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12. Dezember 2007 um 04:27 | 537 Ansichten
Von Georg Pichler in NVP-Watch, Politik, Rechtsextremismus, Österreich
* * * * ½ 5 Stimme/n

Es ist dies der dritte Eintrag der sich mit der NVP beschäftigt, einer noch jungen Partei, die klar dem extremen Teil des rechten Spektrums zuzuordnen ist. Er befasst sich mit dem Gründer dieser Bewegung, Robert Faller und soll aus den im Internet fassbaren Quellen (die teils natürlich mäßig neutral berichten) eine kleine Chronik und Zusammenfassung bieten.

Robert Faller, ursprünglich aus Bad Ischl in Oberösterreich, später abgewandert ins Innviertel (und nun anscheinend ein Parteibüro in Wien betreibend) kommt aus dem Umfeld von Kameradschaften und Burschenschaften. In der Kameradschaft Germania übernahm Faller einst eine führende Rolle. Deren Homepage ging anno 2001 vom Netz, seitdem ist es still um sie geworden. Auch die deutsche Schwester- oder Kopforganisation mit gleichem Namen scheint in der alten Form nicht mehr existent zu sein, lediglich eine Burschenschaft mit gleichem Namen ist auffindbar. Bezeichnend jedoch der Existenzzweck, dem sich die Kameradschaft Germania verschrieben hatte, beinhaltete dieser unter anderem den “Erhalt der arischen Rasse”.


Angestachelt von deutschen Gesinnungsgenossen betätigte Faller sich schließlich im Umfeld diverser Neonaziaufmärsche und versuchte über “Nationaldemokratische Aktionsbüros” so etwas wie eine Infrastruktur zu schaffen. Diese währte aber nicht lange, und darauf folgend - hier sind wir bereits im Jahr 2002 - kam es zur ersten dezidiert politischen Aktivität. Angelehnt an die in Deutschland nach wie vor existierende, sporadisch erfolgreiche und mittlerweile von Finanzskandalen umwitterte NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) hob ein gewisser Gregor Maierhofer die NPÖ aus der Taufe und fand in Faller einen willfährigen Gefährten. Ersterer sollte 2004 wegen Wiederbetätigung verurteilt werden und im Zuge dessen behaupten, die NPÖ nur zur Geldbeschaffung gegründet zu haben. Das Parteiprogramm war in großen Teilen ein Plagiat der NSDAP Doktrin, ein Grund warum diese Partei nicht sehr alt wurde. Währenddessen werkelte Faller auch weiterhin an der Organisation von rechten Demos und Aktionen, die zumeist aber nur mäßigen Umfang annahmen oder abgesagt werden mussten.

Danach wurde es relativ still um Faller, jedenfalls lässt sich für den Zeitraum bis 2007 im Internet nichts recherchieren, was auf erwähnenswerte Aktivität hinweist. Dann jedoch tat sich umso mehr: Robert Faller initiierte “Stop3g”, eine Initiative zur Abschaffung des Wiederbetätigungs-Verbotsparagraphen, die unter anderem für Gerd Honsik (selbsternannter “Freiheitsdichter”, nach Auslieferung durch Spanien mittlerweile in Österreich in Haft) Spenden sammelt. Dann gab er ein bis jetzt immer noch ungeklärtes Gastspiel beim NFÖ (eine außerparlamentarische Gemeinschaft die sich unter anderem für einen EU Austritt einsetzt), dessen Führung davon aber weniger begeistert war. Anscheinend stand Faller knapp davor, unbemerkt seines Hintergrundes, eine leitende Position in der oberösterreichischen Sektion zu übernehmen.

Mittlerweile stand auch die Initiative zur NVP (Nationale Volkspartei), die sich sehr bald mit der Bewegung “Die Nationalen” unter dem ebenfalls einschlägig bekannten Karl Goschescheck (firmiert gerne auch unter Karl Thierry, Chefredakteur der “Alldeutschen Zeitung” und Gründer des “Nationalforums Elsaß-Lothringen” als auch einer der Köpfe der “verdeutschten” Wikipedia-Version Encyclopedia Germanica) zusammenschloß. Zu den Gründervätern, wenngleich nicht als Vorstandsmitglied der NVP gelistet, gehört auch Marco Maier, seines Zeichens Anhänger heidnisch-germanischen Kults nach nationalsozialistischer Auslegung. Er ist insofern interessant, als er anscheinend bis Ende November noch aktives BZÖ-Mitglied war, zudem gibt es auch mehr oder weniger deutliche Bande zur FPÖ. Dritter im Bunde der gelisteten Parteiführung ist Christian Hayer. Zu ihm gibt es hinweise, dass er bereits zu Zeiten des Nationalen Aktionsbüros mit Faller zusammenarbeitete und “Internetradio für Arier” produzierte.

