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Experten-Sprech

Warum hat Peter Filzmaier einen Doktortitel? Warum habe ich keinen? Warum tauchen in den Medien ständig Politikexperten auf? Und bin ich selbst einer?

Sachte, sachte. Bevor mir jemand Größenwahn vorwirft: Das beispielsweise der aggressive, polarisierende und höchst schmutzige Wahlkampf der FPÖ in Graz die Urnengänger auf der politischen Gegenseite mobilisiert hat, stand auf rigardi.org lange bevor Peter Filzmaier diese gloriose Erkenntnis in der ZiB 2 präsentierte. Die durch die Presse geisternden Post-Haidinger-Szenarien stehen – freilich in verkürzter Form – zwei Beiträge vor diesem. Ich lasse viele Dinge (man möge sie Details nennen, oder auch nicht) aus, weil sie mir zu offensichtlich erscheinen um den Leser, den ich tendentiell für klug halte, damit zu langweilen. Und ja, ich lasse dezidiert einen gewissen Optimismus mitschwingen, denn ich bin hier Blogger und kein Journalist.

Zum aktuellen Fall, da wäre das – von eben angesprochenen Experten – als am wahrscheinlichsten (was nach den letzten Aussagen von Kalina und der Aussendung von Faymann und Pröll unschwer zu prognostizieren war) präsentierte Szenario, dass ich so einleite:

“Letztlich bleibt noch Chance drei: Es passiert gar nix. Ein paar Wochen wird noch debattiert, skandalisiert, intrigiert und am Ende gibt sich die SPÖ mit kleinen Zugeständnissen (vulgo Almosen) ab (…)”

Was ich auslasse, die Profis aus Meinungsforschung und Medien aber hinzufügen: Zu gewinnen hätte hauptsächlich die Opposition, ÖVP und SPÖ hätten von ihrer derzeitigen Lage ausgehend wenig Grund für eine Neuwahl. Bis auf die meiner Meinung nach sehr gewagte Einschätzung, dass selbst ein U-Ausschuß kein Koalitionsende wäre, ist die Aussage prinzipiell die gleiche. Ausgehend vom grassierenden Politfrust, ausgelöst durch permanente Grabenkriege in der Regierung, kam mir logisch vor, dass sich die Wähler dementsprechend nach Alternativen umsehen, und da bleibt neben Nichtwählen halt nur die Opposition. Die Ausgangslage der SPÖ ist den bekannten Umfragewerten der letzten Monate leicht zu entnehmen (sie werden einem ohnehin aufgedrängt), und dass Vertuschung, Korruption und parteiliche Instrumentalisierung, die sich hauptsächlich in einem VP-geführten Ministerium abgespielt haben soll, auch hauptsächlich die VP im Ansehen schädigt reicht nicht einmal zu einer Milchmädchenrechnung.

Oder etwa doch?

Wer die heimische Politik halbwegs regelmäßig verfolgt, der beweist nicht nur eine gewisse Kasperl-Resistenz, sondern dürfte von diesen brachial durchschlagenden Erkenntnissen wenig überrascht sein. Glaube ich jedenfalls. Ist damit jeder, der “am Ball bleibt” und in dieser Situation zwei bis drei Offensichtlichkeiten in eine nachvollziehbare Gleichung quetschen kann ein Experte? Oder befassen sich viele Leute tatsächlich so selten mit ihren Vertretern und deren Gebahren, dass man sich als Wissenschafter bereits mit sowas an die Öffentlichkeit trauen darf?

Wahrscheinlich haben Filzmaier und Co. ja viel mehr drauf als ich chaotischer Bummelstudent im bald 4. Semester, nur zeigen sie es nicht, weil tiefere Einsichten in die heimischen Niederungen der Politik in Zeiten wie diesen, in denen man bald über mehr als 50% Wahlbeteiligung schon froh sein muss, eh keinen mehr interessieren. Das wird’s wohl sein.

Und falls nicht: Liebe Innenpolitikredationen des Landes, Stellenangebote und dergleichen werden gerne angenommen. Meine Kontaktdaten sind im Impressum hinterlegt.

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