Politik & Gesellschaft, USA

Das Dämonenschaf und Carly FAILorina

Wieder einmal setzt der US-Wahlkampf Maßstäbe – obwohl es gar nicht ums höchste Amt des Staates geht. Bis vor kurzem lief die Senatswahl (ein Teil der sogenannten “mid-term elections”) in den Vereinigten Staaten beinahe unbemerkt in den heimischen Medien. Jetzt brodelt der innerparteiliche Vorwahl-Kampf bei den kalifornischen Republikanern. Sowohl Tom Campbell, bisheriger Direktor des “Department of Finance” wie auch die Ex-Chefin von Hewlett Packard, Carly Fiorina, liefern sich eine Schlammschlacht. Den ersten Höhepunkt lieferte die Quereinsteigerin und veröffentlichte ein mittlerweile auf YouTube äußerst populäres Video, in dem sie ihren Kontrahenten als Dämonenschaf, einen Wolf im Schafspelz, darstellt.


Nicht die Aussage, sondern die Inszenierung sind es, die sich abheben. Realisiert mit der Technik eines B-Movies, untermalt mit höchst dramatischer Musik und dem Wort “FCINO” (Fiscal Conservative in Name only) wird Campbell als Heuchler attackiert und vor seiner Steuerpolitik gewarnt.

Eine Retourkutsche aus seinem Lager gibt es noch nicht, doch die Demokraten sehen die Aufmerksamkeit auf die eigene Kampagne wohl nicht zu Unrecht schwinden und haben eine Website eingerichtet. Ein wohlgesonnener YouTube User hat zur Bewerbung folgenden Film gebastelt:


Ebenso mit dramatischer Akustik unterlegt, gespickt mit Text und Bildern aus dem (grottenschlechten) Katastrophenstreifen “2012″, wird an Fiorinas Kompetenz gerüttelt. Symbolisch dafür stehen laut Videoangaben 28.000 abgebaute Jobs, ein dramatisch gefallener Aktienkurs und ein goldener 20 MillionenDollar Handshake. “She ruined HP – Imagine what she’ll do to Caifornia”. Ob dieses Video ähnlich erfolgreich wird wie sein republikanisches Vorbild, darf bezweifelt werden – nach zwei Tagen dümpelt es nach wie vor mit einer dreistelligen Zuseherzahl herum (FCINO: ca. 500.000 – ohne Berücksichtigung von Duplikaten).

Die beworbene Website “CarlyFAILorina.com” existiert allerdings und ist “paid for by the California Democratic Party”. Bemerkenswert ist damit einerseits die unglaublich schnelle Reaktion auf den Schlagzeilen machenden Fight zwischen Campbell und Fiorina als auch das gezielte Feuern auf eine politische Gegnerin in einem für einen im Verhältnis zur Präsidentenwahl unbeachteten Urnengang. Die Zeit wird zeigen, ob man damit die Aufmerksamkeit wieder auf sich lenken kann.Zudem lässt sich daraus schließen, dass man Seitens der Demokraten Fiorina für eine gefährlichere Konkurrentin am “Election Day”, dem 2. November 2010, hält.

Ohne Zweifel kann nach Außen getragene innerparteiliche Konkurrenz – und sei sie nur ausgelöst durch die unerwartete Umstellung einer Wahlliste – zu besserer Mobilisierung führen. Man vergleiche den Vorzugsstimmenwahlkampf der ÖVP EU-Wahlkandidaten Karas und Strasser, nachdem der ehemalige Innenminister als Spitzenkandidat nominiert wurde – ähnlich interessant und mobilisierend hätte Lunacek vs. Voggenhuber werden können). “Konkurrenz belebt das Geschäft”, wäre hier wohl im Selbstbezug passend.

Spannend wird es jedenfalls in Kalifornien: Wie wird Campbells Retourkutsche aussehen? Können die Demokraten Fiorina erfolgreich beschädigen? Wer von beiden macht das Rennen?

Nicht zu vergessen bleibt aber, dass der finale Wahltag der mid-term elections als Stimmungsbarometer für den Präsidenten gilt. Ob dann der Sieger aus Fiorina vs. Campbell oder der demokratische Kandidat sein wird, wird also auch maßgeblich davon abhängen, wie 2 Jahre “Change” bei den Kaliforniern angekommen sind.

Weitersagen & Bookmarken:

1 Kommentar

  • Am 7. Februar 2010 sagte Hollerbusch:

    Der Unterschied zwischen der Werbung von Carly Fiorina und der Demokraten ist doch, dass die Dämonenschafe richtig skurril sind – was auch nach Angaben des Teams beabsichtigt war, damit der Webclip in möglichst vielen Blogs zitiert wird. Die Demokraten-Werbung ist dagegen “run of the mill”, so schaut Negativwerbung in den USA des öfteren aus. Kein Wunder, dass sie nicht so viele Clicks hat …
    Da Fiorina eine eher moderate Kandidatin ist – was ihr der konservative Flügel der GOP auch vorwirft -, haben die Demokraten aber sicher recht, dass sie ihnen noch am ehesten gefährlich werden könnte. Ihre parteiinternen Konkurrenten Campbell und Chuck deVore sind doch eher ein Programm für Hardcore-Republikaner. Da müssen Obama und Barbara Boxer zusammen schon sehr unbeliebt sein, damit die eine Chance hätten.

SPEAK UP!

Verfasse einen Kommentar oder schicke einen Trackback von deiner Seite.

RSS: Abonniere die Kommentare zu diesem Artikel.

Du kannst folgende Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*Pflichtfeld