Die Ziele der NVP sind keine anderen, wie sie es schon bei früheren Aktivitäten Faller’s waren. Doch sind sie jetzt getarnt von gerade noch gesetzeskonformen Beschreibungen - insofern hat man aus der Vergangenheit wohl gelernt. Die EU ist zB. weiterhin ein Feindbild, der Hass gilt auch Ausländern/Asylanten, “linken” Parteien, dem Islam und den sogenannten “Gutmenschen” (ein Begriff, den mir keiner bis jetzt ordentlich definieren konnte). Im November schließlich hinterlegte die NVP erfolgreich ihre Satzung im Innenministerium (sie will sie im Januar 2008 in der eigenen Parteizeitung “Freie Stimme” veröffentlichen) und darf damit Mitglieder aufnehmen. Theoretisch existieren bereits neun Landesverbände, die höchstwahrscheinlich aber nur aus wenigen Einzelpersonen bestehen. Eine Akademie soll sich in Arbeit befinden, ebenso wie eine “Nationale Jugend”. Zudem ist auf der Homepage eine Adresse in der Wiener Speckbachergasse angegeben, in der Faller offenbar so etwas wie ein Parteibüro eingerichtet hat. Weiters verfügt die Website nun auch über einen Shop, über den man zum jetzigen Zeitpunkt Werbesticker mit Aufschriften wie “sozial statt global” oder “Kein Bürgerkrieg in Österreich” sowie das Parteiblatt ordern kann. Die NVP unterstützt auch Anti-Islam/Anti-Moschee-Vereine.

Abgesehen vom DÖW und einigen Internetinitiativen hat man sonst kaum Notiz von der NVP genommen. Ein kurzer Bericht in der Presse vom 22.11.2007 zeigt jedoch recht deutlich wessen Geistes Kind Robert Faller und seine Anhänger sind ist: Wer es in die Führungsriege der NVP schaffen will, sollte muss einen Ahnennachweis (was letztlich wohl nichts anderes als ein Synonym für den damaligen Ariernachweis ist) erbringen können, eingedeutschten Ausländern soll der Zutritt verwehrt bleiben (die werden in den meisten Fällen aber ohnehin wenig Interesse an der Mitwirkung in einer braunen Gruppierung haben), so die Analyse eines NVP “Heimatforum”-Threads, an der auch hochrangige Parteimitglieder beteiligt waren.*

Die Chancen der NVP, jemals eine bedeutende Rolle in der Politik zu spielen sind als gering einzuschätzen: Ein Teil der angesprochenen Wählerschicht wird derzeit von FPÖ und BZÖ abgedeckt und sich von dort mangels Aussichten nicht wegbewegen, denn beide sind im Parlament und entsprechend auch medial vertreten. Die restliche Klientel dürfte zahlenmäßig in seichten Gewässern segeln und scheut zudem die Öffentlichkeit, was mittelfristig für eine wirkliche Strukturierung und funktionierende Organisation der NVP auf professionellem Level zum Problem werden würde. Trotzdem sollte man die Dynamik, die im Rahmen solcher organisierten Subgruppierungen entstehen, nicht unterschätzen und diese beobachten. Und das werde ich, bezogen auf die Nationale Volkspartei, hier auch weiterhin machen.

* Korrektur vom 16.02.2008, alte Fassung durchgestrichen, neue Ergänzung kursiv.Weiters Rechtschreib- und Tippfehler korrigiert.



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11 Reaktionen zu “NVP: Der Werdegang und die Weggefährten des Robert Faller”

  1. 1
    maschi sagte am 12. Dezember 2007 um 09:51 

    maschi

    Zum Begriff des “Gutmenschen”: ich finde die Definition und Umschreibung auf http://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch eigentlich recht brauchbar…


  2. 2
    weltbeobachterin sagte am 12. Dezember 2007 um 16:53 

    weltbeobachterin

    vielleicht versuchen es die Medien mit totschweigen
    aber das ist auch nicht ein Allheilmittel.


  3. 3
    SOS abendland . at Trackback am 13. Dezember 2007 um 00:39 

    SOS abendland . at

    NVP-Watch gestartet…

    Nach langer Zeit (und einigen, der Leiste rechts leider nicht hinzugefügten Härtefällen) mal wieder ein Eintrag auf sosabendland.at, mit einem Hinweis:
    Auf rigardi.org gibt es nun eine “Fixrubrik” mit dem Namen “NVP-Watch”. N…


  4. 4
    weltbeobachterin sagte am 14. Dezember 2007 um 02:45 

    weltbeobachterin

    http://ktn.nvp.at
    in Kärnten gibts die Typen auch


  5. 5
    Georg sagte am 14. Dezember 2007 um 02:53 

    Georg

    Japp, sie haben Pseudo-Landesverbände, die derzeit nur aus einigen wenigen Hanseln bestehen dürfen. Und der Seitenbetreuer des Kärtner Ablegers hat ziemlich offensichtlich so seine Probleme mit Rechtschreibung und Grammatik ^^


  6. 6
    liesdas sagte am 18. Dezember 2007 um 12:16 

    liesdas

    KEIN Absatz, ohne Lüge - dass ist eine anerkennenswerte Leistung. Wo andere selbsternannte Schreiberlinge im Netz wenigstens noch genau prüfen, wird hier schlichtweg gelogen. Ich finde es gut… Nur keine Werbung ist schlechte Werbung - und wenn sich durch den Artikel ein paar Idioten jetzt vor der NVP fürchten, ist das ja auch nicht schlecht…

    Nur ein paar Details:

    - Robert Faller ist ursprünglich aus Bad Ischl? AHA?

