Politik & Gesellschaft, Österreich

Hundeführerschein für alle!

dogglesDie Wiener Volksbefragung wollte von mir wissen, ob es in Ermangelung einer bundesweiten Regelung einen Hundeführerschein für bestimmte Hunderassen in Wien geben sollte. Ich habe “Ja” angekreuzt, halte das aber nur für eine halbe Lösung. Ein Hundeführerschein in der Form wird nicht allen Ansprüchen gerecht, denen er gerecht werden sollte.

Ein Führerschein, etwa für Bulldoggen, soll minimieren, dass diese Hunde in falsche Hände geraten. Von seinem Halter misshandelt kann dieses Tier zum Gefahr für die Allgemeinheit und insbesondere Kinder werden. Die Attacken der letzten Jahre und die Konzentration der Medien und Politik darauf haben Sensibilisierung wie Hysteriesierung erzeugt. Der Forderung nach einer “Prüfung” des Hundehalters kann man also eine gewisse Berechtigung abgewinnen, jedenfalls nach dem Standpunkt des Menschenschutzes. Was untergegangen ist – und weswegen ein allgemeiner Hundeführerschein sinvoller wäre – ist dabei der Tierschutz.

Eine misshandelte Bulldoge ist ein Problem. Ihr Frauchen oder Herrchen ebenso, sogar das größere von beiden. Diese Halter könnten sich ebenso einen Zwergpudel oder Chihuaha zulegen, der ihrer Unfähigkeit genauso ausgesetzt wäre. Diese zwei kleinen Vierbeiner müssten also genauso leiden, würden aber niemanden ernsthaft verletzen können. Das ist allerdings nicht besser, sondern im Sinne eines Hundeführerscheins schlichtweg einseitig.

Wenn schon ein Instrument wie diese Halteberechtigung, dann bitte für alle Hunde. Bulldoggen wie Chihuahas sind gleichwohl soziale und sensible Wesen, genauso wie alle anderen Hunderassen auch. Dass wir nur Angst vor Kampfhunden haben darf nicht bedeuten, dass wir über alle anderen nicht mehr nachdenken. Ernsthafter Tierschutz kann in diesem Sinne nur bedeuten, dass jedes Frauchen und Herrchen sich zu bewähren hat.
Creative Commons License photo credit: del burka vista

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6 Kommentare

  • Am 30. Januar 2010 sagte Michael:

    Katzen sind auch sensible Wesen. Und was ist mit Pferden und Ziegen? Die sind auch sehr sozial. Und was ist mit Kindern – wieso soll man für Hunde eine staatliche Genehmigung brauchen, aber jeder Depp kann ein Kind haben?

    In diesen budgetär angespannten Zeiten würde sich da auch ganz neue Einnahmequellen erschließen – ein Führerschein für alles und jeden!

  • Am 30. Januar 2010 sagte Georg Pichler:

    Katzen sind sensible Wesen, aber nicht hierarchisch fixiert wie Hunde, die man erziehen muss. Bei einer Katze beschränkt sich die Erziehung weitestgehend auf Stubenreinheit.

    Auch Pferde und Ziegen leben zumeist nicht so eng am Menschen wie ein Hund. Fürs Pferd gibts übrigens Reitkurse und bei Kindern besteht durch Schulpflicht und Co. eine Absicherung, wenn auch keine 100%ige (wäre auch der Hundeführerschein nicht). Wer sein Kind misshandelt behält es zumeist nicht sehr lang.

    Beim Hundeführerschein gehts auch nicht um ein monatelanges Bootcamp für Herrchen und Frauchen, sondern um ein paar Stunden in ein paar Wochen um wenigstens ein bisschen was dafür zu tun, dass Hund X ein geeignetes Herrchen bekommt, denn ausgesucht hat er sichs ja nicht.

  • Am 1. Februar 2010 sagte SaschaP:

    Und wann willst du dann den Elternführerschein? Und den verpflichtenden Fahrradführerschein? Oder den Fussgängerführerschein (manche rennen dich ja so übern Haufen und mißachten alle Schilder, die dürften eigentlich nicht auf die Straße)?

