
Der ORF ist mal wieder allerseits unter Feuer. Eben erst hat sich der Programmdirektor Wolfgang Lorenz spektakulär als publikumsfremd geoutet, und aus Kärnten wird seit der Haidermania-Satire von Stermann & Grissemann scharf geschossen. Wobei “aus Kärnten” hauptsächlich jene Partei beschreibt, die beständig meint das südlichste Bundesland in ihre Geiselhaft nehmen zu müssen. Dabei hat der ORF mit seiner an Rund-um-die-Uhr-und-danach-Nachrichten grenzende Berichterstattung nach dem Ableben des einstigen Kärntner Landeshauptmanns dem BZÖ schon genug Gefallen getan. Nun gibt es eine Doppel-DVD mit dem Titel “Der Abschied”. (via)
Die erste Silberscheibe beinhaltet rund 100 Minuten Bilder aus Haiders Leben und Ansprachen von seinem Begräbnis. Das Domrequiem und ein Volksmusik-Sologesangsauftritt des Verblichenen füllen weitere anderthalb Stunden. Immerhin, man sponsored mit dem Verkaufserlös des 20 Euro teuren Machwerks “Licht ins Dunkel” mit.
Beworben wird “Der Abschied” mit folgendem Text:
Sein Leben, sein Tod, ein Land in Trauer: In Erinnerung an den tragisch verunglückten Landeshauptmann Jörg Haider ist nun sein letzter Weg auf einer Doppel-DVD erschienen.
Wieso muss da das Wort “tragisch” stehen? Wieso bastelt der ORF fleißig am “Mythos Haider” mit? Es geht mir unfassbar auf den Keks. Mit 150 Stundenkilometer und 1,8 Promille bei Nacht und Nebel auf einer kurvigen Straße in den Tod rasen ist dumm und fahrlässig. Tragisch wäre es gewesen, wenn er auf dieser Fahrt jemanden mit ins Verderben gerissen hätte. Tragisch ist es für seine Mutter, weil sie an ihrem Geburtstag ihren Sohn verloren hat. Aber sein Unfall an sich, nein, der ist es nicht.
Haider sagte vor einem Jahr über Rudi Vouk, nachdem er am Ende eines Ortsgebietes eine absichtliche und gesteuerte Geschwindigkeitsübertretung beginn, um die Ortstafeln wieder zur Sprache zu bringen, folgendes:
Wer nicht Autofahren kann, hat keinen Führerschein zu haben und wer bewusst Rechtsbruch begeht, kann und darf nicht Rechtsanwalt sein. (OTS)
Übrigens, auch Haider war Rechtsanwalt. Ich frage mich, was in “seinem” Bundesland geschehen wäre, hätte ihn jemand gestoppt, bevor er die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.
Natürlich, vom politischen Kalkül her ist es logisch, dass seine Parteifreunde ihn posthum mystifizieren wollen, denn viel zugkräftiges Personal ist ihnen nicht geblieben. Genau diesen Zweck erfüllen auch diverse, absurde Verschwörungstheorien rund um Mossad und Bankenlobby. Je länger und effizienter man das verklärte Bild des “keiner Fliege was zu Leide tuenden und stets das Recht achtenden” Landesvaters aufrecht erhält, desto länger profitiert man davon und die kritische Aufarbeitung seiner Politik bleibt vorerst auf der Strecke. Ein rasender Alkolenker gibt kein gutes Zugpferd ab.
Zurück zum österreichischen Rundfunk: Heute abend zeigt man “Im Zentrum” eine Diskussion rund um das Thema “Was darf die Kunst?”, aufgehängt an der Haider-Satire. Das ist ein wichtiger Beitrag, da zur Zeit jene, die sich sonst nach jeder eigenen Entgleisung hinter der Meinungsfreiheit verstecken diese gerade in Frage stellen. Diese Bigotterie ist nicht auszuhalten.
“Der Abschied” jedoch, die ORF-DVD zum Haiderbegräbnis, ist erwähnter Aufarbeitung wenig, dem Mythos dafür aber umso dienlicher. Die Veröffentlichung der vielen verklärenden Ansprachen ist viel zu früh, der Nachbetrachtungsprozess steckt bestenfalls in den Kinderschuhen.
“Der Tod ist aus österreichischer Sicht unheimlich geil”, sagte Dirk Stermann der Zeit. Der Absatz wird vermutlich reißend sein.
Programmtipp: “Im Zentrum”, heute, 22 Uhr auf ORF 2





"Der Abschied" vom Mythos Haider? http://is.gd/6NL7
die DVD find ich ja wirklich jenseits von gut und böse.
aber man kann aus allem ein Geschäft machen.
