderbtheit

Korruption meint gemeinhin eine Form der Verderbtheit. Politisch gesprochen: Korruption ist „die missbräuchliche Nutzung  eines öffentlichen Amtes zum eigenen privaten Vorteil oder zugunsten Dritter (i.d.R. zum Schaden der Allgemeinheit)“, so die Bundeszentrale für politische Bildung.

Korruption ist für den homo europaeus gleichwohl ein sehr abstraktes Phänomen. Doch schon mancherlei Schaudergeschichte aus Griechenland (Behandlungen werden schlicht ausgesetzt, sofern dem Arzt kein Geldbündel unter das Stethoskop geklemmt wird), wiewohl Bulgarien, Rumänien, ja auch aus dem „südwestlichen“ Europa, wie etwa in Italien, verdeutlichen: ach so fern ist die Verderbtheit nicht.

Doch derlei Schmierereien des Alltags muten fast schon wie eine Bagatelle an, vergleicht man sie mit den „missbräuchlichen Nutzungen“ öffentlicher Ämter in Sambia, gelegen im südlichen Afrika.

Wer den Alltag in Sambia meistern möchte, muss sich den Weg durch ein engmaschiges Korruptionsdickicht bahnen. Alltag, Routine, bürokratisch gesprochen: Anträge, Anmeldungen und jedwede Art von Verwaltungsdingen, ist wie das Wasser auf die langen, langsam mahlenden Mühlen des Korruptionsapparates. Es hält diesen erst instand.

Man hat die einzuhaltende Mindestgeschwindigkeit überschritten (obwohl jene zuvor unterschritten wurde), prompt wird man von den Gesetzeshütern zur Seite gewunken; sodann wandelt sich die winkende in eine öffnende, fordernde Hand: Bitte, zahlen!

Wie erhält man Baugenehmigungen? Wie werden Anträge bewilligt? Mancher mit viel Idealismus ins Land einfliegende Entwicklungshelferverzweifelt an derlei Verderbtheit, die sich oftmals eben nicht als diese zu erkennen gibt. Alles bleibt höflich, alles bleibt vormalig korrekt, kaum direkte Aufforderungen. Die Methoden sind andere. Müßiggang, den Gegenüber warten lassen, aussitzen lassen, kujonieren um zu reüssieren – ergo: er wird schon irgendwann zahlen, denn er braucht ja die Genehmigung.

Korruptionsindices hin oder her, was Korruption real bedeutet, auch im Hinblick auf seine nicht-politische Bedeutung, jene Verderbtheit, das spürt man in Sambia jeden Tag. Wer in der Entwicklungshilfe von der Kleptokratie der Eliten spricht, darf also von jener der sambischen Gesellschaft zur Gänze inhärenten Korruption nicht schweigen. Es geht nicht nur um den Missbrauch von öffentlichen Ämtern; im Kontext von Ländern wie Sambia ist die Korruption fundamentaler, tiefsitzender Natur. Die schlechte Nachricht: Ein akut wirkendes Patentrezept gibt es dagegen nicht.

Bild: Deutsche OECD Vertretung in Paris

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1 Kommentar

  • Am 15. März 2010 sagte M___K:

    Korruption im nicht-staatlichen Bereich ist in jedem mir bekannten Land anzutreffen. Man mag in Westeuropa oder Nordamerika zwar bei Amtspersonen wenig Erfolg haben, aber im Privaten ist Bestechung überall zu finden. Dass das nur auf Italien, Griechenland oder manchen Ostblockstaat zutrifft will ich nicht gelten lassen. Jeder Handwerker freut sich sehr über eine kleine Geste in Form eines Fuffzigers und schon läuft es mit dem neuen Bad wie geschmiert. Nur dass es nicht Fakelaki genannt wird sondern “Kaffeekasse”.

    Man muss nicht bis Sambia schauen um Korruption zu begegnen. Sie ist allgegenwärtig nur die Ausprägung ändert sich.

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