Der Westen hat mitgefühlt vor einem Jahr, als sich zigtausende der in der Bevölkerung hoch geachteten Mönche aus ihren heiligen Stätten auf die Straße begaben. Die mediale Aufmerksamkeit rund um den Globus war auf das südostasiatische Land gerichtet, in dem ein autoritäres Regime seit Jahrzehnten seine Bürger unterdrückt. Mit Stürmen und Fluten wurde die Berichterstattung prolongiert, das Zulassen fremder Hilfe schon als kleiner Erfolg gefeiert. Die Blogosphäre zeigte sich solidarisch, tausende nahmen an “Free Burma” teil und stellten am 4. Oktober 2007 nur einen Verweis auf die Seite der Initiative online.
Diese wird heute von einem “Beijing 2008″-Logo geziert, das auf die chinesische Unterstützung der burmesischen Junta anspielt. Seit 13 Monaten wurde der Inhalt nicht aktualisiert, doch es hätte genug gegeben. Zeitweise stand auch ein militärischer Eingriff im Raum. Die Burmesen sollten von der Unterdrückung befreit werden.*
Nun hat die Junta einen Blogger zu 20 Jahren Haft verurteilt, festgenommen wurde er bereits im Januar. Er ist ehemaliges Mitglied der National League for Democracy, deren Gründerin Aung San Suu Kyi bis heute unter Hausarrest steht. Auch sie wurde neben den Geistlichen in den roten Gewändern als Galleonsfigur der Opposition zu einem Symbol des Protests.
Besagter Blogger, der nun für zwei Jahrzehnte gefilterte Luft atmen soll, hat – so die ORF FutureZone – hauptsächlich die Lebensumstände in Burma geschildert. Ein Blick auf seine Internetpräsenz erzählt mir mangels Sprach- und Schriftkenntnisse leider nicht mehr. Die Bilder lassen nicht auf ausgedehnte, politische Agitation schließen, aber darauf dass er, der mit bürgerlichem Namen Nay Myo “Phone” Latt heißt, ein Fan des Liverpool FC und Blogger aus Leidenschaft ist.
“Unruhestiftung” während der Protestmarsche, Beleidigung der Staatsführung und illegale Verbreitung eines Videos und Cartoons werden ihm vorgeworfen. Beweise dafür scheint es laut der asiatischen Menschenrechtskommission nicht zu geben, der dritte Vorwurf hat überdies nichts mit dem Rest zu tun, da er diese in Singapur begangen haben soll. Das Verfahren war nicht öffentlich obwohl er es Burmas Gesetzen nach anscheinend hätte sein sollen. Wenig überraschend dürfte der Prozess wenig neutral geführt worden sein. Gemeinsam mit dem Blogger wurde auch ein Schriftsteller verurteilt: 2 Jahre für ein kritisches Gedicht.
Erneut sehe ich mich bestätigt: Die Medien, welche Bilder dorthin transportieren, von wo aus vielleicht was bewirkt werden könnte, scheissen auf Verantwortung. Solange die Bilder aus Rangun rund um den Globus über die Schirme flimmerten gab es politische Aktivität im Westen. Als die wieder wegschauten, um dem nächsten Konflikt oder der nächsten Naturkatastrophe zwei, drei Wochen an Aufmerksamkeit zu schenken, wandten auch Bush und Co. langsam ihren Blick ab. Mit dem Rampenlicht kommt die Gelegenheit, mit dem Rampenlicht verschwindet sie wieder. Wenn es nicht lange genug da ist, sind die einstigen Empfänger weltweiter Solidarität wieder auf sich alleine gestellt.
“Blogger lassen sich nicht aufhalten” titelte tagesschau.de im Spätherbst des letzten Jahres getitelt. Obwohl er bis Ende Januar 2008 Blogbeiträge verfasst hatte, beweist Nay Myo Latt heute das traurige Gegenteil. Blogger können große Firmen unter Druck setzen. Eine Militärjunta, die mit einem Teil der Welt bis heute freudig Handel treiben und dadurch wirtschaftlich überleben kann, und den Rest nur dann wahrnimmt, wenn Taifune und Fluten ihre Unterstützung unumgänglich macht, pfeift auf sie. Sie kann es sich leisten, wenn die konventionellen Medien die Arbeit der Blogger nicht aufnimmt und sie die Massen damit nicht erreicht. Auch die westlichen Mächtigen von heute sind zumeist nicht internetaffin.
Die Zeiten ändern sich freilich, und in 5 oder 10 Jahren hat Julia Abb von der Online-Tagesschau vermutlich Recht. Solange wird sich Nay Myo Latt wohl gedulden müssen.
* Einen Schritt dazu hatte bereits 1996 der US-Bundesstaat Massachussetts getan, in dem er das “Burma Law” erlassen hatte, das es staatlichen Institutionen stark erschwerte mit Firmen zusammen zu arbeiten die ihrerseits mit Burma handelten oder dort tätig waren. Zwei Jahre später wurde es als verfassungswidrig gekippt.
Photo Credits: Myanmar Blogger-Titelbild, bearbeitet






Burma: Blogger zu 20 Jahren Haft verurteilt… http://is.gd/7CeE
Die verdammten Chelsea-Fans in der Junta kommen wohl nicht damit klar, dass Liverpool heuer die Meisterschaft holt!