    Was ich damit ausdrücken will: Reglementierung sorgt nicht für Freiheit, weder für die Hundefreien noch für die Hundebesitzer. Klar, man sollte bei einzelnen Rassen eine Eignungsprüfung des Halters machen, jedoch für alles einen Führerschein?

  • Am 1. Februar 2010 sagte Georg Pichler:

    siehe mein Kommentar drüber.

    Wer Verkehrsregeln missachtet begibt sich in Gefahr und wird belangt. Den Fahrradführerschein gibts in quasi-verpflichtender Form bereits, da du ihn mit 8 Jahren machen kannst. Und wenn nicht, darfst du erst mit 12 alleine Rad fahren.

    Wenn du sagst “bei manchen Rassen einen Eignungstest”, dann machst du genau das, was ich kritisiere. Du denkst ausschließlich an den Menschenschutz, geleitet durch die mediale Kampfhunddebatte.

    Nur: Das Herrchen, dass dann tatsächlich durch den Eignungstest fällt holt sich vielleicht dann einen anderen Hund, der nicht als “Kampfhund” gilt. Der muss dann genauso unter dessen Unfähigkeit leiden, wie es sonst vll. der Pitbull getan hätte.

    Deswegen will ich nicht für alles einen Führerschein, aber Hunde sind hochentwickelte, soziale Wesen mit Gefühlen. Das gilt für den Pitbull wie für den Chihuaha. So etwas muss schlichtweg berücksichtigt werden, wenn man über Hundeführerscheine redet.

  • Am 6. Februar 2010 sagte SaschaP:

    1. Der Fahrradführerschein mag als verkehrserzieherisches Training in den Grund-/Volksschulen ein Thema sein, trotzdem ist er weder verpflichtend noch hält sich auch nur ein Viertel der Radfahrer an diesen. Und nebenbei sprach ich NICHT von Kindern, die entweder mit 8 oder 12 Radfahren dürfen (in Deutschland ist dieser Führerschein sogar nicht mal eine Voraussetzung dafür, ab wann du alleine Radfahren darfst, er ist nichts weiter als eine kinderpädagogische Methode, um den Kindern sicheres Radfahren beizubringen, nach der Methode: “Hey, ihr kriegt auch euren Führerschein, wie eure Eltern.” Mit sehr mangelhaftem Erfolg.)

    Und nebenbei, wovon ich sprach, was ein Fahrradführerschein für Erwachsene, da gerade diese mit den Verkehrsregeln sehr lasch umgehen, obwohl sie es durch den Autoführerschein besser wissen sollten. Die Kinder fahren tw. sogar noch besser Rad wie die Erwachsenen.

    2. Ich denke nicht an den Menschenschutz. Es ist nur Faktum, auch wenn du es nicht verstehst, dass je nach Hunderasse aufgrund des Zuchtziels es schwerer oder einfacher ist, den Hund zu erziehen. Und interessanterweise sich auch die Erziehungsmethoden unterscheiden, da sich auch oftmals die Kleintel, die den Hund kauft, unterscheidet. Wie selten siehst du Kampfhunde beim Hundetraining, da sind eher Dackel, Schäferhunde oder Bernadiner. Und wieso? Weil diese Klientel eher freiwillig zu solchen Trainings geht, wenn es privat nicht geklappt hat, dem Hund “sitz” beizubringen. Die Klientel, die sich vorwiegend Kampfhunde kauft, gehört, auch wenn es böse klingen mag, eher zur Randschicht der Bevölkerung und trainiert ihre Tiere entweder alleine oder gar nicht. Und oftmals auch wirklich um mit ihnen zu kämpfen, auch wenn es natürlich bewundernswerte Ausnahmen gibt (ja, auch eine Bulldogge kann ein Schmusehund sein, wenn das Herrchen/Frauchen es richtig macht.)

    Sicher, ein Schäferhund kann auch einen Menschen angreifen oder falsch erzogen werden. Nur die meisten Schäderhundbesitzer bringen ihren Hunden gutes Benehmen bei, ohne dass man was machen muss.