Also nur so nebenbei: Tragisch ist der Unfall auch, wenn er alkoholisiert war. Ein Unfall ist immer tragisch, denn er sorgt für Trauer. Und nebenbei ist es das Adjektiv zu “Tragödie”. Bin ja selbst kein Haider-Fan, aber ich empfinde kein Problem, wenn von einem “tragischen Unfall” geschrieben wird. An der Tatsache, dass Haider sich selbst ins Unglück gefahren hat, ändert das in meinen Augen nichts.
Dass sich die “Bald Zeitgeschichte von Österreich”-Partei über Stermann und Grissemann aufregen, kann ich verstehen. Getroffene Hunde bellen ;) Aber im Vergleich zu manch anderer Satire, die ich über Haider gelesen habe (z.B. schrieb einer, dass er sauer auf Haider bzw. auf seine Mitbewohnerin sei, dass er wegen dem Tod des Kärntner LH aus dem Schlaf gerissen worden ist), sind Stermann und Grissemann echt objektiv geblieben. Sie griffen Haider nicht persönlich an, sondern die Verhaiderung der Berichterstattung. Abbekommen haben es da doch alle, vom BZÖ bis zum ORF.
Ich mache mir darüber nicht all zu viele Gedanken, aus gutem Grund: Dass das BZÖ es nötig hat, so wegen Satiren und ähnlichem auf den Putz zu hauen, zeugt nur von ihrer Bedeutungslosigkeit. Satire und Kritik tut nur den Menschen weh, die sich ihrer Selbst nicht sicher sind.
Weil du auf die Tragödie referenzierst: Hab mich bei der Wikipedia durch diverse Einträge gewühlt, da findet sich genau nichts was hier dazu passt.
-
Ausser man nimmt sich diesen Satz beim Eintrag zur Tragödie heraus und ignoriert den nachfolgenden:
“Für Hegel steht nicht der tragische Held, sondern die tragische Kollision im Mittelpunkt der Tragödie.”
-
Also eine Kollision wars allemal. Aber tragisch? =)
-
Tragisch hängt für mich mit unverschuldet/Pech zusammen. Das seh ich nirgends, eher wäre es unwahrscheinliches Glück gewesen, wäre er unter den Umständen unfallfrei im Bärental angekommen.
Sehr geehrter Herr Pichler Georg!
Danke für die vielen netten Worte über unser Heimatland Kärnten. Deine Anteilnahme für die Kärntner und dein grenzenlos Verständnis für das Bundesland Kärnten und seiner Bevölkerung, haben mich veranlaßt, Dich zu einem GRATISURLAUB nach Kärnten einzuladen. Du kannst natürlich auch gerne deine Kollegen Herrn Gordian Ezazi und Herrn Michael Thurm mitbringen. Viele Kärntner können es kaum erwarten Euch persönlich “kennenzulernen”. Teilt mir bitte recht bald mit, wann wir mit eurem ehrenwerten Besuch rechnen dürfen.
Krametter Wolfgang – Villach/Kärnten
P.S. hat es einen Grund, dass auf Eurer Homepage keine brauchbare @mail adresse zu finden ist?
Haider, respektive das BZÖ hattenan die 39%, nicht 99% um hier von grenzenlosem Verständnis für die Kärntner Bevölkerung sprechen zu können. Mag sein das meine Ansichten dem einen oder anderen nicht gefallen – genausowenig gefielen mir die Ansichten des Herrn Haider. Ich kritisiere ihn, seine Partei, und die mediale, heucheleischwangere Haidermania. Es liegt mir fern die Einwohner des Landes zu beleidigen, die haben sich klar mehrheitlich nicht für das BZÖ entschieden.
-
Ich hätte ein wenig Anteil genommen, wäre sein Unfall tatsächlich tragisch und nicht in hohem Maße selbstverschuldet gewesen. Ich wünsche niemandem den Tod, aber ich weigere mich einfach besoffene Raserei mit Todesfolge als Tragik zu bezeichnen.
-
Kärnten ist ein schönes Land, doch die malerische Natur ist keine Rechtfertigung für die menschenverachtende und verfassungsfeindliche Politik einer einzelnen Partei, die ständig das ganze Bundesland vereinnahmt und als Schutzschild vor sich und ihre fragwürdigen Umtriebe stellt.
-
Im Impressum sind unter den jeweiligen Autorenvorstellungen durchaus Emailadressen zu finden.
Naja aber eine Regierung sollte man schon akzeptieren, außerdem glaube ich nicht, daß die Kärnten die Slowen wirklich so gern haben, wie der Rest von Österreich glaubt, Partisanen, haben einfach Kärntner in der Nacht erschoßen, obwohl Kärnten schon britisch besetzt war, das sollte man halt wissen, wenn man über die Kärntner Seele sprechen möchte oder versucht es zu tun, das ist nämlich sehr sehr wichtig! Die Slowen werden leider immer noch mit den Partisanen gleichgesetzt, viele Slowen haben auch für die Partisanen gekämpft, das ist halt leider eine Tatsache!