Zu viel Orient, zu wenig Okzident – und überhaupt, dieser Islam. Das Land: zu groß, zu bevölkerungsreich, dann noch diese Nachbarschaft, wo soll das nur hinführen? Auch mit dem Rechtsstaat hadern die am Bosporus doch, oder nicht? Erst ein Verhandlungskapitel, derer sind es insgesamt 33, konnte abgeschlossen werden.Nun, das mögen Gründe sein, Gründe, die gegen einen EU-Beitritt der Türkei sprechen; ausreichend sind sie nicht. Wer den dieser Tage in der ARD ausgestrahlten Dokumentarfilm „Aghet“ gesehen hat, versteht worum es auch geht: Um den Umgang mit der eigenen Geschichte, jener mühseligen Aufarbeitung eines Massenmordes (Schätzungen gehen von bis zu 1,5 Millionen Opfern aus). Die Türkei bleibt hier vieles schuldig. „Die Zeit“, die seit je her nicht im Ruf steht der Türkei eine Perspektive innerhalb der EU verwehren zu wollen, hat in der letzten Woche die Sanktionsmöglichkeiten aufgeführt, die dem vermeintlich mündigen Bürger drohen, wenn er diesen Völkermord (Genozid!) als solchen bezeichnet. Der Film „Aghet“ legt den Finger in die Wunde. Es wäre zu wünschen, dass mancherlei Autor, der lauthals einen Platz für die Türkei in der Europäischen Union einfordert, sich diesen Film zu Gemüte führen würde. Dann sollte klar sein, dass in dieser Europäischen Union kein Platz ist für Staaten, „die einen vor 95 Jahren geschehen Völkermord noch heute leugnen“, so ein Leser der Süddeutschen Zeitung. Recht hat er.
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Wie ging das Sprichwort? Wess’ Brot ich ess, dess’ Lied ich sing’? Keine Sorge – wenn die Türkei wirklich wollte, dann würden sie für die Westliche Wertegemeinschaft sicherlich auch voller Bedauern das Haupt senken und sich aufrichtig bei der Menschheit und evtl. auch gleich beim gesamten Leben im unendlichen Kosmos für ihre Verbrechen entschuldigen. Im Augenblick ist Sühne zeigen dort allerdings nicht angesagt. Vielleicht haben sie sich ein Beispiel an allen anderen Ländern außer Deutschland genommen.