    Und klar, wenn jemand durch den Eignungstest fällt mit der Bulldogge, kauft er sich vielleicht einen Dackel und macht den zum Kampfhund. Nur: Wir reden hier nicht nur von diesen Menschen, wir reden hier von ALLEN Hundebesitzern, also auch Paris Hilton oder Nicole Richie und ihren “Handtaschenhunden” oder von stinknormalen Rentnern und ihrem Dackel.

    Und die willst du alle dazu zwingen, einen Eignungstest zu machen? Sorry, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass du als Goiserner den Ideen der Haiders wohl doch näher stehst als du dir eingestehen willst :P

    Und was ist mit dem Elternführerschein? Damit auch ja die Kinder richtig = im Sinne des Staates erzogen werden? Also keine Kinder für Nazis, Asoziale und so? (ich sag es provokant, um zu zeigen, wie doof manche Ideen sind.) Denn: Auch Kinder sind hochempfindliche Wesen und können sich ihre Eltern nicht aussuchen.

    Oder dem ÖPNV-Führerschein? Gegen schreiende Kinder im Bus, nervige Schülerhorden, nervende Punks in der Bim und die Oma, die physisch gar nicht mehr in der Lage ist, in die Hochflurbusse einzusteigen?

    Wie wäre es mit dem Fussgängerführerschein? Damit endlich nicht mehr alle einfach irgendwo über die vierspurige Straße und vors Auto laufen? Ist doch gemeingefährlich, solche Horden.

    Was du verlangst, Georg, ist etwas, bei dem ich mir denke: Echte Überregulierung in Bereichen wo man nicht regulieren muss. Oder bist du durch den Audimax mittlerweile vom Grünen-Ökologismus auf den Audimarxismus umgestiegen (also den in einen Augen weltfremden Weltverbesserer aber erst mal bitte bei den anderen Marxismus)

  • Am 6. Februar 2010 sagte Georg Pichler:

    Zu den Schäferhunden: Die liegen in der Hundebiss-Statistik sowohl in Österreich als auch in Deutschland nach meines Wissens nach an erster Stelle.

    2. Ich denke nicht an den Menschenschutz. Es ist nur Faktum, auch wenn du es nicht verstehst, dass je nach Hunderasse aufgrund des Zuchtziels es schwerer oder einfacher ist, den Hund zu erziehen.

    Du denkst nach wie vor nicht an das Tier. Die Einfachheit der Erziehung ist nicht proportional zu seiner Größe. Und auch ein -verhältnismässig- leicht zu erziehender Hund sollte nicht in die Hände eines Menschen gelangen, der nicht in der Lage ist, der Verantwortung ausreichend gerecht zu werden. Spitz formuliert: Ein Psychopath sollte weder Bulldogge noch Zwergpudel “erziehen”.

    Das allerdings in dem Kontext des Hundeführerscheins. Wenn man schon sowas einführt, dann bitte nach der Devise “ganz oder gar nicht” und nicht nach ohnehin fragwürdigen Rassenunterscheidungen. Ein Schäfer, der ja nicht zu den Kampfhunden gezählt wird, ist mit einem falschen Herrchen/Frauchen nicht minder gefährlich wie eine Bulldogge.

    Das mit dem “Kinderführerschein” habe ich bereits erläutert, da gibt es zumindest staatliche “Schutzmassnahmen”. Der ÖPNV-Führerschein ist ein komplett unpassender Vergleich und um die Barrierefreiheit von Bussen hat sich der Verkehrsbetrieb zu kümmern (dafür gibts übrigens Regulative).

    Für den Verkehr gibt es die StVo und die wird sowohl Fußgängern wie Autofahrern schon im Kindesalter eingetrichtert, jedenfalls im Bezug auf “sichere Teilnahme am Straßenverkehr”.

    Mir ist klar, dass diejenigen, die ihren Hund wirklich zu einem Kampfhund erziehen eine Minderheit darstellen. Der Anteil an jenen, die zwar ihren Hund nicht zum Killerinstrument machen wollen, aber nicht in der Lage sind der Verantwortung für so ein Tier gerecht zu werden, ist wohl erklecklich höher.

    Den Haider-Vergleich und dergleichen darfst du dir übrigens behalten. Auf das Niveau lasse ich mich nicht herab.

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