    - Die NPÖ des Herrn Maierhofer gibts nicht mehr? AHA?

    - Man braucht einen Ahnennachweis um in die NVP zu kommen? AHA?

    - Christian Hayer betrieb ein Internetradio? AHA?

    - Im Internetradio ging es um reinrassige Arier? AHA?

    - Robert Faller war 2007 im NFÖ? AHA?

    - Gregor Maierhofer ist Verurteilt worden? AHA?

    - Marco Maier ist ein Gründungsvater der NVP? AHA?

    - Hass gegen Ausländer und Asylanten??? (Das geht schon in Richtung strafbare Hetze - mit solchen unhaltbaren Anschuldigungen wäre ich vorsichtig.)

    - Die NVP unterstützt Anti-Islam-Vereine? JA? Welche denn?

    - Georg Pichler weiss, welche Wählerschicht die NVP anspricht - und das vor der offiziellen Gründung der Partei - ein Hellseher. Achnein, Hellseher muss man ja nicht sein, sieht man sich die objektiven Einträge im “DÖW” über Herrn Faller an, weiss Georg Pichler natürlich genau welch Geistes Kind dieser Herr Faller ist. …stimmt´s Georg Pichler?


  7. 7
    Georg Pichler sagte am 18. Dezember 2007 um 12:51 

    Georg Pichler

    Nur ein paar Sachen hierzu:

    - Es gibt eine ausdrückliche Bemerkung über die Artikelquellen

    - Es gibt Links im Text

    - Die richtige Reihenfolge ist: Lesen. Verstehen. Kommentieren. Den zweiten Schritt auslassen gilt nicht.

    ad Hetze: Wer in einem eh schon windschiefen Glashaus sitzt, sollte es tunlichts lassen drin mit einem Belagerungskatapult herumzuschiessen,


  8. 8
    C.B. sagte am 20. Dezember 2007 um 21:43 

    C.B.

    Ihr die ihr denkt, dass nur eure Meinung zählt habt gar nicht gemerkt, wie sehr ihr mit euren Lügen (und es sind Lügen)euch selbst als Faschisten outet.Könnt ihr keine anderen Meinungen zulassen, oder dürft ihr nicht? Ihr ach so “objektiven Medien”glaubt immer noch alle Leute in diesem Land sind dumm. Der DÖW wurde am 4.Mai 1989 vom Oberlandesgericht Wien verurteilt, aufgrund solcher und ähnlicher Dummheiten die ihr hier verbreitet.Also bitte meine Herren Journalisten (so wollt ihr doch genannt werden)es gibt vielleicht Links zu den Themen, lieber Hr.Pichler aber die Wahrheit weiss der der antwortet.
    lg
    C.B.


  9. 9
    Rolf sagte am 19. Februar 2008 um 12:14 

    Rolf

    Hallo, verstehe ich nicht die Aufregung um diese Splitter-Splitter-Gruppe. So eine Reihe gescheiterter Berufsfunktionäre aus Österreich und ein Franzose (Thierry Sowieso) mit wechselnden Namen. Was sollen die schon anrichten ausser Porto verschwenden? Die ganze Organisation gibt es doch nur an deren Stammtischen mit immer den gleichen 3-4 Nasen. Ich finde eher komisch, daß Die Presse das überhaupt zur Kenntnis nimmt.


  10. 10
    Georg Pichler sagte am 19. Februar 2008 um 12:50 

    Georg Pichler

    Der Franzose ist kein Franzose, nennt sich nur so (heisst eigentlich Karl Goscheschek). Den Seitenaktivitäten und anderen Hinweisen entnehme ich, dass sie derzeit wachsen. Ich glaube auch nicht, dass sie jemals politisch ernsthaft relevant sein werden, halte es aber für wichtig solche organisierten Entwicklungen im rechtsextremen Bereich im Auge zu behalten.

    Die Presse wird es wohl deswegen am Rande zur Kenntnis genommen haben, weil Robert Faller in diesem Milieu ein notorischer Wiederholungstäter zu sein scheint.

    Wie gesagt geht es auch ums “im Auge behalten”, nicht ums “aufregen”, darum bemühe ich mich in den Beiträgen, allfälligen Pathos so gut es geht zu vermeiden.


  11. 11
    Ein Nationaler sagte am 19. Februar 2008 um 17:42 

    Ein Nationaler

    Nun sie werden in Österreich nicht mal von unserer Seite ernst genommen.Nach Berichten zu Folge hat sich Salzburg abgespalten da der Hr.Faller nicht mal im Nationalen Sektor fähig ist.


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