Energie & Umwelt, Österreich

Wenn des Nachts der Bildschirm einsam leuchtet

Stromsparen ist in. Glücklicherweise, denn es schont bekanntlich den Geldbeutel wie auch das Klima. Je weniger Strom gebraucht wird, desto weniger CO2 muss durch seine Erzeugung emittiert werden. Soweit so gut, ob Klimawandelskeptiker oder nicht, alle sind zumindest informiert. Wirklich alle? Die Handelsketten anscheinend nicht.

Als ich am Heimweg von einer Feier gegen 4 Uhr früh am DM der Nußdorferstraße vorbeikam, strahlten mir da der Kassa-Touchscreen und der Monitor der Überwachungskamera entgegen. Aber warum? Um diese Uhrzeit wird nichts mehr verkauft und dementsprechend auch der Überwachungsbildschirm nicht mitverfolgt. Die Kamera kann auch ohne ihm weiterlaufen und aufnehmen.

Zweites Beispiel: Schlecker Sechsschimmelgasse. Auch hier leuchtet das Kassadisplay fröhlich vor sich hin und der Cola-Kühlschrank daneben (war leider nicht ins Bild zu kriegen) strahlt wie eine Nahtoderfahrung. Völlig sinnlos.

Ein weiterer Rundgang erbrachte, dass diese DM und Schlecker-Filialen bei weitem nicht die einzigen Sünder sind. In vielen Märkten laufen diverse Bildschirme und Geräte über Nacht.

Zeit um einen hypothetischen Überblick über das Ausmaß zu bekommen:

Nehmen wir an, dass pro Filiale allein durch das Nichtausschalten von in der Nacht nicht benötigten Geräten und Beleuchtung pro Filiale und Stunde durchschnittlich 15 Watt (niedrig angesetzt) verschwendet werden. Nun haben DM und Schlecker gemeinsam 1.506 Filialen in Österreich. Rund 22.600 Watt beträgt folglich der Sinnlosverbrauch. Umgerechnet auf 11 Stunden, an denen die Filialen pro Tag nicht geöffnet sind nebst 24 Stunden am Sonntag schlägt somit ein Jahresverbrauch von ca. 95 Megawattstunden pro Jahr zu Buche. Das entspräche in etwa dem Jahresverbrauch von 40 2-Personen-Haushalten mit Waschmaschine, Geschirrspüler und E-Herd.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass mit DM und Schlecker bei Weitem nicht alle bedeutenden Handelsketten in Österreich abgedeckt sind. Allein die REWE Gruppe betreibt rund 2.500 Standorte in ganz Österreich (ADEG, Billa, Bipa, Penny, Merkur). Hinzu kommen noch Hofer (mehr als 420 Filialen), Zielpunkt/Plus (rund 280) und andere Händler (Libro, Pagro, NKD, KiK,…).

Insgesamt kommt man allein durch die Berücksichtigung von Händlern wohl auf den Stromverbrauch einer kleinen Gemeinde. Vermutlich muss man auch Trafiken (wo die Lotto-Bildschirme oft weiterlaufen) und Büros miteinbeziehen um ein wirklich realistisches Bild zu bekommen. Mein Tipp ist, dass allein hier pro Jahr ausreichend Strom für eine Kleinstadt ins Nichts verpulvert wird.

Dies ruft in Erinnerung, dass die Sicherstellung von Energieversorgung wie auch Klima- und Umweltschutzanliegen nicht alleine von neuen Technologien getragen werden. Es ist freilich löblich, wenn private Haushalte und Betriebe auf Energiesparlampen umrüsten und moderne Flachildschirme weniger Strom fressen wie ihre klotzigen CRT-Pendante.

Privat wie auch Industrie und Handel müssen auch im Verhalten umdenken. Solange Nacht für Nacht tausende Bildschirme und Automaten für nichts und wieder nichts laufen ist jede Lösung für Energie- und Klimakrise bestenfalls halbherzig.

PS: Ich übernehme keine Garantie für die vollständige Richtigkeit der Be- und Umrechnungen.

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4 Kommentare

  • Am 10. Februar 2010 sagte M___K:

    Das Problem der nicht ausgeschalteten Bildschirme oder Lampen hat wohl fast jeder Betrieb. Meistens gibt es sogar Arbeitsanweisungen, die die Mitarbeiter dazu anhalten beim Verlassen ihres Platzes alles abzuschalten was nicht mehr benötigt wird. Nur leider vergessen viele Mitarbeiter so etwas schnell mal (ich unterstelle mal lieber keinen Vorsatz bzw. Faulheit).

    In meiner Abteilung musste ich aus diesem Grund extra einen “Energiebeauftragten” ernennen, der sich um solche Dinge kümmert. Das sparte mehrere tausend Euro im Jahr ein wovon dann eine recht opulente Weihnachtsfeier finanziert wurde. Man muss eben Anreize schaffen ;)

  • Am 13. Februar 2010 sagte SaschaP:

    Also die Frage ist ja: Einzelfall oder System… Wobei ich eher von Einzelfällen ausgehe, die Angestellten wollten wahrscheinlich schnell nach Hause, war schon spät und man wollte die Ubahn noch erwischen.

    Von daher denke ich sind deine haarsträubenden Berechnungen ohne jegliche Grundlage. Denn wenn ich an den meisten Läden nachts vorbeigehe ist da kaum mehr an als die Notbeleuchtung. Halt auch keine Kassabildschirme und ähnliches.

    Bist du denn an anderen Tagen auch mal an der Filiale vorbeigegangen oder gehst du (unjournalistisch) davon aus, dass es an jedem Tag so wäre wie an dem einen Tag an dem du es gemerkt hast?

  • Am 13. Februar 2010 sagte Georg Pichler:

    Es war bei beiden Filialen das jeweils dritte Mal das ich geschaut habe un die Bildschirme auch an waren. Ich kann das – soweit der Kassabereich von aussen einsichtig ist – auch für die meisten anderen Märkte in meiner Umgebung bestätigen.

  • Am 15. Februar 2010 sagte SaschaP:

    Und mal versucht, die Besitzer dieser Unternehmen zu fragen, ob das einfach Schusseligkeit und Vergessen war oder ob das vielleicht seinen Grund hat (z.b. Abschreckung, dass potentielle Diebe sehen: AHA, die kamera läuft, oder weil das System nicht abschaltbar ist)?

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